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Art. Nr.: 23
GUSTAV KLIMT Wien 1862 – 1918 Wien
STUDIE ZUM „KUSS“, um 1907/08
Bleistift auf Papier, 533 x 333 mm
Nachlassstempel links unten
Die Zeichnung wird in den Nachtrag des Klimt-Werkverzeichnisses von Marian Bisanz-Prakken / Albertina, Wien aufgenommen.
In zwei Hauptwerken seiner Goldenen Periode sakralisierte Klimt die erotische Vereinigung von Mann und Frau: im Gemälde „Kuss“ (1908) und in der „Erfüllung“ des für das Brüsseler Palais Stoclet geschaffenen Mosaikfrieses (vollendet 1911). Die hier präsentierte Zeichnung, in der das vorgebeugte Profil des Mannes die Kopfstellung im „Kuss“ weitgehend vorwegnimmt, gehört zur herausragenden Gruppe der 1907/08 entstandenen Studien, in denen Klimt das Motiv der Umarmung an seinen zumeist in Kimonos gehüllten Modellen mehrfach erprobt hat. Dabei ist jede Zeichnung eine Welt für sich, mit jeweils neuen psychologischen Herausforderungen und eigenen formalen Gesetzmäßigkeiten.
Die Frau unserer Studie ist von der knienden Traumfigur des Gemäldes, die sich der vitalen Männergestalt passiv hingibt, weit entfernt; in dieser intimen Bleistiftarbeit registriert Klimt das aktive Geben und Nehmen der beiden Liebenden. Fast vergraben sich die Gesichter ineinander - die Nase des Mannes schmiegt sich eng der Wange der Frau an, deren Mund- und Kinnpartie sich wiederum in die untere Gesichtshälfte ihres Partners zu pressen scheint. Eine durchgehende Linie schweißt die Umrisse beider Gesichter zusammen und beschreibt die mehrfach angesetzte, pathetisch gestreckte Halskontur der Frau. Sinnliche Erregung vermittelt auch die frei herunterhängende weibliche Hand, deren nervös-vibrierende Geste zum geometrisch verankerten Händepaar im Halsbereich der Liebenden einen suggestiven Kontrast bildet. Offensichtlich konzentrierte Klimt sich in diesem Blatt auf die Sprache der Hände sowie auf die Psychologie der Gesichts- und Körperkonturen, die durch das sparsame Linienspiel der Gewänder umso prägnanter zum Ausdruck gelangen.
Marian Bisanz-Prakken
Literatur: Alice Strobl: Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1904 - 1912. Band 2. Verlag Galerie Welz. Salzburg 1982, vgl. WVZ Nr. 1786 – 1792.
STUDY FOR ‘THE KISS’, c. 1907/08
Pencil on paper, 533 x 333 mm
Estate stamp (lower left)
This drawing will be included in the supplement to the Klimt catalogue raisonné by Marian Bisanz – Prakken / Albertina, Vienna.
In two masterpieces of his Golden Period, Klimt sacralized the erotic union of man and woman: in The Kiss (1908) and in Fulfilment from the mosaic frieze he created for Palais Stoclet in Brussels (completed in 1911). The bowed profile of the man in this drawing anticipates the position of the head in The Kiss. The drawing belongs to the outstanding group of sketches which Klimt drew in 1907/08, experimenting with the motif of embracing using models usually wrapped in kimonos. Each drawing is a world of its own; each has new psychological challenges and follows its own formal intrinsic laws.
The woman in our study is a far cry from the kneeling dreamy figure in the painting, passively succumbing to the vigorous male figure. In this intimate pencil drawing Klimt registers the active give and take of the two lovers. The two faces are almost buried into each other – the man’s nose is pressed against the woman’s cheek and her mouth and chin are crushed against the lower half of her partner’s face. A continuous line fuses the outlines of the two faces and describes, in a series of strokes, the impassioned contour of the woman’s throat. Sensual abandon is also suggested by the dangling female hand, its nervous, quivering gesture contrasting with the geometric hands around the necks of the lovers. Klimt is evidently concentrating on the language of the hands and the psychology of facial and bodily contours, which, placed against the sparing lines of the garments, emerges with all the more clarity.
Marian Bisanz-Prakken
Literatur: Alice Strobl: Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1904 - 1912. Band 2. Verlag Galerie Welz. Salzburg 1982, vgl. WVZ Nr. 1786 – 1792.
Preis: nicht vermerkt
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