Zwiebelpflanzen
1925. Wassertempera auf Papier. 52,3 x 69,2cm. Monogrammiert und datiert unten rechts: CR 25. Rahmen.
Provenienz: Prof. August Hoff, Gründer des Lehmbruck-Museums Duisburg/Geschenk des Künstlers Privatsammlung
Christian Rohlfs setzt sich erst spät, im Alter von über sechzig Jahren, mit den Stilmitteln des Expressionismus auseinander. Nach dem Ersten Weltkrieg findet er zu einer kraftvollen Malerei, die sich jeglicher Etikettierung entzieht. Allein in der Farbe und Form verdichtet er sinnbildhaft seine persönlichen Wahrnehmungen. Indes sucht er vor allem durch einen reinen, transparenten und intensiv leuchtenden Kolorit einer bildnerischen Übereinstimmung von Anschauung und Vorstellung näher zu kommen. Deshalb wendet er sich zunehmend von der Stofflichkeit der Ölfarbe ab und bevorzugt die Technik des Aquarells und der Wassertempera. Besonders mit dem letzteren Malverfahren experimentiert Rolfs immer wieder: Nach dem ersten Auftragen der Tempera wäscht er diese wieder aus, trägt erneut Farbe auf, wobei er neben Pinseln u.a. auch Bürsten zur weiteren Bearbeitung benutzt. So überzieht er seine Kompositionen mit einem vibrierenden Streifen- oder Netzmuster, mittels dem er seine Bildsprache ganz bewußt nochmals auf eindrucksvolle Weise zu steigern weiß. Dieses können wir auch in dem Gemälde "Zwiebelpflanzen" erfahren. Auf dünnen Stielen neigen sich hier die blaugrünen, prall gefüllten Blüten gegen die sie umgebenden rotbraunen Gräser, die wie ein züngelndes Flammenmeer anmuten. Durch die transparente Farbgebung und zarten Umrisslinien ist eine räumliche Ortung der einzelnen Gewächse kaum möglich. Alles ist miteinander verwoben, ein Entrinnen ist somit unmöglich. Einem Inferno gleich gestaltet Rohlfs diese metaphorische Inszenierung des Naturgesetzes vom rhythmischen Werden und Vergehen