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Art. Nr.: 664
Polke, Sigmar
1941 Oels/Niederschlesien
Ohne Titel
1993. Acryl auf farbigem bedruckten Stoff. 91 x 70cm. Signiert und datiert auf der Rückseite: S. Polke 93.
Provenienz: Galerie Löhrl, Mönchengladbach Privatsammlung
Auf einem rot-türkis gepunkteten Stoff trägt Polke die weiße Farbe kleksartig auf. In die daraus entstehenden Farbflächen bindet er eine Bildvorlage in eine Rasterstruktur, die er von Hand malt, ein. "Im Gegensatz zu Warhol und Lichtenstein - deren Auffassung vom Rasterbild untereinander ebenfalls äußerst verschieden ist - entstammen Polkes Punkte in den Rastersystemen einem komplizierten manuellen Übertragungsverfahren, das jeden Partikel der Projektion minutiös in ein Bildganzes übersetzt. (...) Punkt für Punkt wird hier revidiert. Die imaginäre Erscheinung einer Figur, das scheinbar besondere Einzelne, wird aufgelöst in die Summe seiner realen Teile, die sich als die eigentlich konstituierenden Elemente erweisen. (...) Statt der gewöhnlichen bildlichen Selbstdarstellung von Realität sehen wir ein Bild in seiner realen Darstellung. Somit zerstört die Rastertechnik als malerisches Verfahren die Idiosynkrasie des personalen Stils ihres Autors, um dem Betrachter das Erfahrungsmoment einer vom illusionistischen Zwang befreiten Wahrnehmung zu vermitteln. (...) Der Bildträger [Stoff] wird hier zum sprechenden Realitätsfragment, die Leinwand selbst ist objet trouvé und ready made zugleich." (Benjamin H.D. Buchloh, Polkes Raster, Polkes Stoff, in: Sigmar Polke. Werke aus der Sammlung Fröhlich, Ausst.-Kat., museum für neue kunst, Karlsruhe, S. 28f) "Ich liebe alle Punkte. Mit vielen Punkten bin ich verheiratet. Ich möchte, dass alle Punkte glücklich sind. Die Punkte sind meine Brüder. Ich bin auch ein Punkt. Früher haben wir immer zusammen gespielt, heute geht jeder seine eigenen Wege. Wir treffen uns nur noch zu Familienfesten und fragen uns: wie geht's?" (Sigmar Polke, zitiert nach: ebda., S. 29)
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