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Nachbericht 04.06.08
Nachbericht 05.06.08
 

Ketterer Kunst GmbH & Co KG, D-81675 München, Website öffnen

ACHTUNG - die Auktion fand bereits am 04./05.06.2008 statt! Etwaige Nachverkaufsstücke erfragen Sie bitte direkt beim Auktionshaus Ketterer.

Auktionsobjekt
Auktionsdatum: Nachauktion:
04. 06. 2008 - 04. 08. 2008

Klassifizierung (Anbieter übergreifend):
Malerei
Moderne Kunst ca. 1890 - 1945
Landschaft

Art. Nr.: 146
Emil Nolde, 1867 - 1956
Marschlandschaft (mit Sielzug und Bauernhaus). Um 1918/20.

Aquarell und schwarze Tusche.
Rechts unten signiert. Auf Japanbütten. 34,8 : 46,2 cm (13,7 : 18,1 in), blattgroß. Emil Nolde studiert zunächst ab 1898 an der privaten Malschule von Adolf Hölzel in Dachau und ab 1899 an der Académie Julian in Paris. Durch die Auseinandersetzung mit Vincent van Gogh, Edvard Munch und James Ensor gelangt Nolde ab 1905 zu einem eigenständigen Stil, in dem die Farbe eine wesentliche Rolle spielt. 1906 lernt der Künstler während eines Aufenthaltes auf der Insel Alsen die "Brücke"-Maler kennen, deren Gruppe er sich vorübergehend anschließt. Nolde wendet sich der Aquarelltechnik zu, unternimmt 1909 erstmalige Versuche auf nicht saugfähigem Papier und gelangt zu zukunftsweisenden Neuerungen. Von einer Expedition nach Neu-Guinea 1913 bringt er reiches Studienmaterial mit, das er in zahlreichen Werken verarbeitet.

Die Unendlichkeit der Marschlandschaften mit ihren wechselnden Himmeln ist eines der bevorzugten Themen von Emil Nolde in der Aquarellmalerei. Die von ihm entwickelte besondere Technik des Nass-in-Nass Malens schafft Farbklänge, die den Landschaften ihr besonderes Gepräge geben. Da, wo keine dramatische Landschaftskulisse ist, findet und erfindet sie Nolde, taucht sie in einen unerahnten Farbenkanon und gibt ihr so ein völlig neues Gesicht verbunden mit einer inneren Dramatik, die er mit sicherem Gespür optisch zu verwirklichen weiß. Emil Nolde hat eine vorgefundene Landschaft neu und ungewöhnlich interpretiert, sie quasi neu geschaffen. Seine Marschlandschaften knüpfen wieder da an, wo sie bei den niederländischen Meistern des siebzehnten bis neunzehnten Jahrhunderts stehen geblieben waren. Doch sind seine Aquarelle nicht bukolisch-heiter und gelassen wie die der Niederländer, sondern emotionsgeladen dramatisch.

1928 lässt sich Nolde in Seebüll nieder. Von den Nationalsozialisten verfemt, malt Nolde ab 1938 seine "Ungemalten Bilder", viele hundert kleine Aquarelle, die er nach 1945 in Ölbildern wieder aufgreift. Der Maler verstirbt am 13. April 1956 in Seebüll. [KD]
EXPERTISE: Mit einer Foto-Expertise von Herrn Prof. Dr. Martin Urban, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 30. September 1987. Das Werk ist dort registriert
PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland.

In guter Erhaltung. Obere Ecken verso mit Montierungsresten, recto minimal überstehend.

Am 7. August 1867 wird Emil Hansen im deutsch-dänischen Grenzland geboren. Den Namen seines Heimatortes Nolde nimmt er später als Künstlernamen an. Nach einer Lehre als Möbelzeichner und Holzschnitzer 1884-88 in Flensburg arbeitet er für verschiedene Möbelfabriken in München, Karlsruhe und Berlin. 1892 erhält Nolde am Gewerbemuseum in St. Gallen eine Stellung als Lehrer für gewerbliches Zeichnen, die er bis 1898 innehat. Dort, wo zunächst v.a. Landschaftsaquarelle und Zeichnungen der Bergbauern entstehen, wird Nolde durch kleine farbige Zeichnungen der Schweizer Berge bekannt. Mit dem Entschluss, Maler zu werden, geht Nolde schließlich nach München, doch die Akademie unter Franz von Stuck lehnt ihn ab. Es folgt ein Studium an der privaten Malschule von Adolf Hölzel in Dachau und ab 1899 an der Académie Julian in Paris. 1900 mietet er ein Atelier in Kopenhagen und zieht 1903 auf die Insel Alsen. Durch die Auseinandersetzung mit den Neoimpressionisten Vincent van Gogh, Edvard Munch und James Ensor gelangt Nolde ab 1905 von seinem anfänglich romantischen Naturalismus zu einem eigenständigen Stil, in dem die Farbe eine wesentliche Rolle spielt; es entstehen farbintensive, leuchtende Blumenbilder. 1906 lernt Nolde während eines Aufenthaltes in Alsen die "Brücke"-Maler kennen, deren Gruppe er sich vorübergehend anschließt. In einer Reihe von Porträtstudien beginnt die Hinwendung zum Aquarell. Als Nolde 1909 in dieser Technik erstmalige Versuche auf nicht saugfähigem Papier unternimmt, dabei das Blattweiß in großen Teilen stehen lässt und auf eine Konturierung in der Gegenstandserfassung verzichtet, sind diese Neuerungen zukunftsweisend. Nach einer Kontroverse mit Max Liebermann wird Nolde aus der "Berliner Sezession" ausgeschlossen und gründet 1910 mit anderen zurückgewiesenen Künstlern die "Neue Sezession", an deren Ausstellungen er bis 1912 teilnimmt. Weniger vom Berliner Großstadtleben, das er in einigen expressiven Bildern festhält, als vom Primitivismus fasziniert, malt Nolde Stillleben mit exotischen Figuren und Maskenbilder. Von einer Expedition nach Neu-Guinea 1913 bringt er reiches Studienmaterial mit, das er in zahlreichen Werken noch bis 1915 verarbeitet. Ab 1916 verbringt er den Sommer auf der Insel Föhr und lässt sich 1928 in Seebüll nieder. Der dort angelegte Garten wird zur unerschöpflichen Inspirationsquelle seiner Malerei, auch Küstenlandschaften und religiöse Szenen werden zu tragenden Sujets. Im Krieg als Künstler verfemt, dazu seit 1941 von einem Arbeitsverbot der Nationalsozialisten betroffen, malt Nolde ab 1938 in Seebüll seine "Ungemalten Bilder", viele hundert kleine Aquarelle, die er nach 1945 als Ölbilder wieder aufgreift. In den letzten Lebensjahren entstehen v.a. Aquarelle mit Blumen- und Landschaftsmotiven aus der näheren Umgebung seines Hauses in Seebüll, wo Nolde am 13. April 1956 stirbt.
Schätzpreis: von € 140.000,00 bis € 180.000,00


HIGHLIGHTS
146
Emil Nold...