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Art. Nr.:
SCHWARZBEERZWEIG, 1924
ERIKA GIOVANNA KLIEN Borgo Valsugana/Trentino 1900 – 1957 New York
Bleistift auf Transparentpapier, 354–358 x 177–184 mm
Betitelt, signiert und datiert:
SCHWARZBEERZWEIG | E.G.KLIEN | WALDATELIER 1924
Während Kliens Abschlussjahr an der Wiener Kunstgewerbeschule 1923/24 tritt der Wiener Kinetismus an der Abteilung Prof. Franz Cizeks in seine konstruktivistische Phase. Die atmosphärischen, kubo-futuristischen Stilisierungen nach der Natur, die man aus Pflanzen-, Kristall- und Architekturstudien gewonnen hatte, werden nun von filigranen Formspielen abgelöst, in denen das Konzept einer flächenbezogenen Geometrie der Linien die Oberhand über die Suggestion verschränkter Raum- und Gegenstandsebenen gewinnt.
Im Gegensatz zu den gleichzeitigen „konzeptuellen“ Naturstudien ihrer hervorragendsten Kolleginnen wie Elisabeth Karlinsky und My Ullmann, die, was die Entfernung vom Naturvorbild betrifft, zum Teil weitaus radikalere Lösungen entwickelt haben, bleiben Kliens Pflanzenstudien dieser Stilstufe auf gewisse Weise „naturtreu“: Das Liniennetz, das von den Zweigen, Blättern und Beeren ausgeht, scheint die Proportionen der Verästelungen, die Sägezahnform der Blattränder und die Volumina der Früchte zu wiederholen und auf die Zwischenräume in der Bildoberfläche zu projizieren. Als mathematisch-geometrisierte Abstraktion ist der solcherart gewonnene Bildrhythmus nichts als die Konkretisierung einer Art von Vermessungsarbeit.
Die Mischung aus einer peniblen Nähe zum Vorbild auf konzeptueller Ebene und einem großen Abstand von gewohnten Seherfahrungen bildet eines der Leitmotive in Kliens Lebenswerk. Im vorliegenden Blatt erlaubt sie bei genauerem Hinsehen darüber hinaus auch die botanische Identifizierung der Pflanze als Heidelbeerzweig. Keinesfalls handelt es sich um den Zweig der schwarzen Johannisbeere, sondern bezeichnet auf „österreichisch“ das, was im bundesdeutschen Sprachraum als Blaubeere bekannt ist.
Preis auf Anfrage:
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