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Art. Nr.: 23
DER LETZTE GANG, 1917
OSKAR KOKOSCHKA Pöchlarn/Niederösterreich 1886 – 1980 Montreux/Schweiz
OSKAR KOKOSCHKA
Pöchlarn/Niederösterreich 1886 – 1980 Montreux/Schweiz
23
DER LETZTE GANG, 1917
Roter Farbstift auf Papier, 496 x 343 mm
Monogrammiert rechts unten: OK – Sommer 17
Das Blatt gehört zu einer Gruppe von Zeichnungen, in denen Kokoschka seine Erlebnisse aus den Kriegsjahren zeichnend verarbeitete. Hier skizziert er ein Menschengetümmel mit vielen Uniformierten, in deren Mitte ein Mann mit breiter Augenbinde und hinter dem Rücken zusammengebundenen Armen abgeführt wird. Einige Schaulustige stehen am Rand, einer wendet sich dem Betrachter zu. In der Ferne sind brennende Häuser zu sehen, aus denen dicke Rauchschwaden aufsteigen.
Im Vergleich zu den vorangehenden Graphikzyklen der „Bachkantate“ (1914, publiziert 1916-18) und der „Passion“ von 1916 sucht Kokoschka hier nicht die machtvolle Vision eines Bildes. Er ist auch nicht von den Greueltaten des Krieges fasziniert, die Goya in seinem Graphikzyklus „Desastres de la guerra“ ein Jahrhundert früher geradezu voyeuristisch gestaltete. Kokoschka hat den Stift zaghaft geführt und die Szene vielfach bloß angedeutet, nur stellenweise sind die Figuren deutlicher modelliert. Aus dem flüchtigen, vorüberziehenden Geschehen bleibt vor allem der tief melancholische Blick des Zuschauers an uns haften.
Patrick Werkner
Literatur: Alice Strobl, Alfred Weidinger: Oskar Kokoschka. Das Frühwerk. Zeichnungen und Aquarelle. Graphische Sammlung Albertina. Wien 1994, vgl. Abb. S. 222 – 224; Serge Sabarsky: Oskar Kokoschka. Die frühen Jahre. Ulmer Museum. Ulm 1994, vgl. Abb. 37.
Preis: nicht vermerkt
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