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Elfenbein: Höhepunkte europäischer Elfenbeinkunst aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Manche Elfenbeinschnitzereien zählen zu den absoluten Höhepunkten der bildenden Kunst.
Texte von =>> P.W. Hartmann

Anhand von Elfenbeinschnitzereien lässt sich die Entwicklung der bildenden Kunst gut dokumentieren, da aus dem edlen Material gestaltete Objekte Jahrhunderte, ja selbst Jahrtausende unbeschadet überdauert haben. Zu den ältesten Zeugnissen künstlerischen Schaffens zählen die vor allem aus Mammutzahn gearbeiteten Schnitzereien aus vorgeschichtlicher Zeit. Kunstwerke aus Elfenbein verwitterten nicht wie Objekte aus weniger widerstandsfähigen Materialien, und sie fielen auch nicht dem Schmelztiegel zum Opfer, wie die Mehrzahl der Gegenstände aus Edelmetall, die aus Geldmangel oder weil sich der Geschmack der Zeit geändert hatte, eingeschmolzen wurden.

Bei Elfenbein ist noch anzumerken, dass selten so konsequent mit falschen Behauptungen und Halbwahrheiten argumentiert wird wie bei Elefanten und bei Elfenbein. Werbestrategen haben herausgefunden, dass die Menschen die „grauen Riesen“ von allen Wildtieren am meisten mögen und viel eher bereit sind, für sie Geld zu spenden als für andere Tiere. Systematisch wurde deshalb in den letzten Jahren mit gezielter Panikmache für geeignete Maßnahmen zum Schutz „der letzten noch lebenden Elefanten“ geworben, damit eine Menge Geld lukriert und in dem Zusammenhang gegen Elfenbein gehetzt. Viele wissen es, aber kaum jemand spricht es aus, dass von einer Gefährdung dieser Tierart wirklich nicht die Rede sein kann, da es allein in Afrika nach vorsichtigen Schätzungen mehr als 700.000 Elefanten gibt. In den letzten Jahren wurde im Fernsehen und in den Printmedien immer wieder über gewilderte Elefanten berichtet. Zum Teil handelt es sich dabei um viele Jahre alte Abbildungen, bisweilen sogar um gestellte bzw. absichtlich falsch interpretierte Szenen. Beim Zahlenmaterial bediente man sich hauptsächlich der Studien über Uganda und Kenia, wo sowohl Elefanten als auch andere Großtiere während der Bürgerkriege schießwütigen Wildererbanden zum Opfer fielen. Diese Zahlen wurden dann, wider besseres Wissen, auf ganz Afrika übertragen und hochgerechnet. Wohlweislich verschwiegen hat man die in Afrika tatsächlich existente riesige Anzahl von Elefanten, die konzentriert in den Gebieten mit Wasservorkommen und reichem Pflanzenwuchs leben, wodurch es in diesen Regionen zu einer Überpopulation mit den damit verbundenen fatalen Umweltschäden kommt.

Es ist zwar richtig, dass die Elefantenpopulation im Vergleich zu den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts stark abgenommen hat, verschwiegen wird bei solchen Vergleichen aber, dass auch die Anzahl aller anderen Tiere in Afrika im gleichen Verhältnis kleiner geworden ist, was absolut nichts mit dem Elfenbein zu tun hat.
Mit Unterstützung des Werbekonzerns Saatchi & Saatchi erklärte die African Wildlife Foundation in den USA das Jahr 1988 zum „Jahr des Elefanten“, wetterte vehement gegen den Handel mit Elfenbein und nahm Spendenbeträge in Millionenhöhe ein. Verlockt durch die Aussicht auf Stiftungen und reichen Spendensegen, schlossen sich dann auch andere Tierschutzgruppen in Amerika und in Europa der vor allem gegen den Verkauf von Elfenbein gerichteten Kampagne an. Mit einem gigantischen Einsatz an Werbemitteln hat man die Tierfreunde manipuliert und ihnen suggeriert, „die letzten noch lebenden Elefanten“ ließen sich nur durch ein Verbot des Elfenbeinhandels schützen. Es wurde dabei absichtlich nicht differenziert und immer generell von Elfenbein gesprochen, nicht aber vom Handel mit Stoßzähnen gewilderter Tiere.

Man wollte mit dieser allgemeinen Formulierung generell Stimmung gegen das „weiße Gold“ machen und damit auch Kunstobjekte aus Elfenbein bzw. deren Besitz in Misskredit bringen. Obwohl alte Elfenbeinschnitzereien die heute lebenden Elefanten in keiner Weise tangieren und zum Unterschied von gewerblich hergestellter Massenware der Bedarf an Stoßzahnmaterial für künstlerisch gestaltete Elfenbeinobjekte auch früher sehr gering war, entfachte man einen wahren Werbe-Kreuzzug gegen das Elfenbein. Es wurde u. a. mit Unterschriftenaktionen Druck ausgeübt, der darin gipfelte, dass der Elefant von den Unterzeichnerstaaten des Artenschutzübereinkommens CITES auf die Liste der meistbedrohten Tiere gesetzt und der Handel mit Zähnen, Haaren und Haut verboten wurde. Da half auch nicht, dass die betroffenen afrikanischen Länder sich dagegen aussprachen und deren Experten argumentierten, dass beispielsweise in Simbabwe, Botswana und Südafrika mit der selektiven Jagd und dem Elfenbeinhandel Schutzmaßnahmen für die grauen Riesen finanziert werden und dass die Bestände an Elefanten in diesen Ländern zunehmen. Man glaubte ihnen nicht, weil man nicht glauben wollte. Obwohl darauf hingewiesen wurde, dass eine kontrollierte Bestandsregelung wegen der drohenden Überpopulation dringend notwendig sei und man die Einnahmen aus Abschussvergaben zum Ankauf von Reservatfläche und zur Bezahlung der Wildhüter dringend benötige, traf man in spätkolonialer Selbstherrlichkeit Entscheidungen gegen die afrikanischen Experten. Resignierend mussten die Naturschützer in Afrika hinnehmen, dass ihre europäischen Kollegen zum Schutz des Waldes sehr wohl die kontrollierte Bejagung des Rot- und Rehwildes fordern, sich aber querlegen, wenn ebensolche Maßnahmen für den Afrikanischen Elefanten gefordert werden. Um die Überpopulation einzudämmen, kamen so unsinnige Vorschläge zur Sprache wie etwa der, den Elefantenkühen Antibabypillen zu implantieren, was in der Praxis natürlich nicht durchführbar ist. Der Elefant hat keine natürlichen Feinde und vermehrt sich unbegrenzt, wenn der Mensch nicht durch Jagd- und Hegepläne regelnd eingreift. Das Gegenargument, dass auch früher keine Bestandsregelungen vorgenommen worden seien, beweist nur, dass die derart argumentierenden Verantwortlichen die Verhältnisse in Afrika nicht kennen. Es wird dabei nämlich übersehen, dass die Elefanten, wenn das Nahrungsangebot in einer Region zur Neige geht, nicht wie einstmals unbegrenzt wandern können, da sie bei diesen Wanderungen keine unberührte Wildnis mehr vorfinden wie früher, sondern auf immer mehr Siedlungen, bebaute Felder und ständig größer werdende Herden von Nutztieren stoßen.
Tatsache ist, dass nicht der Handel mit Elfenbein Probleme verursacht, sondern der ständig kleiner werdende Lebensraum der Wildtiere aufgrund der Bevölkerungsexplosion in Afrika. Damit im Zusammenhang steht auch die zur Versorgung der Menschen erforderliche Fläche für Feldfrüchte und Tierfutter. In den für Pflanzenwuchs geeigneten Gebieten befinden sich die Rinderherden der Bevölkerung in ständiger Konkurrenz mit den Wildtieren und natürlich auch mit den Elefanten. Ausgewachsene Dickhäuter wiegen im Durchschnitt zehnmal so viel wie europäische Rinder und brauchen deshalb mehr als zehnmal so viel Grünmasse wie Rinder, wobei noch zu bedenken ist, dass Elefanten wesentlich schlechtere Futterverwerter sind als Rinder. Um die ungeheuer große Futtermenge von 300-400 kg aufnehmen zu können, fressen die Elefanten in freier Wildbahn täglich ungefähr 17-18 Stunden. Da sie das Gras nicht abbeißen können, reißen sie es mit dem Rüssel samt den Wurzeln aus, und zurück bleiben kahle Stellen. Die Afrikaner haben in vielen Regionen Nahrungsprobleme und werden das Gefühl nicht los, dass die Weißen den Elefanten mehr Wert beimessen als den dort lebenden Menschen, die über ihr eigenes Land nicht mehr verfügen dürfen. Die Entscheidungen werden Tausende Kilometer entfernt von Bürokraten getroffen, die keine Ahnung von der Infrastruktur der afrikanischen Länder und dem Lebensstil der dort lebenden Menschen haben.

Fehlinformationen und Unwahrheiten lassen sich auf Dauer aber nicht aufrechterhalten. Zu viele Europäer haben als Touristen in den letzten Jahren die in großen Gebieten Afrikas durch die Überpopulation der Elefanten aufgetretenen Umweltschäden selbst gesehen und darüber berichtet. Schließlich hat man auch die Warnungen angesehener Biologen, Tierschützer und Kenner Afrikas zur Kenntnis nehmen müssen. Die notwendigen Bestandsbegrenzungen sind nun, den regionalen Erfordernissen entsprechend, wieder durchführbar, und auch der Verkauf der dabei anfallenden Stoßzähne ist wieder möglich. Die Kontrolle, woher das Stoßzahnmaterial stammt, ist durch neue Untersuchungsmethoden praktikabel. Die Untersuchungen basieren auf der Feststellung, in welchem Verhältnis die Isotope der chemischen Elemente Kohlenstoff und Stickstoff im Zahnbein vorhanden sind, wodurch sich der Lebensraum des Elefanten, von dem das untersuchte Stoßzahnmaterial stammt, ermitteln lässt.

Die Elfenbeinschnitzer in ganz Europa verarbeiteten im 19. Jahrhundert im Durchschnitt jährlich nur ca. 6000 kg Elfenbein. Sie wurden deshalb von Kommerzienrat Westendarp, dem Inhaber des in Hamburg etablierten größten Elfenbein-Handelsunternehmens der Welt, als „merkantilisch uninteressant“ bezeichnet.
Die Methoden der Elfenbeinschnitzer, das harte Zahnbein mit Sägen, Schneidstählen, Sticheln und Schabern zu bearbeiten, waren zeitraubend. Man weiß, dass die Ausformung einer Elfenbeingruppe von etwa 20 cm Höhe einige Wochen dauerte. Noch wesentlich zeitaufwendiger, bei minimalem Materialverbrauch, waren die Miniaturschnitzereien und natürlich die als Höhepunkte feinster Bildhauerkunst in Mikrotechnik gestalteten Mikrobilder. Von der Maria-Theresien-Brosche, in der drei Mikrobilder gefasst sind, wird berichtet, dass der aus Bamberg stammende Hofbildhauer Sebastian Hess daran von 1773 bis 1775 arbeitete, also drei Jahre lang. Was alte, kunstvoll gestaltete Objekte betrifft, so kann mit Sicherheit gesagt werden, dass das dafür verwendete Material spielend leicht mit dem natürlichen Anfall von Stoßzähnen eingegangener Tiere abzudecken war.


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