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Kleinigkeitsarbeiten
 

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Antiquitäten Ahrend
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Kleinigkeitsarbeiten

Es handelt sich um rundplastisch ausgeführte Schnitz- oder Drechselarbeiten in besonders kleinem Format. Kunsthandwerker, die sich Kleinigkeitsarbeiten widmeten, gab es von der Spätrenaissance bis zum Biedermeier. Während viele Miniaturschnitzereien und vor allem die Mikrobilder von Bildhauern geschaffen wurden und zur Kleinkunst zählen, handelt es sich bei den Kleinigkeitsarbeiten um Kuriosa, bei denen allein die Kleinheit, auf Kosten der künstlerischen Ansprüche, im Vordergrund steht. Der Herstellungsweise nach werden sie, wenn gedrechselt, als „Kleinigkeitsdrechseleien“, wenn geschnitzt, als „Kleinigkeitsschnitzereien“ bezeichnet. Bekannt für Kleinigkeitsarbeiten waren vor allem die Schnitzer und Drechsler in Geislingen an der Steige, etwa der „Kleinigkeitskünstler“ Abraham Elias Resch (1560-1609) oder der Drechsler und Elfenbeinschnitzer Michael Knoll (1740-1800). Lit.: P. W. HARTMANN, Elfenbeinkunst, S. 242-244.

Zu den Kleinigkeitsdrechseleien gehören u. a. winzige Schüsselchen und Pokale aus Elfenbein sowie kleine Kegelspiele. Als Behälter dafür dienten beispielsweise kleine gedrechselte Behältnisse in Birnen- oder Apfelform (Abbildung 29) oder ausgehöhlte Muskatnüsse. In einem aus Geislingen an der Steige stammenden alten „Verkaufszettel“ wird z. B. „eine Muskatnuss mit 100 Kelchlein drinnen“ angeboten. Es gehört allerdings Phantasie dazu, die winzigen Gebilde mit kleiner Aushöhlung als Schüsselchen oder Kelch zu erkennen.

Ähnliches gilt für die Kleinigkeitsschnitzereien. In derselben Werbeschrift werden kleine Kamele angeboten, „die durch ein Nadelöhr gehen“. Diese Kamele bestehen aus winzigen Plättchen mit fünf Fortsätzen (vier Beine sowie der Hals mit Kopf). Manchmal werden solche Gegenstände auch als Elefanten bezeichnet, wobei der gebogene fünfte Fortsatz (Hals mit Kopf des Kamels) dann als Elefantenrüssel gedeutet wird. Bei allen diesen Objekten wurde wenig Wert auf die Gestaltung, sondern nur auf Kleinheit gelegt.
Obwohl beschnitzte Kirschkerne manchmal zu den Miniaturschnitzereien gezählt werden, gehören sie doch eher zu den Kleinigkeitsarbeiten, da bei ihnen das Kuriose bei weitem die künstlerische Ausführung überwiegt. Der bekannteste beschnitzte Kirschkern befindet sich in der kursächsischen Kunstkammer in Dresden und stammt von dem Nürnberger Goldschmied und Kleinigkeitskünstler Melchior Baier (gestorben 1577). Der Kirschkern bildet das Mittelstück eines emaillierten goldenen Anhängers, den ein Herr von Loss auf Pillnitz bei Dresden 1589 dem Kurfürsten Christian I. zum Geschenk machte. Alten Angaben zufolge sollen auf dem Kirschkern nicht weniger als 175 Antlitze als Relief ausgeformt sein. Das klingt zwar beeindruckend, die meisten Köpfe sind aber nur durch ineinander übergehende Erhebungen angedeutet. Neben solchen als Relief beschnitzten Kirschkernen gibt es auch in Ajourarbeit ausgeführte Exemplare, die bis ins Biedermeier beliebt waren (Abbildung 31).



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