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Geschichtliche Entwicklung
Dieser
kurze Abriss der Geschichte der Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd mag
zeigen, wie rasch sich in den letzten 225 Jahren technologische Neuerungen auf
die gesamte Gesellschaft ausgewirkt haben.
Unter
vielen Berufen früherer Zeit, wie dem Gürtler oder der Guillocheurin können wir
uns kaum noch etwas vorstellen, während wir uns von neuen Berufen, wie denen
des Mechatronikers oder des Leiterplattentechnikers auch kaum ein rechtes Bild
machen können.
Unbestritten
aber ist, dass die berufliche Bildung sowohl in qualitativer als auch in
quantitativer Hinsicht einen immer größeren Stellenwert in unserer Gesellschaft
einnehmen wird.
Aus
der Entwicklung unserer Schule von der sonntäglichen Zeichenschule zu einer
modernen, technisch auf hohem Niveau stehenden gewerblichen Schule wird
deutlich, dass der Fortschritt nicht nur technische Verbesserungen gebracht
hat, sondern einer stetig wachsenden Zahl von jungen Menschen auch die Möglichkeit
gibt, ihr Leben eigenverantwortlich und sinnvoll zu gestalten.
Die ersten Jahre...
Die
Gewerbeschule Schwäbisch Gmünd wurde im Jahr 1776 gegründet, damit ist sie die
älteste schulische Einrichtung dieser Art in Baden-Württemberg. Der Anlass für
diese erstaunlich frühe Gründung ist darin zu suchen, dass der wichtigste
Wirtschaftszweig der Stadt, das Edelmetallgewerbe, das bereits seit dem 14.
Jahrhundert hier nachgewiesen ist und im Jahre 1739 zweihundertfünfzig
Goldschmiede zählte, unter einer großen Absatzkrise litt. Um dieser Krise
entgegenzuwirken gründeten weitblickende Gmünder im Jahre 1776 eine
Zeichenschule für die Jugend.
Heute würde man sagen, sie versuchten durch eine struktur- und
bildungspolitische Maßnahme die Wettbewerbschancen des Gmünder Handwerks zu
verbessern. Freilich waren sie nicht die ersten, die diese Idee hatten. Bereits
vier Jahre zuvor war in Hanau, allerdings auf Betreiben des Landesherren, eine
Zeichenakademie gegründet worden. Immerhin kann damit aber Gmünd für sich
beanspruchen, auf die zweitälteste Berufsschule Deutschlands zurückblicken zu
können. Als Unterrichtsraum sah man ein Zimmer im oberen Stock des Waisenhauses
vor, das in den Jahren 1768/69 von dem bekannten Barockbaumeister Johann Michael
Keller gebaut worden war. Dieses Waisenhaus war unmittelbar neben dem Spital
errichtet worden und wurde zunächst von 30 Waisenkindern bezogen. Allerdings
wurde dieses Haus schon von Anfang an "multifunktional" genutzt, denn im
Erdgeschoss gab es Arrestzimmer, die als Gefängnis dienten, ebenso
Unterrichtsräume der Schule, die im Unterschied zur Lateinschule als "Deutsche
Schule" bezeichnet wurde.
Als
erster Zeichenmeister wurde der aus Wallerstein stammende Maler Georg Strobel
bestellt, der in Schwäbisch Gmünd sehr bekannt war, weil er sich durch das
Porträtieren der bürgerlichen Oberschicht einen Namen gemacht hatte. Über 100
Porträts von ihm sind noch erhalten, einige davon kann man im Museum im
"Prediger" anschauen. Am 1. Juni 1776 nahm Strobel mit sechs bis acht
Bürgersöhnen und zwei Schülern aus dem Waisenhaus den Unterricht auf. Nach
einigen Wochen kamen zehn weitere dazu und so füllte man die Klasse langsam auf
30 Schüler auf. Die Schule wurde in drei Klassen mit genauen Lehrplänen
eingeteilt. Im ersten Jahr lernte man die Grundlagen des Blumen- und
Figurenzeichnens, im zweiten das Malen und das Ausführen von Naturobjekten und
im dritten die jedem Beruf zukommende Zeichenart nach Mustern guter Meister. Es
waren also schon die ersten Anzeichen eines berufsgebundenen Unterrichts
vorhanden, der sich nicht nur auf den des Goldschmieds beschränkte.
Der
Unterricht fand anfangs an Sonn- und Feiertagen von 14 - 16 Uhr und dienstags
und donnerstags von 12.00 - 14.00 Uhr statt.
Zeichenmeister
Georg Strobel musste die zu „fertigenden Stücke vorzeichnen, die Grundzüge und
andere Vorteile aufrichtig lehren sowie die Schülerarbeiten verbessern“.
Waisenkinder zahlten nichts, Bürgersöhne monatlich 30 Kreuzer.
Die
Schule schien sofort Anklang gefunden zu haben, denn noch im Gründungsjahr
bestimmte die Goldschmiedezunft unter Hinweis auf die neu errichtete
Zeichnungsschule, dass das Meisterstück vorher zu zeichnen sei. Wer das nicht
fertigbringe, könne zwar heiraten, aber keine Gesellen, geschweige einen
Lehrling halten. Ein Jahr später heißt es in einem Ratsprotokoll: „Bei welcher
Gelegenheit man des ferneren in Erinnerung bringen will, wie bei Gestattung der
Hochzeiten jedesmal darauf vorzügliche Rücksicht genommen werde, ob sich jene,
welche heiraten wollen, auf die Zeichenkunst verstehen und wie weit sie es
darin gebracht haben“. Der erfolgreiche Schulbesuch hat also auch damals schon
als Voraussetzung für beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg gedient.
Mehr
als damals ist es uns heute bewusst, dass über Schule und Ausbildung die
Weichen für das weitere Leben gestellt werden.
Geschichtliche Entwicklung 1776 bis
1976
Im
Jahr 1803 war Gmünd württembergisch geworden und in diesen Jahren begannen sich
langsam industrielle Fertigungsmethoden wie das Prägen, Pressen, Stanzen und
Drücken durchzusetzen. Für die Schule war es schwer, sich auf die neuen
Verhältnisse umzustellen, denn dem fachlichen Charakter des Unterrichts wurde
neben dem künstlerischen zu wenig Beachtung geschenkt, so dass der um die
Gmünder Industrie hochverdiente Chrysostomus Mayer eine bewusste Umstellung der
gewerblichen und kaufmännischen Jugenderziehung auf die neuen Forderungen des
Jahrhunderts verlangte.
Klar
erkannte er den Wert einer tüchtigen Fachausbildung durch die Schule für die
Zukunft von Industrie und Handwerk. Auch den Gedanken einer beruflichen
Eignungsprüfung hatte er schon‚ denn er empfahl, nur solche jungen Leute als
Goldschmiedelehrlinge aufzunehmen, die zuvor in der noch zu errichtenden
Fabrikationsschule ihren Fleiß und ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt
hätten. Gmünd wäre mit der Gründung einer solchen Schule der Zeit vorausgeeilt.
Es hätte mehr als 120 Jahre früher eine Einrichtung geschaffen, die wir heute
seit langem als Berufsfachschulen an vielen Orten haben.
Ganz
sicher erkannte Mayer den Zug der Zeit: „Das Zeitalter der Maschine bricht an
und wird über veraltete Wirtschaftsformen trotz Protesten weiterschreiten. So
traurig die Ausbreitung der Maschinenarbeit auf die Handarbeit wirkt, so wenig
ist gegen den Fortschritt des menschlichen Geistes zu sagen, so wenig ist es
möglich, ihm Zwang anzutun oder ihn zu unterdrücken“. Leider jedoch waren
Mayers Gedanken für die damalige Zeit noch zu neuartig, um in ihrer
Folgerichtigkeit von den Verantwortlichen erkannt zu werden. So wurde die Schule
in der herkömmlichen Weise ausgebaut. Hemmend wirkte dabei noch, dass Mittel
für die Anschaffung von Lehrmitteln und die Bezahlung der Lehrkräfte sehr
gering waren, so dass die Lehrer meist antiquarische Anschauungsmittel
beschaffen mussten, um den Schülern überhaupt etwas bieten zu können.
Die letzten 25 Jahre der
Gewerblichen Schule
Obwohl
der Neubau auf dem Hardt sehr großzügig konzipiert war, sollte er sich doch
bald als zu klein erweisen, weil die gewerbliche schulische Bildung die
Einrichtung neuer Schularten erforderlich machte. Vor allem der damalige
Schulleiter Hans Nestle hat sich mit viel Engagement für die Einrichtung eines
Berufskollegs für Formgebung, Schmuck und Gerät eingesetzt.
Nach
einer langen Planungsphase konnte in dem historischen Arenhaus 1988 diese
Schulart eröffnet werden. In einem dreijährigen Vollzeitunterricht werden
künstlerisch begabte junge Menschen mit gestalterischen und fachpraktischen
Kenntnissen und Fertigkeiten auf dem Gebiet der Herstellung von Schmuck und
Gerät aus edlen Werkstoffen vertraut gemacht. Die rege Nachfrage nach diesem
Berufskolleg hat gezeigt, welche Lücke im Ausbildungsbereich der
traditionsreichen Gold- und Silberstadt durch diese Schulart geschlossen wurde.
Wenige
Jahre später - 1992 - konnte Schulleiter Frieder Benz zwei weitere Schularten
an der Schule einrichten. So wurde die Fachschule für Galvanotechnik von der
Fachhochschule für Gestaltung der Gewerblichen Schule angegliedert und die
Fachschule für Leiterplattentechnik - dem landesweiten Bedarf an solchen
Fachkräften gerecht werdend - neu gegründet.
Auch
für diese Schularten gab es im neuen Berufsschulzentrum keinen Platz, aber man
fand in dem denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Landwirtschaftsschule in
der Lindacher Straße nach aufwendigen Umbauarbeiten - das Haus war als
königlich württembergisches Garnisonslazarett gebaut worden - sehr gute
Arbeitsbedingungen.
Auch
die galvanotechnische Ausbildung kann in unserer Stadt auf eine lange Tradition
zurückblicken, denn bereits 1907 gab es an unserer Schule eine entsprechende
Werkstatt, die aber bald der Fachhochschule zugeordnet wurde. Nun konnte man
1992 eine europaweit einmalige Schule einweihen, in der während einer vier
Semester dauernden Aus- und Weiterbildung junge Menschen auf ihre künftige
Tätigkeit im mittleren Management vorbereitet werden.
Mittlerweile
war aber auch am Berufsschulzentrum der Raumbedarf so groß geworden, dass ein
Neubau dringend erforderlich war. Vor allem auch unter dem engagierten Einsatz
von Schulleiter Frieder Benz konnten 1998 in einem ersten Bauabschnitt 16 neue
Schulräume bezogen werden. Zusammen mit dem geplanten zweiten Bauabschnitt wird
die gesamte Technische Abteilung der Schule in diesen neuen Gebäuden
untergebracht sein. Die Neubauten sind notwendig geworden, weil mittlerweile in
fast allen Schularten und speziell natürlich in den technischen Berufen
Informatikräume, Laborräume für Steuerungs- und Automatisierungstechnik
gebraucht wurden.
Diese
Labors kommen auch den Schülern zugute, die seit 1998 in dem neuen Beruf
"Mechatroniker" an unserer Schule mit Erfolg ausgebildet werden. Der
bezogene Neubau zeigt, wie sehr sich das ästhetische Empfinden im Verlauf von
über 20 Jahren gewandelt hat. Die strengen und nüchternen und sehr funktionalen
Formen des Schulzentrums von 1976 wurden durch die halbrunde und offene Form
bemerkenswert aufgelockert, die Gesamtkonzeption dieser Anlage wird man aber
erst würdigen können, wenn auch der zweite Neubauabschnitt, der dem ersten
entsprechen soll, im Jahr 2003 fertiggestellt sein wird.
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