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Berufsschule für Gold und
Silberschmiede, Fasser und Feinpoliere
Die
1776 in Schwäbisch Gmünd gegründete Zeichenschule bezog sich auf die damals
hauptsächlich gebräuchlichen Berufe, nämlich denen des Gold- und
Silberschmieds. Entsprechend der beruflichen und wirtschaftlichen
Weiterentwicklung dieses Berufsfeldes wurde später nach dem Gold- und
Silberschmied für das Handwerk und dem für die Industrie unterschieden. Hinzu
kamen ferner der Kettengoldschmied, der Gürtler, Juwelengoldschmied,
Feinpolierer, Edelsteinfasser und Ziseleur. Zwischenzeitlich erlebte das
Handwerk der Graveure einen Höhepunkt, wobei in Schwäbisch Gmünd ein
beruflicher Schwerpunkt bei den Guillocheuren lag. Hauptsächlich technische
Weiterentwicklungen führten dazu, dass dieser berufliche Schwerpunkt in den
60er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgelöst wurde.
Längst
kommen die Schüler/innen dieses dualen Ausbildungssystems nicht mehr nur aus
Schwäbisch Gmünd und der näheren Umgebung, so wie es einst bei der
Zeichenschule war. Entsprechend der Handwerkskammerbezirke Ulm und Stuttgart,
sowie des Einzugsbereiches der Industrie- und Handelskammer Heidenheim,
vergrößerte sich auch der Bereich, aus dem die heutigen Berufsschüler kommen.
Im
Berufsschulunterricht als gesetzliche Pflichtschule werden die Auszubildenden
der o.g. Einzelberufe in 3 bzw. 4 Jahrgangsklassen unterrichtet, den
"MGO-Klassen".
Die
Zusammensetzung der Berufe in den jeweiligen Klassenstufen, die Zuordnung zu
Handwerk oder Industrie und letztlich auch die Anzahl der jährlichen Schüler
ist ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Situation dieses Wirtschaftszweiges,
der durchaus noch maßgeblich in der Gold- und Silberstadt Schwäbisch Gmünd
vertreten ist.
Unterrichtet
wird nach der amtlichen Stundentafel, die in den Pflichtfächern des allgemeinen
Bereiches Religion, Deutsch, Gemeinschaftskunde und Wirtschaftskunde vorsieht.
Die fachlichen Pflichtfächer beinhalten Technologie (mit Edelsteinkunde),
Gestaltung und Arbeitsplanung, Technische Mathematik, Geschichte der
Goldschmiedekunst, sowie das Technologiepraktikum (= Erlernen bestimmter
Techniken in der schuleigenen Goldschmiedewerkstatt). Im Wahlpflichtbereich
werden Computertechnik und Realisation aufgeführt.
Die
Lehrplaninhalte spiegeln die betrieblichen Anforderungen einer dual organisierten
beruflichen Erstausbildung, legen also die Grundlagen für eine
berufsqualifizierende Weiterbildung, die z.B. mit der Fachschule für Gestaltung
- Schmuck und Gerät - auch an der Gewerblichen Schule angesiedelt ist.
Durch
den Umgang mit künstlerisch anspruchsvollen Materialien wird den jungen
Menschen viel Sensibilität abverlangt. Auch wenn zum Erlernen der genannten
Berufe meist der Hauptschulabschluss Voraussetzung ist, können zahlreiche
Auszubildende meist die mittlere Reife oder das Abitur vorweisen.
Dementsprechend interessant und vielfältig muss der jeweilige Fachunterricht
gestaltet sein, damit er sowohl für den Hauptschulabsolventen, wie auch für den
Abiturienten Lernanreize bietet.
So
führt das Technologiepraktikum die Auszubildenden von den ältesten Techniken
(z.B. Schmieden, Löten) bis in die modernsten Anwendungen der Physik (z.B.
Lasertechnik). Exemplarisch werden vorbereitende und abschließende Techniken,
trennende und verbindende Verfahren, farbgebende Techniken oder Fassungsarten erprobt.
Im
Theorieunterricht werden Werkstoffeigenschaften und die Verwendung von
Werkzeugen und Maschinen erläutert. Eine Übersicht über die Edelsteinkunde
gehört ebenso dazu, wie das Anwenden berufstypischer Rechenverfahren. Arbeiten
im Fach Gestaltung und Arbeitsplanung verlangen eine Berücksichtigung des
Kundeninteresses (sog. Kundenzeichnung) und der Werkstattanforderungen
(technische Zeichnung). Empfindungen für Gestaltungsunterschiede weckt das
Unterrichtsfach "Geschichte der Goldschmiedekunst". Manches, was
einem jungen Menschen als "modern" in seinem Alltag vorgekommen ist,
wird bei dem geschichtlichen Überblick ursächlich in einem neuen Zusammenhang
gesehen.
Von
den allgemeinbildenden Fächern zählt die Wirtschaftskunde zu den maßgebenden
Fächern der Kenntnisprüfung der Kammern. Die besondere Chance der
Allgemeinbildung liegt im fächerverbindenden Unterricht mit Inhalten, die
sowohl beruflich als auch privat bedeutsam sein können. Der private
Geschäftsbrief oder die mündliche Stellungsnahme gehören ebenso dazu wie die
Bereitschaft zur Übernahme von Eigenverantwortung.
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