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PARNASS Ausgabe 2/2006
Titel: Ankaufspolitik der Museen

Editorial von Charlotte Kreuzmayr:

Eine Panel-Diskussion der Viennaartweek stellte sich der Frage: Wie zeitgenössisch soll ein Museum sammeln?

Aus der Distanz gesehen, lassen sich Kunstwerke zweifelsohne leichter beeurteilen. Der Kauf von zeitgenössischer Kunst hingegen erfordert nicht nur gute Kenntnis der Kunstszene, sondern birgt auch das Risiko, die falsche Entscheidung getroffen zu haben.

Werner Spies, der drei Jahre Direktor des Centre Pompidou war, meint: "Man muss recherchieren, diskutieren, das Umfeld einbeziehen und dann die Entscheidung des Ankaufs treffen. Wenn man Fehler macht, soll man das leidenschaftlich tun." Im Übrigen hätten die französischen Museen nie zeitgenössisch gekauft.

Ganz anders in den Niederlanden. Da hat man schon früh Dubuchet, de Koonig und Bruce Naumann ins Museum geholt. Gijs van Tuyl, Direktor des Stedelijk Museum in Amsterdam, sieht jedoch angesichts der gegenwärtig rasanten Preisentwicklung der Zeitgenossen eine Krise für Museen. "Wie können mit den privaten Käufern nicht mehr mitghalten."

Klaus Albrecht Schröder kann auf eine ganz andere Tradition zurückblicken. Die Albertina wurde als systematische Sammlung konzipiert. Schröder stellte sich gleich selbst die Frage: "Soll, ja darf die Albertina eigentlich zeitgenössische Zeichnungen kaufen?"

Unter dem Direktor Albert Stix gab es seit 1923 umfangreiche Ankäufe, wie die Munchsammlung die neben den Dürrerzeichnungen einen Eckpfeiler der Albertinasammlung gesetzt hat. Bis in dei 60er-Jahre gab es laut Schröeder in der Albertina das so genannte Kassettendenken. Alles, was in eine Kassette passte, wurde gesammelt.

Heute jedoch sind Großformate gefragt. Klaus Albrecht Schröder will mit seiner Ankaufspolitik Spuren hinterlassen und glaubt, den Sammlern gegenüber einen Wissensvorsprung zu haben. "Man weiß aber nicht, was in den Jahren danach, davon an Wert bleibt." Die Albertina hat jetzt schon die größte Baselitzsammlung an Aquarellen. Den Ankauf jüngerer Kunst würde Schröder gerne einem Kurator der nächstjüngeren Generation überlassen. Wie jung muss man sein, um da noch Schritt halten zu können?

Das Thema Ankaufspolitik der Museen ist die Coverstory dieses Heftes. Wir haben uns gefragt, wie kam die Kunst in die Museen und wie sind die Museen zu der inhaltlichen Aufteilung gekommen, wie sie sich heute präsentieren.

Die Ursprünge der Wiener Museenlandschaft, wie sie großteils auch heute noch besteht, gehen auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Erst ab 1920 sollten die Museen nach Anregung von Hans Tietze in jeweilige Sammlungsbereiche aufgeteilt werden. Unsere Recherche ergab eine interessante Entwicklung. Wie die Ankaufspolitik der Gegenwart aussieht haben wir die einzelnen Museumsdirektoren gleich direkt gefragt, die damit ihr Programm auch schon festgeschrieben haben.

Die Museumslandschaft in Österreich ist vielfältig und die einzelnen Häuser versuchen sich weitgehend gegeneinander abzugrenzen. Sie nützen nur viel zu wenig den heute notwendig gewordenen Synergie-Effekt.

Viel Lesevergnügen wünscht Ihnen

Charlotte Kreuzmayr

Schwerpunkthemen:

Ursprünge: Wie kam die Kunst in die Museen? Die Ankaufspolitik der Wiener Museen seit dem Ende der kaiserlichen Sammeltätigkeit.

Österreichische Galerie Belvedere: Direktor Gerbert Frodl im Interview über 15 Jahre seiner Sammeltätigkeit. Welches Profil verlieh er dem Belvedere?

MuMoK: Edelbert Köb, Direktor des MuMoK setzt auf Kooperationen mit internationalen Sammlern und hat Angebote für große Schenkungen. Welchen Zwängen unterliegt er dabei?

MAK: Aufgrund budgetärer Probleme bleiben kaum Ressourcen für Ankäufe. Wie kann man trotzdem eine Sammlungsstrategie verfolgen, fragten wir den Langzeitdirektor Peter Noever?

Zum Beispiel Skulptur: Stella Rollig, Direktorin des Lentos Kunstmuseum Linz, setzt auf junge Gegenwartskunst. Wo erkennt sie Potenzial für die Zukunft?

Sammlungskontinuität: Zwei Strategien in Salzburg ergeben die größte österreichische Sammlung zeitgenössischer Fotografie.

Das stete Wachsen einer großen Sammlung: Welche Rolle spielen die Skulpturen in den fürstlichen Sammlungen von Liechtenstein?




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