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PARNASS Ausgabe 1/2007
Titel: KUNST & NATUR




Editorial von Charlotte Kreuzmayr:

Als Strandgut ist sie für jeden, der sie findet ein Juwel – die Muschel. Manche der Naturobjekte besitzen schon für sich allein die Aura eines Kunstwerkes. Sonne, Wind und Wasser jedoch sind die verändernden Elemente der Natur. Dazu kommt noch die Dimension der Zeit.

Schon im 16. Jahrhundert bildeten rare Naturkuriositäten begehrenswerte Sammelobjekte, die vorerst in Wunderkammern präsentiert wurden. Später in Silber und Gold gefasst, zählten sie zum Kostbarsten, was Natur und Kunst gemeinsam hervorgebracht haben. Einen sensationellen Fund machte erst kürzlich der Direktor des Liechtenstein Museum Johann Kräftner.

Beim Stöbern in der Bibliothek entdeckte er eine Kassette mit minutiös aquarellierten Zeichnungen des Franz Anton von Scheidel mit Muscheln und Schnecken aus der Sammlung des Fürsten von Liechtenstein. Wir durften hier einige Blätter veröffentlichen, bevor sie im Herbst 2009 in der Ausstellung „Von der Natur zur Kunst. Muscheln und Schnecken“ im Liechtenstein Museum zu sehen sein werden.

Auch Prinz Eugen ist dieser Sammelleidenschaft verfallen. Er ließ nicht nur die barocken Gärten in Schlosshof und für das Schloss Belvedere anlegen, sondern verlagerte auch sein Interesse auf den kulturellen und wissenschaftlichen Bereich. Seine Bibliothek war kostbar in Inhalt und Ausstattung, sein Informationsnetz bediente ihn schnell und verlässlich.

Heute ist man bemüht, die historischen Gartenanlagen wieder in den Originalzustand zu versetzen. In der Barockzeit war der Garten in eine kunstvolle Planung eines Gesamtkunstwerks eingebunden.
Diesen Gedanken aufnehmend hat Agnes Husslein-Arco ihre erste Ausstellung im Belvedere konzipiert. Als neuer Ausstellungsort wurde die ehemalige Orangerie aktiviert. „Gartenlust“ ist der Titel einer Ausstellung, die das Thema Garten in der Kunst aufgreift.

Die Natur ist auch immer wieder ein Thema, auf das die zeitgenössischen Künstler zurückgreifen. Ist das die Ordnung oder ist es das Chaos, ist es das prozesshaft Wachsende oder das Vergängliche, das sich in den künstlerischen Arbeiten wiederspiegelt? In einer Ausstellung im Augarten kann man den Künstler als Gärtner, Forscher und Archivar festmachen.

Charlotte Kreuzmayr




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