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Ausführliche Beschreibung Abb. 2 - Hirtenidyll
 | | Abb. 2 - Hirtenidyll „Das am feinsten gestaltete Bildwerk der Welt“ ist die treffende Kurzbeschreibung für dieses mit „Stephany & Dresch“ signierte unnachahmlich minutiös ausgeführte Mikrobild. Dargestellt ist eine felsige Weidelandschaft am Rande eines Gewässers, ein mit durchscheinenden Segeln ausgestattetes Schiff, in dem sich ein Seemann befindet, und ein von Bäumen umgebenes mehrtürmiges Schloss. Gegenüber, am felsigen Ufer, sind Nadelbäume zu sehen. Es ist kein anderes von einem Bildhauer stammendes Werk bekannt, bei dem einzelne Details so mikroskopisch klein ausgearbeitet sind. Beispielsweise ist es unglaublich und kaum vorstellbar, wie mit den aus Toledostahl gefertigten Sticheln die Zweige der Nadelbäume und die Äste der nahe dem Schloss stehenden winzigen Bäume gestaltet wurden, bei denen der Abstand voneinander bisweilen kleiner als einen hundertstel Millimeter (0,01 mm) ist. Unfassbar ist dabei, dass dieses mikroskopisch feine Zweigwerk nicht am Hintergrund aufliegt, sondern dass die Bäume frei in der Landschaft stehen und bei entsprechender Beleuchtung Schatten auf den Hintergrund werfen.
Beim Betrachten solcher Details versteht man, warum die Werke von G. Stephany und J. Dresch als wahre „Wunderdinge“ bezeichnet wurden.
Im Vordergrund des Elfenbeinreliefs sind Ziegen, Schafe und eine Kuh zu sehen, für die ein auf einem Felsen stehender Hirte auf einem geraden Zinken (altes Blasinstrument) spielt. Gleichfalls erhöht dargestellt sind mehrere Laubbäume und eine „Baumruine“, um die sich Efeuranken schlingen. In der südenglischen Weidelandschaft sind solche mit Efeu umwucherte abgemorschte Eichen keine Seltenheit.
Da die vollständige Wiedergabe mächtiger Eichenbäume, wegen der geringen Höhe der Mikrobilder, nicht möglich war und der Gegensatz eines knorrigen Baumstrunks zu der duftigen, filigran-zart gestalteten Belaubung einen reizvollen Kontrast bildet, zählten solche „Baumruinen“ zu den bevorzugten Motiven. Durch die Signaturen kann das „Hirtenidyll“ als Schlüsselstück angesehen werden, das ermöglicht, Objekte mit Pastoralszenen, die einen ähnlich gestalteten Baumbestand (Baumruinen) aufweisen, den beiden Bildhauern zuzuordnen, beispielsweise die beiden Dosen für Schönheitspflästerchen (Lit. P. W. Hartmann, Mikrobilder, Abb. 3 und Abb. 4).
Wegen des für ein Mikrobild ungewöhnlich großen Formats und der lebendigen Vielfalt der Darstellung lassen sich beim Betrachten dieses Landschaftsbildes immer wieder neue Details entdecken, die ihrer Kleinheit wegen faszinieren. Es ist unvorstellbar, wie lange es mit den einfachen Sticheln dauerte, Tausende Blätter aus dem harten Elfenbein zu formen, und wie es gelang, die Efeuranken vollplastisch zu gestalten.
Wie bei nahezu allen dieser mehr als 200 Jahren alten Mikrobildern weist auch bei dem „Hirtenidyll“ die aus hauchdünnem Elfenbein gebildete Wasserfläche einen Spannungsriss auf, entstanden durch Erschütterungen oder starke Temperaturschwankungen, beispielsweise bei einem der vielen Transporte.
Den beiden in den 1790er Jahren gemeinsam in London und während der Sommermonate in Bath tätigen deutschen Künstlern G. Stephany und J. Dresch wurde ihrer unnachahmlichen Mikrobilder wegen von Georg III., König von England, der Titel „Elfenbeinbildhauer in Miniatur Ihrer Majestäten“ verliehen, „Sculptors in Miniature on Ivory to their Majesties“ (Lit., G. R. Stanton, S. 210-212).
Von 1791 an präsentierte G. Stephany während der gesamten 1790er Jahre Bildwerke bei mehreren Ausstellungen an der Royal Academy of Arts in London, von 1793 an in Zusammenarbeit mit J. Dresch. Insgesamt waren 12 ihrer minutiös gestalteten Elfenbeinreliefs ausgestellt.
Wie es heißt, waren die beiden Künstler sehr vermögend, da Liebhaber dieser Kunstgattung einander überboten und „heavy sums“ bezahlten, um ein Bildwerk der damals berühmten Hofbildhauer erwerben zu können.
Das mit dunklem Glas hinterlegte, 12,0 x 9,0 cm große querovale Bild ist wie in ein Passepartout in eine aus schwarz politiertem Holz bestehende rechteckige Blende eingesetzt, die eine dem Elfenbeinrelief entsprechende querovale Ausnehmung hat. Dieser Ausschnitt weist gegen das Mikrobild zu eine 0,4 cm breite profilierte Abschrägung auf, die vergoldet ist und den das Bild umgebenden zarten Goldrand bildet. Der äußere querrechteckige originale Holzrahmen ist 24,5 x 22,0 cm groß und zum Teil mit einer aus Blattgold bestehenden Vergoldung versehen.
Das Hirtenidyll wurde bei einer Umfrage als das schönste MIKROBILD bezeichnet und deshalb auf dem Umschlag des Buches "MIKROBILDER Wunder der Bildhauerkunst" abgebildet. |
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