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Ausführliche Beschreibung Abb. 6 - Fregatte auf hoher See

© Copyright Fotostudio Ghezzi
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6 Mikrobild. Fregatte auf hoher See. Armbandschließe. (Monogramm: „G. St.“)

Bei der in den 1790er Jahren von dem Hofbildhauer G. Stephany minutiös gestalteten „Fregatte auf hoher See“ handelt es sich um das Gegenstück zu dem Mikrobild „Hirtenidyll“ (Abb. 5). Es ist faszinierend, wie naturgetreu bei dem kleinen Schiff die im Wind flatternden Fahnen und die gesamte Takelage mit den hauchdünnen Segeln ausgeführt ist. Bei genauer Betrachtung sieht man an Deck sogar zwei Personen, die diskutieren, wie ihrer Gestik zu entnehmen ist.

Neben dem Bug der Fregatte sind knapp über den Wellen, auf dem dunkelblauen Glashintergrund, mit weißer Farbe die Buchstaben „G. St.“ geschrieben, für G. Stephany. Die Monogrammierung ist so winzig, daß man sie nur mit einer Lupe entziffern kann; siehe Bildausschnitt mit Künstlermonogramm.

G. Stephany (Stephani), der als Augsburger Künstler bezeichnet wird (z. B. im Künstlerlexikon G. K. Nagler, Bd. 17, S. 326), und sein gleichfalls aus Deutschland stammender Partner J. Dresch arbeiteten in den 1790er Jahren in London und während der Sommermonate zumeist im Nobelkurort Bath (Lit., G. R. Stanton, S. 210-212). Ihre Mikrobilder wurden der unvorstellbar feinen Gestaltung wegen als „Wunderdinge“ bezeichnet. Selbst Georg III., König von England, war von den Schnitzarbeiten der beiden Künstler fasziniert und verlieh ihnen deshalb den Titel „Elfenbeinbildhauer in Miniatur Ihrer Majestäten“ („Sculptors in Miniature on Ivory to their Majesties“).

Das Sujet eines in allen Einzelheiten dargestellten Segelschiffes wurde von den beiden Hofbildhauern unter dem Titel „A Frigate“ erstmals 1791 an der Royal Academy of Arts in London präsentiert. Der großen Begeisterung wegen, den die minutiös gestaltete Fregatte bei der kunstsinnigen und an Raritäten interessierten Londoner Gesellschaft auslöste, wurde das Motiv in der Folge als Auftragsarbeit in verschiedenen Größen wiederholt. Das hier beschriebene Segelschiff gilt als die kleinste Ausführung dieses Motivs. Ein Exemplar der winzigen Fregatte dient als Ringkopf für einen Fingerring und gelangte mit der Hull Grundy Stiftung in den Besitz des British Museum in London (Lit., Hugh Tait u. a., Bildband Abb. 193 und Textband S. 34).

Insgesamt wurden 12 Werke der beiden Künstler an der Akademie in London ausgestellt und um „heavy sums“ verkauft. Wie es heißt, waren Stephany und Dresch sehr vermögend, da Kunstliebhaber einander überboten, um in den Besitz eines Bildes der zu ihrer Zeit sehr bekannten Hofbildhauer zu gelangen.

Wie bei nahezu allen Mikrobildern hat auch die „Fregatte auf hoher See“ wie das als Gegenstück gearbeitete „Hirtenidyll“ (Abb. 5) zwei verschiedene Fassungen. Die sogenannte „Primärfassung“ besteht bei beiden Elfenbeinreliefs aus einer hochovalen 3,1 x 2,1 cm großen Zargenfassung, deren Glasabdeckung durch ein Einsatzrähmchen aus Gold fixiert wird. Der Hintergrund des Elfenbeinreliefs besteht aus dunkelblauem Glas (Bristolglas). Auf die Weise gefaßt, verkaufte der Künstler das Objekt als „Kunstkammerstück“.

Mit der „Primärfassung“ wurde das Objekt in späterer Zeit von einem Goldschmied in eine Schmuckfassung, die sogenannte „Sekundärfassung“, eingesetzt, die aus Gold als Armbandschließe gearbeitet ist. (Neben der Sekundärfassung ist das goldene Einsatzrähmchen der „Primärfassung“ als Umrandung des Elfenbeinreliefs deutlich zu erkennen.)

Damit die Kleinode keinen Schaden erleiden und nicht getrennt werden, hat man sie in weiterer Folge in einem 16,5 cm x 11,5 cm großen vergoldeten Holzrahmen vereint. Für den Verkauf wurden sie dann aber doch getrennt und in hochovalen vergoldeten Schmuckrahmen aus Holz eingesetzt, die mit einer Perlstabumrandung verziert sind.

Das Objekt ist in folgenden Büchern abgebildet: P. W. Hartmann, Elfenbeinkunst, Abb. 96, und P. W. Hartmann, Mikrobilder – Wunder der Bildhauerkunst, Abb. 6. (Von diesem Buch gibt es auch eine Ausgabe in englischer Sprache.)

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