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Gedrechselte Objekte

Gedrechselter Nadelbehälter mit sechsfachem, sich konisch verjüngendem Wund, Elfenbein, H. 14 cm.
Gedrechselter Nadelbehälter mit sechsfachem, sich konisch verjüngendem Wund, Elfenbein, H. 14 cm.
Beliebt waren z. B. die als „Wund“ bezeichneten gewundenen, d. h. spiraligen Formen. Neben dem einfachen Wund stellte man auch in doppeltem, dreifachem oder auch mehrfachem Wund gedrechselte Objekte her


Eine Spirale, deren Durchmesser abnimmt, heißt „konisch verjüngter Wund“. Spiralige Formen mit scharfer Außenkante werden als „geschraubt“ bezeichnet. Die in der Renaissance und insbesondere im Barock gedrechselten Schaustücke, wie vielpassig gestaltete Pokale und Kombinationen verschiedenster Formstücke, Contrefaitkugeln, Polyeder, spiralförmige und treppenartige Objekte sowie kunstgedrehte Reliefs hatten keinen praktischen Verwendungszweck.

Sie dienten nur dazu, die technischen Möglichkeiten und die Kunstfertigkeit der Drechsler zu demonstrieren und in den Kunstkabinetten, Kabinett), den Nachfolgern der Kunst- und Wunderkammern, zur Schau gestellt zu werden. Man nennt sie deshalb auch Kunststücke, Kabinettstücke, Vitrinenstücke oder Schaustücke. Mittels „Dräzeugen“ hergestellte Objekte übten eine Faszination aus, die zu einem guten Teil auf die Bewunderung zurückzuführen ist, die bereits zu dieser Zeit technischen Vorgängen und Dingen gezollt wurde.

Die bekanntesten Zentren der Drechselkunst waren vom 16.-18. Jh. die Städte Nürnberg, Dresden, Regensburg und die französische Stadt Dieppe.

Die an der Normandieküste gelegene Hafenstadt ist zwar in erster Linie für Elfenbeinschnitzereien bekannt, wie aber Savary des Brûlons, der Autor des „Dictionnaire du Commerce“, bereits im Jahr 1723 schrieb, „fertigte man in Dieppe schon lange gedrechselte Gegenstände, die großen Beifall fanden“, und er führte weiter aus:

„Die Arbeiter dieser Stadt können die Reputation in Anspruch nehmen, Elfenbein am besten zu drehen und zu schnitzen, wie sonst niemand im ganzen Königreich Frankreich.“

In den Kunstkammer-Inventarlisten der Königin Katharina von Medici (1519–1589) sind gedrechselte Objekte aus Dieppe angeführt, mit Hinweisen auf zusätzliche geschnitzte Verzierungen. Gegen Ende der Renaissance und vor allem im Barock wurde die Kunstdrechselei immer populärer. An der Drehbank zu arbeiten war eine beliebte Beschäftigung des Adels und der gehobenen bürgerlichen Gesellschaft.

An manchen Fürstenhöfen wurde die Ausbildung an der Drehbank sogar ein Bestandteil der höfischen Erziehung. Durch die Beherrschung der Drechseltechnik kompliziert geformte Objekte schaffen zu können, galt als Erfolgserlebnis, das man als positiv für die Ausbildung des Charakters ansah.


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