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Farbe des Elfenbeins
Für die Farbe des Elfenbeins gibt es keine Norm, zu viele Faktoren spielen dabei eine Rolle
Wie beim Menschen haben auch manche Tiere ein helles und andere wieder ein etwas dunkleres Zahnbein. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass gut gelagertes trockenes Elfenbein in frisch verarbeitetem Zustand im allgemeinen eine gebrochen weiße Farbe hat, oder es ist leicht cremefarben, eben „elfenbeinfarben“. Das gilt für alle künstlerisch verwendeten und als Elfenbein bezeichneten Zahnmaterialien (Mammutzahn, Flusspferdzahn, Walrosszahn, Pottwalzahn, Narwalzahn sowie die Stoßzähne des Elefanten) und selbst für das als vegetabilisches Elfenbein bezeichnete pflanzliche Material der verschiedenen Steinnüsse.
Die dunkleren Farbnuancen mancher Elfenbeinschnitzereien, die bis ins Hellbraune gehen können, entstehen erst im Laufe der Zeit, was aber nicht heißt, dass dunkelfarbene Objekte aus Elfenbein älter sind als sehr helle oder fast weiße. Die Farbe mehrere Jahre alter Schnitzereien hängt primär von ihrem Standort ab, d. h. davon, ob ausreichend Licht vorhanden ist. Wenn nur wenig Licht einfällt und bei totalem Lichtentzug, etwa bei Aufbewahrung einer Schnitzerei in einer Schublade oder in einem Kasten, vergilbt fast jedes Elfenbein etwas, nur die Intensität des Nachdunkelns ist verschieden. Sehr dichtes, hartes Material ist farbstabil, d. h. es vergilbt kaum. Beim Elefantenelfenbein dunkeln vor allem Gegenstände nach, die aus der unteren Hälfte großer Zähne aus dem Milchbein des Afrikanischen Steppenelefanten oder aus asiatischem Elfenbein geschnitzt sind. Diese beiden Arten sind die weichsten von den künstlerisch verwertbaren Zahnmaterialien.
Weiters ist Elfenbein von der Zahnbasis und von den äußeren Zahnschichten weicher und weniger farbstabil. Je näher der Zahnspitze zu, desto feinzelliger, härter und farbbeständiger ist es dagegen. Auch die Maserung ist im Bereich der Zahnbasis grobmaschiger und stärker ausgeprägt als gegen die Zahnspitze zu. Wenn der Aufbewahrungsort eines Objektes nicht genügend hell ist, verändert sich die dunkle Zeichnung einer Maserung farblich stärker als Zahnbein mit kaum sichtbarer Maserung. Das Nachdunkeln, d. h. welchen Einfluss Lichtentzug auf wenig farbstabiles Elfenbein hat, sieht man z. B. an dem Vergilben der Bodenseite von Kassetten, ferner an der Unterseite von Sockeln und an der beispielsweise einer Wand zugekehrten Seite von Figuren, wenn diese knapp an der Wand stehen, so dass wenig Licht dazukommt.
Setzt man vergilbtes Elfenbein längere Zeit hellem Licht aus, wird es langsam wieder heller. Verallgemeinernd ist zu sagen, dass Elefantenelfenbein von Tieren aus Gegenden mit wenig Niederschlag und kargem Pflanzenwuchs für gewöhnlich weniger dicht und hart und deshalb auch nicht so farbbeständig ist wie Stoßzahnmaterial, das aus einer Landschaft mit üppigem Pflanzenwuchs stammt. Dem vergleichsweise weicheren sowie weniger dichten, nicht farbstabilen und deshalb meist dunkleren Milchbein des in den kargen Savannen im Osten und Süden Afrikas vorkommenden Steppenelefanten steht das sehr dichte, härtere und farbbeständigere Glasbein des Waldelefanten aus den niederschlagsreicheren Regionen im Westen Afrikas gegenüber, das seine oft nahezu weiße Elfenbeinfarbe auch bei Lichtabschluss zumeist beibehält.
Äußerst farbstabil sind auch die bildnerisch verwendeten Zahnmaterialen der anderen Tiere (Mammut, Flusspferd, Walross, Pottwal und Narwal), die selbst das harte Glasbein des Afrikanischen Waldelefanten an Dichte und Härte noch übertreffen. Speziell beim Elfenbein des Elefanten gibt es weiters örtlich bedingte leichte farbliche Unterschiede des Stoßzahnmaterials, die wahrscheinlich von dem Nahrungsangebot der Region beeinflusst werden, in der das Tier lebte. Die Elfenbeinschnitzer haben früher genau gewusst, aus welcher Gegend Afrikas das Stoßzahnmaterial für das jeweilige Objekt kommen sollte. Für Mikroschnitzereien haben die Künstler beispielsweise zumeist dem für sehr kleinteilige Ausarbeitungen prädestinierten harten und oft fast weißen Glasbein des Waldelefanten aus dem Westen Afrikas und dem Zahnbein des Flusspferdes den Vorzug gegeben.
Die auf Blumenbroschen spezialisierten Elfenbeinschnitzer haben dagegen für ihre duftigen Werke das von der Elfenbeinküste stammende Stoßzahnmaterial mit leichtem rosa Schimmer geschätzt, das aus der Region kommt, die heute als Tai-Forest bezeichnet wird. Als Resümee ergibt sich, dass von der Farbe des Elfenbeins auf keinen Fall auf das Alter einer Schnitzarbeit geschlossen werden kann. Der unrichtigen Annahme wegen, dass dunkleres Elfenbein älter sei als helles, wurden Elfenbeinschnitzereien häufig mittels Tee, Tabakabsud etc. gelblich bis leicht bräunlich gefärbt. Im Mittelalter war es zeitweise Mode, Objekte aus Elfenbein mit Krapp einzufärben. (Griffe von Jagdplauten und Messern etc. färbte man im Barock gerne grün.). Bei alten Schnitzereien sind bisweilen farblich stark veränderte streifenförmige Stellen oder kugelige gelbe Einbettungen im Elfenbein zu finden, die durch Störungen im Zahnaufbau entstanden sind. Die kugeligen Ausformungen werden Erbsen oder Elfenbeinperlen genannt.
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