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Hochmittelalter

Mit Hochmittelalter wird der Zeitraum vom 11. Jh. bis Mitte 13. Jh. bezeichnet, d. h. der Übergang von der Romanik zur Gotik. Der Ausdruck Romanik leitet sich von franz. „l’art roman“ (römische Kunst) ab und wird zurückgeführt auf die in diesem Zeitraum üblichen Säulen- und Bogenformen, die an die altrömische Bauweise erinnern. Mit Romanik bezeichnet man die von ca. 950–1250 währende mittelalterliche Kunstepoche Europas, mit Ausnahme der unter maurischer Herrschaft stehenden Gebiete Spaniens. In der Île de France wurde die Romanik bereits gegen 1150 von der Gotik abgelöst, im übrigen Europa erst etwa 100 Jahre später. Von Ausnahmen wie etwa Kassetten, Spielsteine und die Griffe von Blankwaffen abgesehen, diente Elfenbein auch im Hochmittelalter fast ausschließlich nur zur Herstellung von sakralen Objekten. Für profane Gegenstände wurde das Stoßzahnmaterial erst im Spätmittelalter, d. h. in der Gotik, in größerem Umfang verwendet. Zu den bekannten Elfenbeinschnitzereien des Hochmittelalters zählen neben Einbandtafeln von Buchdeckeln, liturgischen Kämmen, Thronsessel bzw. Faldistorien, Tragaltaren, den Kopfteilen von Taustäben und den Krümmen von Bischofsstäben vor allem Behältnisse für Reliquien, früher zumeist als „Heiltümer“ bezeichnet. Reliquien besaßen seit dem 4./5. Jh. nicht nur einen ideellen Wert, sondern sie übten der großen Nachfrage wegen auch einen beachtlichen politischen und wirtschaftlichen Einfluss aus. Ihrer Bedeutung entsprechend fanden für Reliquiare, wie die Behältnisse für Reliquien heute meist genannt werden, häufig wertvolle Materialien Verwendung. Da das Stoßzahnmaterial im Mittelalter selten und kostbar war, wurden aus Elfenbein geschnitzte Exemplare sehr geschätzt. Von den elfenbeinernen Reliquienschreinen besonders bekannt ist eine in der Form eines Hauses gestaltete Reliquienbursa, die sich heute im Besitz des Metropolitan Museum of Art (The Cloisters) befindet. (Bibl., H. FILLITZ u. M. PIPPAL, 1987)

Neben den zur Gänze aus Elfenbein bestehenden Behältern für Reliquien, wofür beispielsweise auch sogenannte Sarazenische Hörner Verwendung finden, gibt es u. a. Exemplare aus Holz, Glas und solche aus Metall, das meist vergoldet ist. Oft lässt die äußere Form der Reliquienbehälter bereits auf den Inhalt schließen. So enthält etwa ein Fingerreliquiar einen ganzen Finger oder zumindest ein Fingerglied, ein Armreliquiar den Teil eines Armes und ein Kreuzreliquiar (auch Staurothek genannt) eine Partikel des Kreuzes Christi. Von den aus Metall gefertigten und mit Elfenbein kombinierten Reliquiaren ist vor allem der im Victoria & Albert Museum in London aufbewahrte „Eltenberg-Schrein“ bekannt, der das Modell einer Kreuzkuppelkirche darstellt. Als Materialien für den 51 cm langen, 51 cm breiten und 54,5 cm hohen Schrein wird Bronze und mit schönen floralen Emailarbeiten verziertes vergoldetes Kupfer verwendet. In nischenartigen Ausnehmungen der Kuppel befinden sich zwölf aus Walross-Elfenbein geschnitzte sitzend dargestellte Figuren. Es handelt sich dabei um Jesus und elf Apostel, die Spruchbänder halten. Aus dem gleichen Material gefertigt sind sechzehn innerhalb von Arkaden des Haupthauses stehende Propheten, die gleichfalls Spruchbänder in Händen haben. An den vier Eckpunkten der Kreuzform sind vier als Hochrelief geschnitzte bogenförmig abgerundete Elfenbeintäfelchen angebracht. Zwei Exemplare davon gingen verloren und wurden im 19. Jh. durch Kopien nach einem ähnlichen Reliquiar ersetzt, das sich im Kunstgewerbemuseum in Berlin befindet. Bei den Ergänzungen handelt es sich um die Darstellungen der Heiligen Familie und der Heiligen drei Könige. Die beiden original erhaltenen Reliefs stellen die Kreuzigung Christi und das Motiv der „Drei Frauen am Grabe“ dar. Der Reliquienschrein entstand um 1180 und ist rheinischen Ursprungs, als Herstellungsort wird Köln vermutet. Als Erstbesitzer gilt das Benediktiner Nonnenkloster Eltenberg (Hoch Elten) in Deutschland, daher der Name Eltenberg-Schrein. Um das Reliquiar vor Plünderern zu bewahren, wurde es am Beginn des 19. Jh. im Rauchfang des Klosters versteckt. (Bibl., P. WIL-LIAMSON, 1986, S. 145)

Weitere bekannte Reliquienschreine in Form einer Kreuzkuppelkirche befinden sich in Berlin, Braunschweig und Wien. Am häufigsten von den aus dem Früh- und Hochmittelalter stammenden sakralen Gegenständen aus Elfenbein erhalten sind schön beschnitzte Tafeln von Bucheinbänden, beispielsweise aus den Palastschulen der Karolinger. Später wurden die Einbände oft von den Textteilen, d. h. von den Codices Codex) getrennt und die aus Edelmetall gefertigten Rahmungen der Elfenbeintafeln eingeschmolzen. Die so separierten mit Reliefschnitzereien verzierten Tafeln sind heute in vielen Domschatzkammern und Museen zu bewundern.

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