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Klassisches Altertum

Nachdem die Griechen 490 v. Chr. unter der strategischen Führung des Feldherrn Miltiades das persische Heer in der Schlacht bei Marathon geschlagen hatten, erlebte die griechische Kunst unter dem kunstsinnigen Staatsmann Perikles einen ungeheuren Aufschwung. Die Zeitspanne bis zum Hellenismus gilt als die klassische Periode der griechischen Kunst. Davon abgeleitet wird die Antike auch als das klassische Altertum bezeichnet. Wie in alten Schriften berichtet, schufen die Bildhauer in Griechenland unter Verwendung von Gold und Elfenbein (in chryselephantiner Manier) riesige Götterstatuen, von denen aber kein einziges Exemplar erhalten ist. Vorläufer dieser Kolossalfiguren waren bemalte Standbilder aus Holz, bei denen die unbedeckt wiedergegebenen Körperteile, nämlich der Kopf sowie die Arme und Beine, aus Marmor geformt waren. Sie werden als Akrolithe bezeichnet, von griech. akros, „höchster“, „Spitze“, und lithos, „Stein“. Die großen chryselephantinen Götterstandbilder bestanden aus einem Holzkern, auf dem die aus Elfenbein geschnitzten sichtbaren Körperteile mit Dübeln befestigt waren, ebenso wie die aus massivem Goldblech geformte Gewandung. Vor allem die Werke des griechischen Bildhauers Phidias, dessen Hauptschaffenszeit zwischen 460–430 v. Chr. liegt, wurden von dessen Zeitgenossen hoch gerühmt. Häufig Erwähnung finden eine für den Tempel von Olympia errichtete Kultstatue des Zeus, die zu den Weltwundern der Antike zählt, und die etwa gleich große „Athena Parthenos“, die Phidias für die Akropolis von Athen geschaffen hatte. Aufgrund übereinstimmender Angaben von Pausanias und Kallimachos sowie den Erkenntnissen moderner archäologischer Forschung gilt es heute als gesichert, dass der von Phidias stammende auf einem Thron sitzend dargestellte Zeus fast 12,50 m hoch war. Die moderne Forschung spricht von 12,37 m ohne den fast 2 m hohen Sockel. (Bibl., R. PFEIFFER, 1941, S 1-5).

Darüber, dass dieses imposante Standbild jeden Betrachter in seinen Bann zog, herrschte in allen zeitgenössischen Berichten Einigkeit. Der Redner Dion Chrysostomus aus Prusa pries 105 n. Chr. bei den Olympischen Spielen die Zeusstatue beispielsweise mit den Worten: „Wer auch immer vor diesem Abbild steht und möglicherweise tiefe Trauer hat, vergisst alles, was im Leben schrecklich und betrüblich ist.“ Pau-sanias schildert im IV. Band seiner Beschreibung Griechenlands das Kunstwerk und berichtet ferner, dass der Bildhauer Damophon von Messene im 2. Jh. v. Chr. Durch Risse unansehnlich gewordene Elfenbeinteile des Zeus-Kultbildes ausbesserte.(Bibl., PAUSANIAS, 1967, S. 234)

Die Riesenstatue befand sich zirka 850 Jahre lang im Zeustempel von Olympia, bis sie Kaiser Theodosius II. im Jahr 426 n. Chr. nach Konstantinopel bringen ließ, wo sie entweder 475 oder 476 n. Chr. einem Brand zum Opfer fiel. Wie die Riesenstatue des griechischen Gottes aussah, ist durch schriftliche Quellen, z. B. von Pausanias (Band V/11, 1-10), und durch Geldstücke aus Elis (Küstenlandschaft des westlichen Peloponnes) überliefert. Eine dieser Münzprägungen erfolgte 137 n. Chr. auf Anordnung Kaiser Hadrians anlässlich der Olympischen Spiele. Die Münzen dienten später als Vorlage für Darstellungen des olympischen Zeus auf glyptischen Arbeiten. 1954 fanden deutsche Forscher in Olympia Elfenbeinteile, Obsidianstücke und Formen für goldene Blätter. Weiters stießen sie auf ein Kännchen, auf dessen Boden eingeritzt zu lesen ist: „Ich gehöre Phidias“. Es wird vermutet, dass der griechische Bildhauer bei dem Fundort seine Werkstätte hatte. (Bibl., A. W. MALLWITZ & W. SCHIERING, 1964; Bibl., E. KUNZE, 1959)

Das 438 v. Chr. geweihte Kultbild der aufrecht stehend gestalteten Athena Parthenos, zu deutsch „Athena, die Jungfrau“, soll gleichfalls mehr als 12 m hoch gewesen sein. Aufgestellt war das Standbild im Parthenon, dem 36.Tempel der Göttin, auf der Akropolis von Athen. (Bibl., G. P. STEVENS, 1955, S. 240–276). Die Herstellung der Kolossalstatue der Athena soll zur Anklage des Bildhauers Phidias geführt haben. Das Gericht hat ihn der Gotteslästerung bezichtigt, weil er sich selbst und Perikles auf dem Schild der Göttin dargestellt habe.

Weiters hat man dem Bildhauer vorgeworfen, etwas von dem für die Gewandung des Standbildes bestimmten Gold für sich abgezweigt zu haben. Einigen Schriften nach sei Phidias verurteilt worden und im Gefängnis gestorben, anderen Quellen zufolge ist ihm die Flucht nach Elis geglückt. Insgesamt soll für die Verkleidung des Holzkerns 1.100 kg Goldblech verwendet worden sein. Die aus Elfenbein bestehenden Teile der Standbilder wurden verlaufend, d. h. so überlappend aneinandergefügt, dass keine Stoßbildung zu sehen war. Das hat später zu der Annahme geführt, dass die Künstler ein Verfahren gekannt haben, das harte Elfenbein zu erweichen, um es leicht formen zu können, und es dann anschließend wieder zu härten, was technisch aber nicht möglich ist

Aus Elfenbein geschnitzter Gesichtsteil eines chryselephantinen Standbildes aus Griechenland, 5. Jh. v. Chr., Museo Vaticano, Rom
Aus Elfenbein geschnitzter Gesichtsteil eines chryselephantinen Standbildes aus Griechenland, 5. Jh. v. Chr., Museo Vaticano, Rom
In der Varvakeionischen Athena besitzt das Nationalmuseum in Athen eine 1,07 m hohe marmorne Nachbildung der Kultstatue. Sie wurde 1880 beim Gymnasium von Varvakeion in Athen gefunden, und man nimmt an, dass diese verkleinerte Kopie aus dem 2. Jh. n. Chr. stammt. Wie die Elfenbeinteile der antiken Skulpturen beschaffen waren, ist an einem im Vatikan-Museum in Rom aufbewahrten Gesichtsteil und an einem Arm zu sehen.(Bibl., C. ALBIZZATI, 1916; Bibl., W. HELBIG, 1963, S. 373)

Neben Phidias und dem gleichfalls berühmten Polyklet (Schaffenszeit ca. 450–410 v. Chr.), der in seiner Bildhauerschule einen Kanon über die ideale Proportionierung des menschlichen Körpers sowie die Differenzierung in Standbein und Spielbein verfasste, sind mehr als ein Dutzend griechische Bildhauer namentlich bekannt, die in chryselephantiner Manier arbeiteten.

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