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Kleinigkeitsarbeiten

Während viele Miniaturschnitzereien und die meisten Mikroschnitzereien dafür bekannter Kleinbildhauer ihrer hohen künstlerischen Ansprüche wegen zur Kleinkunst zählen, handelt es sich bei den sogenannten Kleinigkeitsarbeiten um Kuriosa, bei denen allein die Kleinheit im Vordergrund steht, auf Kosten der künstlerischen Ansprüche.

Der Herstellungsweise nach werden sie, wenn gedrechselt, als „Kleinigkeitsdrechseleien“ und wenn geschnitzt, als „Kleinigkeitsschnitzereien“ bezeichnet. Zu den Kleinigkeitsdrechseleien gehören u. a. winzige Schüsselchen aus Elfenbein, die so klein gefertigt sind, dass viele Duzend in einem ausgehöhlten Pfefferkorn Platz finden.

In Geislingen an der Steige hergestellt wurden, wie auf einem aus der zweiten Hälfte des 18. Jh. stammenden Verkaufszettel zu ersehen ist, beispielsweise 1 Kegelspiel in einem Pfefferkorn (1Gulden), ferner 1 Muskatnuss mit 100 Kelchlein drinnen (1 Gulden und 30 Kreuzer) und weiters 1 Dutzend „Kamele, die durch ein Nadelöhr gehen“ (30 Kreuzer). Diese Kamele bestehen aus winzigen Plättchen mit fünf Fortsätzen (vier Beine sowie Hals mit Kopf).

Manchmal werden solch undefinierbare Gebilde auch als Elefanten bezeichnet, wobei der gebogene fünfte Fortsatz (Hals mit dem Kopf des Kamels) dann als Elefantenrüssel gedeutet wird. In Geislingen stellte man ferner kleine Wägelchen aus Elfenbein her, sogenannte „Flohkütschlein“, die 30 Kreuzer kosteten. Bei allen diesen Machwerken wurde wenig Wert auf die Gestaltung, sondern nur auf Kleinheit gelegt.

Deutsche „Kleinigkeitsarbeit“ aus dem Biedermeier in Form eines beschnitzten und bemalten Kirschkerns
Deutsche „Kleinigkeitsarbeit“ aus dem Biedermeier in Form eines beschnitzten und bemalten Kirschkerns
Obwohl beschnitzte Kirschkerne manchmal zu den Miniaturschnitzereien gezählt werden, so gehören sie doch eher zu den Kleinigkeitsarbeiten, da bei ihnen das Kuriose bei weitem die künstlerische Ausführung überwiegt.

Der bekannteste beschnitzte Kirschkern befindet sich in der kursächsischen Kunstkammer in Dresden und stammt von dem Nürnberger Goldschmied und „Kleinigkeitskünstler“ Melchior Baier (gest. 1577).

Er bildet das Mittelstück eines emaillierten goldenen Anhängers, den ein gewisser Herr von Loß auf Pillnitz bei Dresden 1589 Kurfürst Christian I. zum Geschenk machte.

Alten Angaben zufolge sollen auf dem Kirschkern nicht weniger als 175 Antlitze als Relief eingeschnitzt sein. Das klingt zwar imponierend, die meisten Köpfe sind aber nur durch ineinander übergehende Erhebungen angedeutet.

(Bibl., J. MENZ-HAUSEN, 1977, S. 125 ff.) Neben solchen als Relief beschnitzten Kirschkernen gibt es auch in Ajourarbeit ausgeführte Exemplare, die bis ins Biedermeier beliebt waren.

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