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Mammutzahn
Es zählt zu den frühesten vom Menschen künstlerisch bearbeiteten Materialien und wird der Hauptfundorte wegen auch "Sibirisches Elfenbein" genannt.
Das Material der bildnerisch verwendeten Stoßzähne stammt zumeist von dem in den eiszeitlichen Kälteregionen lebenden Kältesteppenmammut (Mammonteus primi-genius), einem elefantenähnlichen Tier mit kleinen Ohren und langhaarigem rotbraunen Fell, das in der Eiszeit in fast ganz Europa, in Nordasien und im nordwestlichen und mittleren Nordamerika zu finden war.
In Eis eingefroren und dadurch konserviert haben sich Exemplare der vor ca. 10.000 Jahren ausgestorbenen Tierart zur Gänze erhalten. (Auf der Insel Wrangel soll es noch vor 4.000 Jahren Mammute gegeben haben.) Das Mammut lebte in Herden und war ein bevorzugtes Jagdwild der Steinzeitmenschen.
Die wegen des Artenschutzes heute wieder bildhauerisch genutzten Stoßzähne des Mammuts sind meist etwas weniger als 3 m lang, stark geschwungen, an den vorderen Enden oft etwas eingerollt und wiegen pro Stück etwa 40–80 kg. Von starken Bullen stammende Zähne können über 4 m lang sein und bis 150 kg wiegen.
Als längster Stoßzahn eines Mammuts gilt ein am Fluss Kolyma in Sibirien gefundenes Exemplar, das 4,9 m lang und 84 kg schwer ist.
Wie bei den Elefanten handelt es sich auch bei den Stoßzähnen des Mammuts um umgewandelte Schneidezähne des Oberkiefers. Sie sind von einer wenige Millimeter starken, rissigen und beim Mammut fast schwarzen Rinde umgeben, die vor der Bearbeitung im allgemeinen entfernt wird. Bei Bodenfunden weist das Material häufig dunkelfarbige konzentrische Risse auf, die sich durch Austrocknung der organischen Substanz gebildet haben und das Material als Werkstoff für Schnitzarbeiten fast unbrauchbar machen.
Oft ist die Qualität des Mammutelfenbeins auch durch mineralische Einlagerungen gemindert. Grünlichblaue Verfärbungen entstanden durch Kupfersalze (aus dem die Stoßzähne umgebenden Erdreich), die sich in den Zähnen einlagerten. Auf diese Weise verfärbtes Material wurde früher als Türkisersatz verwendet und deshalb „Zahntürkis“ genannt. Gut erhaltenes und nicht durch Einlagerungen oder Risse beeinträchtigtes Zahnmaterial mit schöner Maserung ist in beschnitztem Zustand kaum von Elefantenelfenbein zu unterscheiden.
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Oben: Schnitt quer durch einen Mammutzahn
Unten: Schnitt quer durch den Stoßzahn eines Afrikanischen Elefanten |
Bei den polierten Mustern von Schnittstellen quer durch einen Zahn fällt zwar auf, dass die Netzstruktur der Maserung beim Mammutelfenbein spitzwinkeliger ist als bei einem vergleichbaren Schnitt quer durch einen Elefantenstoßzahn, da die Zähne einzelner Tiere beim Elefanten und auch beim Mammut aber sehr unterschiedlich sind, lassen sich bei beiden Tierarten Exemplare finden, die einander sehr stark ähneln. Es ist daher oft nicht einfach, bei geschnitzten Objekten mit Sicherheit festzustellen, ob es sich um Mammut- oder um Elefantenelfenbein handelt, da das Aussehen der Maserung u. a. auch von der Schnittlage abhängt, mit der das Material von dem Stoßzahn abgetrennt wurde.
Siehe auch unter Untersuchungsmethoden,
Wenn nicht mineralische Einschlüsse wirksam sind, ist das Material des Mammutzahnes etwa gleich dicht und hart wie das Stoßzahnmaterial des Elefanten, d. h. die Härte beträgt 2,75–3,50.
Weltweit gibt es in den Museen Hunderte Gegenstände aus Mammut-Elfenbein, deren Alter mittels der Radiokarbonmethode ermittelt und mit bis zu 30.000 Jahren angegeben wird. Bei den Fundstücken handelt es sich entweder um Frauen- oder um Tiergestalten. Zum Unterschied von den im Aussehen oft stilisiert ausgeführten vollrunden Frauenfiguren sind viele der meist als Ritzzeichnungen oder als silhouettierte Reliefs angelegten Tierdarstellungen äußerst naturgetreu und lebensecht gestaltet. Es ist erstaunlich, wie gekonnt die Steinzeitjäger ihre Jagdbeute, zu der u. a. Wildpferde und Mammute zählten, verewigt haben. Besonders schöne Exemplare fanden sich in der Vogelherd-Höhle bei Stetten ob Lontal, im Landkreis Ulm. (Die von dort stammenden Ausgrabungsstücke werden am Institut für Urgeschichte der Universität Tübingen aufbewahrt).
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