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Frühe Neuzeit

Bei den Elfenbeinarbeiten vom Beginn der Neuzeit handelt es sich zum überwiegenden Teil um Intarsien. Abgesehen von sakralen Schnitzarbeiten aus Elfenbein, die vom Klerus auch in der Renaissance noch in Auftrag gegeben wurden, etwa Kusstafeln, Krümmen von Pastoralen und liturgische Kämme, waren Gebrauchsgegenstände aus „helffenbein“, beispielsweise Spielsteine (Schachfiguren), aufwendig beschnitzte Löffel und Hifthörner, noch selten. Kaum zu finden sind elfenbeinerne Figuren aus dieser Zeit, wie etwa die Werke des für den Prager Hof tätigen Bildschnitzers Nikolaus Pfaff (geb. um 1556; gest. vor 1612).

Auch Kruzifixe und selbst Madonnenfiguren, die sich in der Gotik großer Beliebtheit erfreuten, wurden in der Renaissance nur selten aus Elfenbein hergestellt. Während man die namentlich bekannten Bildhauer, die in der Renaissance Elfenbeinfiguren schnitzten, fast an den Händen zählen kann, gab es im Barock Hunderte „Figuristen“, die Elfenbein für ihre Werke verwendeten. Einen wahren Boom erlebten in der Renaissance dagegen die Intarsien. Bei diesen Einlagen handelt es sich überwiegend um silhouettiert ausgeführte Motive, bei denen die Details als Binnenzeichnung eingeritzt und geschwärzt sind, seltener um Reliefintarsien, wie auf diesem Bild zu sehen:
Als Relief geschnitzte Elfenbeineinlage. Solche Reliefintarsien sind vor allem in Kabinettschränken zu finden
Als Relief geschnitzte Elfenbeineinlage. Solche Reliefintarsien sind vor allem in Kabinettschränken zu finden

Intarsien finden sich vor allem in Kabinettschränken, in Kassetten und in Form der sogenannten „Verbeinungen“ in den Kolben und Schäften von Radschlossgewehren und Pistolen sowie in Armbrustwaffen. (Prachtvolle Verbeinungen gibt es auch bei Vorderladern mit Steinschloss, die seit ca. 1630 in der Barockzeit gebräuchlich waren.) Schöne Elfenbeineinlagen sind ferner bei Musikinstrumenten zu finden, bei Exemplaren aus der Spätrenaissace bereits mitunter in Form von..Marketerien. Im Manierismus kamen dann auch aus Elfenbein gedrechselte Schaustücke in Mode. Zu den wichtigsten mit Elfenbein eingelegten Objekten vom Beginn der Neuzeit zählen zwei im Grazer Dom (früher Jesuitenkirche) aufbewahrte Truhen, die zur Aufbewahrung der Reliquien dienten, die Kaiser Ferdinand II. von Papst Paul V. als Präsent erhielt.
Eine der beiden im Dom zu Graz befindlichen Elfenbeinschreine aus dem Besitz der Familie Gonzaga, Mantua. Sie dienten ursprünglich als Brauttruhen, später als Reliquienschreine.
Eine der beiden im Dom zu Graz befindlichen Elfenbeinschreine aus dem Besitz der Familie Gonzaga, Mantua. Sie dienten ursprünglich als Brauttruhen, später als Reliquienschreine.

Sie entstanden am Beginn der 2. Hälfte des 15. Jh. Von Chronisten wurden zwar die Reliquien ausführlich beschrieben, nicht aber die Schreine, und es entstand der Eindruck, dass die Truhen zusammen mit den "Heiltümern" aus Rom stammen. Heute wird die Ansicht vertreten, dass sie in Mantua hergestellt wurden, weil in den Deckeln das Wappen der dort residierenden Familie Gonzaga eingelegt ist. Nach Meinung Coudenhove-Erthals handelt es sich um Brauttruhen. Sie kamen wahrscheinlich 1477 als Heiratsgut der Fürstin Paola Gonzaga in das Schloss Bruck bei Lienz, dem Sitz Leonhards von Görz. In einem Inventar über das Heiratsgut heißt es u. a.:

"…zwo große truchen von helfandbein ausgeschnitzt mit triumphn und wapen des haus zu Mantua".


Nach dem Tode Paola Gonzagas schenkte Leonhard vermutlich die Truhen dem Kloster der Jesuiten in Millstatt. Da der Grazer Dom früher die Kirche der Jesuiten war, ist es denkbar, dass die beiden Schreine nach Einlangen der Reliquien nach Graz gebracht wurden, um die Kostbarkeiten aufzunehmen. Die Truhen haben die Ausmaße 190 x 95 x 77 cm und bestehen aus massiver Eiche. Interessant ist, dass die Intarsien nicht nur im Holz versenkt sind, sondern dass als Unterlage Hornplatten dienen, auf die, unter Anwendung einer Zwischenschicht aus Leinen, die aus Elfenbein und Bein bestehenden Schnitzarbeiten aufgebracht wurden. Die Rückseiten der beiden Schreine sind nicht verziert, da vorgesehen war, sie an eine Wand zu stellen. Den Außenkanten der Truhen entlang sind Palmetten-Friese eingelegt, als Umrandung der silhouettierten, als Relief ausgeführten Motive. An der Vorderseite der Schreine befinden sich je drei Reliefbilder mit Darstellungen nach Petrarcas."Trionfi" und zwar: "Triumph der Liebe", "Triumph der Keuschheit", "Triumph des Todes", "Triumph des Ruhmes", "Triumph der Zeit" und "Triumph eines Gottes". An den Seiten der Behälter sind Sinnbilder des Hauses Gonzaga zu sehen: Hirschkuh, Flügelpaar, Blume und siebenköpfiger Drache. Die Truhendeckel weisen Einlagen in Form von Wappen auf. (Bibl., COUDENHOVE-ERTHAL, 1931)

<<Spätmittelalter
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