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Römische Zeit

Im Gegensatz zu den Griechen, die nicht nur ihre Poeten, sondern auch ihre Bildhauer ehrten, schätzten die Römer zwar Kunstwerke, die soziale Stellung der Künstler war aber eher untergeordnet, d. h. nicht viel besser als jene der Handwerker. Die römischen Elfenbeinschnitzer verwendeten das Stoßzahnmaterial bis zum 1. Jh. v. Chr. Großteils zum Ruhm der Götter und Herrscher. Durch Propertius ist beispielsweise überliefert, dass der von Augustus zu Ehren des Gottes Apollon errichtete Tempel Tore aus Elfenbein hatte, die u. a. mit Darstellungen des Niobe-Themas beschnitzt waren. Römische Kaiser ließen sich in Form von Elfenbeinstandbildern verehren, später folgten auch ähnliche Porträtplastiken vermögender Patrizier. Eine Vorstellung von der Gestaltungsweise dieser Werke vermittelt ein in halber Lebensgröße aus Elfenbein geschnitzter Fuß mit Sandale, der sich im Metropolitan Museum of Art in New York befindet. Die naturalistische Ausführung, auffallend besonders beim Riemenwerk und dem Mittelstück, das den Fußrist bedeckt und auf dem der Nilgott auf einer Sphinx sitzend in feiner Reliefschnitzerei dargestellt ist, veranschaulicht das hohe bildnerische Niveau der römischen Schnitzkunst. (Bibl., R. H. RANDALL Jr., 1985, Colorplate 27)

Obwohl die römischen Bildhauer auch nach Christi Geburt für Schnitzereien privater Auftraggeber überwiegend Bein verwendeten, nahm der Elfenbeinanteil beim Möbeldekor und für diverse Gebrauchsgegenstände, wie Spiegelgriffe etc., deutlich zu. (Bibl., M. A. RICHTER, 1966) Beliebt waren u. a. aus einem Stück geschnitzte flache Behälter von rechteckigem Format, die z. B. zur Aufbewahrung von Medikamenten bestimmt waren

25 Mit Äskulap-Motiv verziertes Arzneikästchen. Spätrömische Elfen-beinschnitzerei,
um 400 n. Chr., Dom-Museum, Chur
25 Mit Äskulap-Motiv verziertes Arzneikästchen. Spätrömische Elfen-beinschnitzerei, um 400 n. Chr., Dom-Museum, Chur
Auf dem Schiebedeckel der für Heilmittel vorgesehenen Exemplare befinden sich oft Reliefdarstellungen von Äskulap, dem Gott der Heilkunst, oder seiner Tochter Hygieia, der Göttin der Gesundheit. (Bibl., H. APPUN, 1984, S. 232) Beliebt waren auch als Pyxiden bezeichnete zylindrische Dosen mit Steckdeckel. Sie wurden sowohl aus Bein als auch aus Elfenbein gefertigt und dienten u. a. zur Verwahrung von Kosmetika. Zahlreiche als Reliefschnitzerei ausgeführte Putti-Darstellungen auf solchen Behältern, ferner silhouettiert geschnitzte flache Putti als Einlagen in Holz sowie vollrunde Figürchen dokumentieren, dass Putti nicht erst in der Renaissance und im Barock, sondern bereits im Reich der Cäsaren als Motiv beliebt waren. Der im 1. Jh. n. Chr. in Asisium geborene Satiriker Decimus Juvenal kritisierte den Luxus vermögender Patrizier, Elfenbein für Möbel und für Zier- und Gebrauchsgegenstände zu verwenden.(Bibl., R. DEL-BRUECK, 1952)

Seit Hadrian (76–138 n. Chr.) wurde die römische Kunst wieder stark vom Hellenismus beeinflusst. Der Überlieferung nach sprach der in Italica (Spanien) geborene Kaiser fast nur Griechisch, und sein Palast in der Nähe der heutigen Stadt Tivoli war voll von Originalen und Kopien griechischer Standbilder. (Bibl., S. AURIGEMMA, 1961)

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