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Walrosszahn

Walrosszahn ist weiß bis leicht gelblich und sehr farbstabil

Die beiden abwärts gerichteten, leicht gebogenen Eckzähne des Oberkiefers der männlichen und der weiblichen Tiere des Atlantischen oder Polarmeer-Walrosses (Odobenus rosmarus) und des Pazifischen Walrosses (Odobenus rosmarus divergens) zählen zu den in der bildenden Kunst als Elfenbein verwendeten Materialien.

Die wurzellosen Zähne haben einen ovalen Querschnitt und sind großteils von einer Zahnzementlage umgeben. Sie weisen Längsriefen auf und erreichen bei Bullen eine Länge von 60–75 cm, selten wird dabei aber ein Stückgewicht von 3 kg überschritten

Schnitt quer durch den Hauer eines Walrosses. Abmessungen an der Zahnbasis ca. 7 x 5 cm
Schnitt quer durch den Hauer eines Walrosses. Abmessungen an der Zahnbasis ca. 7 x 5 cm




Hauer eines Walrosses. Die durchschnittliche Länge beträgt bei Bullen 60–75 cm.
Hauer eines Walrosses. Die durchschnittliche Länge beträgt bei Bullen 60–75 cm.

Walrosszahn ist weiß bis leicht gelblich und sehr farbstabil. Es ist spröder und härter als das Zahnbein des Elefanten; seine Härte beträgt 3,75–4,00. Zum Unterschied von den anderen Zähnen, deren Material für bildnerische Arbeiten verwendet wird, befindet sich an der Basis des Walrosszahnes meist nur ein kleiner Hohlraum, da das Zahninnere mit Osteodentin gefüllt ist, das eine grauweiße bis gelbliche, bisweilen glänzend marmoriert wirkende Beschaffenheit hat

Wenn diese grobkörnig erscheinende Struktur an einer Stelle eines geschnitzten Objektes zu sehen ist, besteht kein Zweifel, um welches Material es sich dabei handelt. Aus den Hauern des Atlantischen Walrosses wurden besonders in Skandinavien und in England bereits im Mittelalter Schachfiguren und scheibenförmige Spielsteine für Brettspiele angefertigt.

Abundantia oder Pomona. Plastik von Leonhard Kern, Gesamthöhe 38 cm, Figur 15,5 cm. Kunsthistorisches Museum, Wien.
Abundantia oder Pomona. Plastik von Leonhard Kern, Gesamthöhe 38 cm, Figur 15,5 cm. Kunsthistorisches Museum, Wien.

Von den in Mitteleuropa aus dem Werkstoff hergestellten Schnitzarbeiten ist vor allem eine im Kunsthistorischen Museum in Wien befindliche 38 cm hohe Plastik bekannt, die als Abundantia oder Pomona den Überfluss verkörpert. Sie ist deshalb bemerkenswert, weil der Sockel der Figur aus dem Basisstück des Zahnes und aus einem Teil des Kiefers gebildet wird.

Die Figur selbst ist 15,5 cm groß, in Kontrapoststellung eine nackte Frau mit geflochtenem, aufgestecktem Haar darstellend. Die linke Hand ist in Brusthöhe erhoben, während sie mit der Rechten eine der Früchte ergreift, die aus dem neben ihr stehenden Füllhorn quellen (Abb. 11). Die Schnitzarbeit wird dem Barockbildhauer Leonhard Kern (1588–1662) zugeordnet, der im Raum von Schwäbisch Hall tätig war. (Bibl., E. GRÜNENWALD, S. 199)

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