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Drechselkunst
Das Gewerbe der „gemeinen Drechselei“ zählt zu den ältesten Handwerken. Gesetzliche Bestimmungen im Zusammenhang damit finden bereits um 800 in der von Karl d. Gr. stammenden Gesetzesschrift „Capitulare von Villis“ Erwähnung. Die frühesten kunstgedrechselten Objekte entstanden im 15. Jh. Im Manierismus wurde die Drechselkunst dann, durch die damals herrschende Vorliebe für Absonderliches und Kurioses, ein beliebter Zeitvertreib der Nobilität.
Als Wiege der Drechselkunst wurde lange Zeit Nürnberg angesehen. Heute ist bekannt, dass in Dieppe und auch in Mailand bereits früher kunstgedrechselte Objekte entstanden sind. Im Unterschied zu Dieppe, das zu einem Zentrum der Drechselkunst wurde, waren in Nürnberg und Mailand nie zur gleichen Zeit so viele Drechselwerkstätten etabliert. (Bibl., D. DIEMER, 1985, S. 295-342; Bibl., D. DIEMER, 1990, S. 22–25) Erbach und Berchtesgaden sind als Drechselzentren bekannt, so kompliziert gestaltete Objekte, wie in Nürnberg, Mailand, Dieppe und beispielsweise auch in Kopenhagen wurden dort aber nicht hergestellt.
Erforderlich für das Gestalten komplizierter asymmetrischer, geschraubter, getreppter und gebuckelter Schauobjekte ist eine Drehbank, in der das Werkstück eingespannt um seine eigene Achse rotiert, um mit Schneidstählen bearbeitet zu werden. Kaiser Maximilian (Kaiser seit 1508) gehörte zu den ersten Regenten, die eine Drehbank besaßen und auch damit umzugehen verstanden. Sie war ein Geschenk der Tiroler Landstände und kann heute in der Nähe von Wien auf Burg Kreuzenstein besichtigt werden. (K. MAURICE, 1985, Abb. 5, 6).
Zwischen Drehen und Drechseln unterscheidet man erst seit Ende des 19. Jh., wobei der Unterschied in der Handhabung des Dreh- oder Schneidstahls liegt, mit dem das Werkstück bearbeitet wird. Beim Drechseln werden lange, mit einem Handgriff versehene Schneidstähle von Hand aus an das in der Drehbank eingespannte und um seine eigene Achse rotierende Werkstück herangeführt und dieses in spanabhebender Technik geformt. Zur besseren Handhabung des Werkzeuges verwendet der Drechsler eine T-förmige Auflage, an deren Querbalken der Griff des Schneidstahls abgestützt wird.
Beim Drechseln kann man durch steileres oder flacheres Halten des Schneidstahls auf die Formgebung Einfluss nehmen. Im Gegensatz dazu haben die beim Drehen gebrauchten kurzen Schneidstähle keinen Handgriff, sondern einen eckigen Ansatz, mit dem sie im sogen. „Support“ der Drehbank fixiert sind und damit an das Werkstück herangeführt werden. Das Gestalten des Werkstückes erfolgt dabei durch die verschieden geformten Schneiden der Drehstähle und die als Patronen bezeichneten Schablonen, mit deren Hilfe der spanabhebende Drehvorgang gesteuert werden kann. |
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