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Die Vorliebe für die Drechselkunst war im Norden Europas stärker verbreitet als im Süden. Zahlreiche gedrechselte Objekte aus Elfenbein befinden sich beispielsweise im Besitz des schwedischen Königshauses. Manche davon sind Beutestücke aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648).
In der Schatzkammer in Stockholm ist u. a. ein dreigeschossiger Elfenbeinbehälter mit ovaler Grundform ausgestellt, den König Gustav II. Adolf im Jahr 1632 aus München mitbrachte. Das Schaustück wurde von Herzog Maximilian I. von Bayern gedrechselt, wie aus der am Boden befindlichen Inschrift hervorgeht: „SERENISS. MAXIMILIANVS. VTR. BAVAR. DVX. MANV PROP. F. „ Das Objekt wirkt durch die glatten, nur sparsam durch Profile verzierten Formen zeitlos und elegant. Die Standfüße sowie die Distanzstücke zwischen dem Basisteil und dem Mittelstück mit dem gedeckelten Aufsatz bestehen aus vergoldetem und emailliertem Silber. (S. FOGELMARCK, En värld i miniatyr, Skrifter från Kungl. Husgerådskammaren 2, Kattrineholm 1982, S. 49 u. 120).
Auch die schwedische Königin Hedvig Eleonora dürfte gedrechselte Vitrinenstücke sehr geschätzt haben; etliche der in der schwedischen Schatzkammersammlung aufbewahrten Elfenbeinobjekte stammen aus ihrem Besitz. |
 Seerose, kompliziert gestaltete Kunstdrechselarbeit aus der Zeit des Jugendstils, Elfenbein, Ø 9 cm | Im 19. Jh. galten insbesondere Erbach im Odenwald, Geislingen an der Steige und Berchtesgaden als Drechselzentren. Dort wurden im allgemeinen aber keine kompliziert gestalteten Vitrinenstücke, sondern Gebrauchsgegenstände hergestellt, wie etwa schöne Nadelbehälter.
Die dargestellte Seerose ist eines der wenigen kunstgedrechselten Schaustücke des Jugendstils. In England waren vor allem in London und in Birmingham eine Anzahl von Kunstdrechslern ansässig. Auf dieser Tradition fußend, gibt es in England einen Klub (The Society of Ornamental Turners), |
| dessen Mitglieder heute die Drechselkunst wieder pflegen, nachdem diese mit dem Ende des Historismus völlig zum Erliegen kam. |
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