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Geschichte über die Mikrobilder der Connoisseur Collection

Die Connoisseur Collection
Maria-Theresien-Brosche
Maria-Theresien-Brosche

Bei den Mikrobildern handelt es sich um kleine als Durchbruchsschnitzerei aus Elfenbein gestaltete bildhafte Reliefs, bei denen einzelne Details mikroskopisch klein, also in Größenordnungen von nur wenigen hundertstel Millimetern ausgearbeitet sind. Bei ihrer Herstellung wurden nahezu die Grenzen des von Menschen Machbaren überschritten und es verwundert deshalb nicht, dass sie bereits vor mehr als 200 Jahren als Mirabilien bezeichnet wurden, also als Wunderdinge.

Die Mikrobilder stammen von Künstlern, die zumeist für Fürsten tätig waren und das Privileg hatten, sich Hofbildhauer zu nennen.
Ihre Werke zählen zu den sensationellsten jemals von Menschenhand geschaffenen Dingen und waren begehrte Schauobjekte für Kunstkabinette.

Bekannt ist, dass u. a. Maria Theresia, die Zarin Katharina die
Große und der englische König Georg III. in ihren Kunstsammlungen derartige Kleinodien besaßen.

Da solche Sammlungen der Allgemeinheit kaum zugänglich waren, sind die Mikrobilder wenig bekannt und werden bisweilen mit Miniaturschnitzereien verwechselt oder mit Asiatika in Zusammenhang gebracht. Faktum ist aber, dass es sich bei diesen Mikrobildern um den Höhepunkt feinster europäischer Bildhauerkunst handelt.

Da manche Einzelheiten bei den Mikrobildern bisweilen nur einen hundertstel Millimeter (0,01 mm) betragen, müssen sie stets durch eine Abdeckung aus Bergkristall oder Glas geschützt werden. Die wesentlich weniger feinen Miniaturschnitzereien benötigen dagegen keinen solchen Schutz.

Sie können angefasst werden, ohne dass sie Schaden nehmen. Eine Unterscheidung zwischen Mikrobildern und Miniaturen ist für Fachleute spätestens seit dem von Christian Scherer
1905 herausgebrachten Buch "Elfenbeinplastik seit der Renaissance" selbstverständlich.

Mikrobilder spiegeln die im Spätrokoko herrschende Vorliebe für das Außergewöhnliche wider, im Speziellen das Faible für "Petitesse", also das Kleine und Feine.

Die Mikrobilder stammen aus einer Zeit, als der Begriff Kunst noch in direktem Zusammenhang mit Können gesehen wurde. Die Art ihrer Bewertung, nach Konzeption und Ausführung, unterscheidet sich grundsätzlich von den Kriterien, die bei der Beurteilung zeitgenössischer Kunst üblich sind.

Bei der Moderne wird häufig nur die Idee, nicht aber deren Umsetzung, d. h. die Ausführung, als Kunst gewertet. Viele Kunstobjekte der Gegenwart sind deshalb ohne großen Zeitaufwand und bisweilen so simpel ausgeführt, dass sie nahezu von jedermann nachgemacht werden können.

Die zur Zeit der Herstellung der Mikrobilder gültige Kunstauffassung steht dazu in krassem Gegensatz. Die Kunstkritiker der damaligen Zeit, wie beispielsweise Horace Walpole, Earl of Oxford, waren vor allem von der Unnachahmlichkeit der Mikrobilder fasziniert.

Auf Mikrotechnik spezialisiert waren nur wenige Künstler und der Zeitaufwand, der beispielsweise für die Gestaltung des Zweigwerkes der Bäume benötigt wurde, ist unvorstellbar groß, so dass die Mikrobilder heute als unfälschbar angesehen
werden können, wie sich gezeigt hat.

Im Zusammenhang mit der 1998 erfolgten Ausstellung der
"Maria-Theresien-Brosche" in Japan wurde von Bildhauern und Restauratoren der Versuch unternommen, einen der
winzigen Äste nachzuschnitzen, bei dem die Zweige zum Teil nur einen hundertstel Millimeter voneinander entfernt sind, allerdings ohne Erfolg.

Jeder der mit Mikroschnitzereien befassten Künstler hatte seine spezielle Arbeitstechnik; es sind bei den Mikrobildern daher keine Kopien zu finden.

Sehr wohl gibt es bei manchen Sujets aber Repliken d. h., Wiederholungen des Originalwerkes durch den Hersteller, oder geringfügig davon abweichende Zweitfassungen.

Ein gutes Beispiel dafür ist das von G. Stephany und J. Dresch stammende Motiv eines minutiös ausgeführten Segelschiffes, das unter dem Titel "A Frigate" in verschiedenen Größen
hergestellt und von der Londoner Gesellschaft mit großer Begeisterung aufgenommen wurde.

Es handelt sich dabei um Auftragsarbeiten, die u. a. an der Royal Academy of Arts in London zu bewundern waren. Es wurde nicht irgendein Segelschiff in Auftrag gegeben, sondern speziell diese Fregatte.

Dem Umstand, dass es sich bei diesen nur geringfügig abgeänderten Fassungen dieses Motivs um keine
Originalentwürfe mehr handelte, wurde keine Aufmerksamkeit geschenkt.

Es war gängige Praxis, Motive in Auftrag zu geben, die bereits existierten. Man schätzte zu dieser Zeit nicht die Inspiration, den künstlerischen Entwurf, sondern allein das fertige Kunstwerk.

Bezüglich des Geldwertes von Mikrobildern ist zu sagen, dass ihr Wert nicht durch den Bekanntheitsgrad und den Namen von Künstlern bestimmt wird, sondern durch die Faszination, die von
jedem einzelnen dieser Museumsstücke ausgeht.

Der Besitzerwechsel bedeutender Mikrobilder erfolgte in den letzten Jahren immer diskret, innerhalb des Sammlerkreises.

Offizielle Preisangaben, beispielsweise durch Auktionserlöse, sind deshalb nicht verfügbar. Die angeführten Schätzwerte
entsprechen den derzeit in Sammlerkreisen für Mikrobilder üblichen Preisen und stellen die untere Ermessensgrenze dar.

Mit Ausnahme vielleicht der Maria-Theresien-Brosche bedeutet dies, dass der Wiederbeschaffungswert im Antiquitätenhandel ein Mehrfaches der angegebenen Preise betragen würde.

<<Ausschnitt Abb. 27 - Genredarstellung
Die Künstler dieser Sammlung>>


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