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Elfenbeinschnitzereien

Elfenbein repräsentiert als Material keinen allzu großen Wert. Bei Elfenbeinschnitzereien ist es vor allem die jeweilige künstlerische Arbeit, die den Wert eines Objektes ausmacht und entscheidend für den Preis ist. Objekte aus Elfenbein waren früher sehr beliebt. Aufgrund genauer Statistiken, beispielsweise den Aufzeichnungen von Kommerzienrat Max Westendarp, dem Inhaber der in Hamburg in der 2. Hälfte des 19. Jh. etablierten Firma Heinrich Meyer, dem größten Elfenbein-Handelsunternehmen der Welt, kennt man den Durchschnittsverbrauch an Elfenbein. Er wird für die Jahre 1879 bis 1883 mit 838.000 kg bis 848.000 kg beziffert, wobei von der Ostküste Afrikas ca. 554.000 bis 564.000 kg und von der Westküste ca. 284.000 kg kamen. Nach Europa verschifft wurden davon ca. 535.000 kg. Davon entfielen auf Besteckgriffe und Messerhefte 214.000 kg, auf Kämme 138.000 kg, auf Klaviaturen 112.000 kg und auf Billardkugeln 42.000 kg. Der Rest von 29.000 kg bis 39.000 kg umfasste den Verbrauch für gewerblich verarbeitetes Material für Kannenhenkel und Isolatoren, unverzierte Dosen, Handschuhdehner, Falzbeine, Schuhlöffel, Stopfhölzer, Gehäuse für Operngläser usw. sowie den Bedarf der Elfenbeinschnitzer. Jedes Jahr gelangte auch noch ca. 20.000 kg sibirisches Mammutelfenbein nach Europa.

Was kunstvoll gestaltete Objekte aus Elfenbein anlangt, so kann mit Sicherheit gesagt werden, dass sie zu keiner Zeit eine Bedrohung der Elefanten darstellten. Das in Europa von den Schnitzern verwendete Material hätte spielend leicht mit dem natürlichen Anfall an Stoßzähnen von eingegangenen Tieren gedeckt werden können. Die Elfenbeinschnitzer verarbeiteten in ganz Europa im Durchschnitt jährlich nur 6.000 kg und wurden deshalb von Westendarp als „merkantilisch uninteressant“ bezeichnet. Ihre Arbeitsweise (das harte Zahnbein mit Sägen, Schneidstählen, Sticheln und Schabern zu bearbeiten) war mühsam und dauerte entsprechend lange. Milet berichtet (Bibl., A. MILET, 1906), dass ein Elfenbeinschnitzer an der Herstellung einer Elfenbeingruppe von etwa 15–20 cm Höhe einige Wochen lang arbeitete. Abschließend kann nur wiederholt werden, dass niemand beim Erwerb einer alten schönen Schnitzarbeit, wegen des dabei verwendeten Elfenbeins, Bedenken zu haben braucht. Der Bedarf der Elfenbeinschnitzer fiel nicht ins Gewicht.

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