Vorwort
Bis in die zweite Hälfte des
20. Jhdts hinein war der Arbeitsbereich des gewerblichen Goldschmiedes in
Österreich vor allem darauf ausgerichtet, den Schmuckhändler (Juwelier) mit Ware
zu beliefern. Die Berufsqualifikation des Schmuckmachers war auf die technische
Umsetzung und Erzeugung von Schmuckstücken konzentriert, die nach
standardisierten oder vorgegebenen Entwürfen gefertigt wurden. Der selbständige
Meister war die Ausnahme, das Profil eines unselbständig Beschäftigten war die
Regel.
Mit der Einführung und Umsetzung industrieller Fertigungsmethoden und der damit
verbundenen Auslagerung der Produktionsbetriebe an günstigere Standorte
fiel der Schmuck & Juwelenhandel als Abnehmer der heimischen Schmuckerzeugung
großräumig und innerhalb kurzer Zeit weg. Der Aufbau einer neuen Kundenschicht
(Stichwort ‚Privatkunden’) begann.
Einige Veränderungen der Jahre 1970-1990 scheinen mir besonders erwähnenswert:
- Schmuck aus Edelmetall
wird zum Konsumgut (zusätzlich zu seinem Status als Luxusgut)
- Die Konkurrenz erhöht sich
durch die Öffnung des österreichischen Marktes in Richtung Europa, einfachere
Importregelungen der EFTA / EWR gipfeln im Beitritt zur EU
- Die Firmengrößen
schrumpfen drastisch (heute sind bereits 80 - 90% aller Goldschmiede echt,
oder unecht selbständig!)
- Die Wertschöpfung
verlagert sich von der Produktion zur Dienstleistung
- Einführung der Luxussteuer
30% (32%) in Österreich, Ölpreisschock, Goldpreis-Höchststände
Nachfolgende Übersicht
illustriert die branchenspezifischen Veränderungen im letzten Jahrhundert im
Wechselspiel mit den gesellschaftlichen Entwicklungen in Österreich und der
Internationalisierung der Wirtschaft.
Die erweiterte Schmucklandschaft im 21. Jahrhundert weist dem zeitgenössischen
Edelmetall-Schmuckmacher einen konkreten Platz zu und zeigt für welche
gesellschaftlichen Aufgaben er zuständig ist und sinnvoll ausüben kann, und
welche nicht.
Unschwer lässt sich
daraus ein neues und erweitertes Berufsbild ableiten, das sowohl an die
Ausbildung als auch an die Umsetzungsstrategien des Goldschmiedes neue
Anforderungen stellt.
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