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Byzantinische Zeit

Sie beginnt mit dem 4. nachchristlichen Jahrhundert und der Aufteilung des römischen Imperiums in ein westliches und ein östliches Reich. Die Hauptstadt Konstantinopel (Byzanz) wurde schließlich im 6. Jh. zum politischen, geistigen und künstlerischen Zentrum der damaligen Welt. (Bibl., C. MANGOLD, 1972).

Die Vorrangstellung der Elfenbeinkunst ging von Oberitalien auf das byzantinische Reich über, mit Konstantinopel als Mittelpunkt. Abgesehen von der Hauptstadt waren Thessaloniki und die alten Bischofsresidenzen Alexandria in Ägypten und Antiochia in Syrien weitere Zentren der oströmischen Kunst, ohne die die byzantinische Elfenbeinschnitzerei nur eine Variante der römischen Kunst geblieben wäre. Die Bischöfe von Alexandria und Antiochia, die im 5./6. Jh. neben denen von Rom und Jerusalem den Titel Patriarch erhielten, förderten in ihren Residenzen die bildenden Künstler, insbesondere die Elfenbeinschnitzer. Justinian gelang es, die Voraussetzungen zu schaffen, dass die von diesen Zentren ausgehenden Kunstströmungen zu einem einheitlichen byzantinischen Stil verschmolzen. Obwohl bei der byzantinischen Schnitzkunst oftmals eine gewisse schablonenhafte Bindung an die formalen Schönheitsideale der Antike feststellbar ist, übte sie einen großen Einfluss auf die frühen abendländischen Elfenbeinarbeiten aus, und es wurden aus ihr immer wieder neue Kräfte geschöpft. (Bibl., O. DEMUS, 1967, S. 92-98)

Bei den erhaltenen frühen byzantinischen Elfenbeinschnitzereien handelt es sich durchwegs um Reliefschnitzereien mit Darstellungen von Personen in Verbindung mit einer Arkade oder einem (durchbrochen geschnitzten) Baldachin. Das Museo Nazionale del Bargello in Florenz besitzt eine 30,5 x 13,6 cm große Elfenbeintafel aus dem 6. Jh., auf der eine byzantinische Herrscherin, aller Wahrscheinlichkeit nach Kaiserin Ariadne (Arianna), wieder-gegeben ist. Kostbar geschmückt mit Diadem, Ohrgehängen und Juwelenkragen steht sie zwischen Säulen, die von einem kuppelartigen Baldachin überdacht sind. Sie hält in ihrer Rechten die mit einem Kreuz bekrönte Sphärenkugel und mit der linken Hand ein Zepter. (Bibl., D. GABORIT-CHOPIN, 1988, S. 25)

Im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet sich das 26,5 cm hohe Mittelstück eines fünfteiligen Kaiserdiptychons, auf dem die Kaiserin nahezu gleich wiedergegeben ist. Die Darstellungen unterscheiden sich hauptsächlich dadurch, dass Ariadne nicht steht, sondern auf einem Thronsessel sitzt und die Sphärenkugel mit ihrer Linken hält:
Mittelstück eines Kaiserdiptychons, dargestellt ist wahrscheinlich Kaiserin Ariadne (+ 515 n. Chr.), Kunsthistorisches Museum, Wien.
Mittelstück eines Kaiserdiptychons, dargestellt ist wahrscheinlich Kaiserin Ariadne (+ 515 n. Chr.), Kunsthistorisches Museum, Wien.

Kaiserin Ariadne war die Tochter Kaiser Leos I. und zunächst Gemahlin des Kaisers Zenon; nach dessen Tod heiratete sie Anastasius I. Von den frühbyzantinischen, in das 5./6. Jh. datierten Elfenbeinschnitzereien häufig Erwähnung findet weiters eine im Besitz des British Museum in London befindliche Diptychontafel mit einer Darstellung des hl. Michael. Der auf Stufen stehende Erzengel ist innerhalb einer Arkade mit reich verziertem Bogen wiedergegeben. Mit der linken Hand umfasst er in Kopfhöhe einen langen zepterähnlichen Stab und hält in seiner Rechten die mit einem Kreuz bekrönte Sphärenkugel. Die meisten der frühbyzantinischen Elfenbeinschnitzereien fielen dem Ikonoklasmus, d. h. dem Bilderstreit, zum Opfer. Dabei ging es primär darum, ob es erlaubt sei, von Jesus, Maria und den Heiligen Bilder anzufertigen. Die Anhänger des Ikonoklasmus (Bilderzerstörung) beriefen sich auf das Alte Testament, in dem es heißt: „Du sollst Dir kein Schnitzbild machen, noch irgendein Abbild von dem, was droben im Himmel oder auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde ist.“ Exodus 20, 4–5). Die Bilderzerstörer lehnten somit alle Bilder ab, bedrohten die Bilderverehrer (Ikonodulen) mit Folter und Hinrichtung und verlangten die Zerstörung aller Bildwerke. Die erste Periode der Bilderzerstörung (726–780) wurde durch das Edikt des oströmischen Kaisers Leon III., genannt der Syrer, eingeleitet und von dessen Sohn Konstantin V. fort-gesetzt. Die zweite Phase währte etwa von 815–842/843, unter den Kaisern Leon V., Michael II. und Theophilos. Vom 6.–12. Jh. wurde vor allem die Elfenbeinschnitzkunst Italiens und Siziliens von byzantinischen Vorbildern 41.beeinflußt, wobei nicht nur Schnitzarbeiten, sondern auch byzantinische (Buch-)Malereien mit ihren meist altchristlichen Bildinhalten Modellcharakter hatten. In gewisser Weise beeinflusste die bildende Kunst des byzantinischen Reiches große Teile Westeuropas, das durch die Völkerwanderungen kulturell geschwächt war, sowie auch die slawische Kunst. In der slawischen Schnitzkunst und in der Ikonenmalerei erhielt sich byzantinisches Formengut bis in unsere Zeit. Abgesehen vom Ikonoklasmus wurden viele byzantinische Bildwerke auch bei der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer (1204) und durch die Osmanen (1453) zerstört.

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