Stücksuche:
Bitte mind. 2 Zeichen eingeben. Weitere Suchmöglichkeiten »

Diaphanbilder

Zu den seltenen Elfenbeinschnitzereien zählen die sogenannten Diaphanbilder, die auch Transparentbilder heißen. Manchmal werden sie auch als „Lithophanien“ bezeichnet. Das ist aber nicht korrekt, da es sich beim Elfenbein um keinen Stein handelt, der Terminus Lithophanie sich aber von griech. lithos, „Stein“, und phainein, „sichtbar machen“, ableitet. Es sollte deshalb nur in Verbindung mit Steinschnitten und in weiterem Sinne bei Diaphanbildern aus Keramikmaterial von Lithophanien gesprochen werden, nicht aber im Zusammenhang mit Transparentschnitzereien aus Elfenbein.

Wird eine Lichtquelle hinter eine im Material dünn ausgearbeitete elfenbeinerne Reliefschnitzerei gebracht, so scheint das Licht um so heller durch das Elfenbein, je dünner die Stellen der Schnitzarbeit sind, und es entsteht ein stimmungsvolles Bild.

Im 18./19. Jh. wurden solche Diaphanbilder als Kerzenschirme verwendet, zur Abschirmung und Diffundierung des Lichtes der offenen Flamme. Es gibt zwei Arten dieser Kerzenschirme; bei der einen Ausführung handelt es sich um den „Stellschirm“ oder „Standschirm“, bei dem man die mit einem Standfuß versehene Reliefschnitzerei in einer Entfernung von 10-–15 cm neben einen Kerzenleuchter stellte. Diese Art der Kerzenschirme wurde vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jh. im Odenwald und in Offenbach hergestellt. Durch Stilvergleiche gilt es als gesichert, dass der Standschirm auf mit der Darstellung eines Hirschrudels im Wald, von dem in Michelstadt im Odenwald beheimateten Elfenbeinbildhauer Friedrich Hartmann (1833–1898) geschnitzt wurde:


Die Gesamthöhe: 38 cm,


die Diaphanschnitzerei: 20 cm


Neben Wilddarstellungen sind bei den aus Deutschland stammenden Standschirmen vor allem sakrale Sujets, aber auch Hirtenmotive, etwa im Zusammenhang mit dem Almabtrieb sowie Genreszenen und Darstellungen romantischer Liebespaare zu finden. Bei der zweiten Ausführung, dem „Hängeschirm“, ist am oberen Rand der Diaphanschnitzerei eine Öse angebracht, um damit an einem eigenen Ständer oder direkt an den dafür vorgesehenen Ausleger des Kerzenleuchters gehängt zu werden. Die Hängeschirme sind im allgemeinen älter und entstanden in der 2. Hälfte des 18. Jh. in Dieppe. Dargestellt sind auf den französischen Schirmen neben religiösen Motiven zumeist von Rocaillen umrahmte Schäferszenen, Liebespaare und Putti. (Bibl., W. R. JOHNSTON, 1985, S. 297) Die Umrahmung dieser mit Aufhängeösen versehenen Diaphanbilder wurde in Mosaïque-Technik hergestellt.

Gut erhaltene Kerzenschirme sind selten. Während die Standschirme ihrer Kopflastigkeit wegen leicht umfallen, sind die Hängeschirme durch Herunterfallen und wegen der Zerbrechlichkeit der Durchbruchsschnitzerei gefährdet. Zerstört wurden Kerzenschirme auch durch Spannungsrisse, wenn sie der heißen Flamme zu nahe kamen. Unvergleichlich häufiger als elfenbeinerne Exemplare sind aus Porzellan gefertigte Kerzenschirme. Allein in der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Berlin (KPM) wurden von 1828 bis 1865 die große Anzahl von 580 verschiedenen Ausführungen hergestellt. Die Halterungen der transparenten Porzellanbilder bestanden zumeist aus Holz oder aus Gusseisen. Auf die Erzeugung gusseiserner Ständer spezialisiert waren u. a. Gießereien in Berlin und Gleiwitz. (Bibl., W. SCHMIDT, 2/1984, S. 46-49).

Im Art nouveau waren kleine elfenbeinerne Diaphanschnitzereien auch bei Schmuckstücken gebräuchlich; beispielsweise arbeitete man in dieser Technik im Atelier von R. Lalique. Während Kerzenschirme im allgemeinen aus dem elfenbeinfarbenen Milchbein geschnitzt wurden, verwendete man für die in Broschen und Anhängern gefassten Diaphanschnitzereien oft sehr weißes Glasbein. Es wurden dabei zumeist Frauenantlitze oder ganze Frauenfiguren im Material etwas stärker belassen, die Umgebung dagegen als sehr dünnes Flachrelief geschnitzt, so dass der bei dem Schmuckstück farbig ausgeführte Untergrund durch die transparenten Stellen des Glasbeins scheint, während die Frauendarstellung weiß bleibt und einen reizvollen Kontrast bildet.



<<
Anatomiemodelle>>


Aktuelle Objekte:

Ingo Nussbaumer >

Litho Wien C... >



Aktuelle Objekte:

WACKER, Rudo... >

Online-Schmu... >