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Künstler oder Kunsthandwerker
Noch im 19. Jh. wurde der Ausdruck Kunsthandwerk in vielen Lexika nicht erläutert, sondern auf Kunstgewerbe verwiesen. Diesen Begriff findet man dann insofern definiert, dass die Erzeugnisse des Kunstgewerbes für einen praktischen Zweck bestimmt sind, deren Formen jedoch durch den Künstler so veredelt sein können, dass sie zugleich ein Kunstwerk sind.
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jh. wird nun versucht, Objekte, deren Herstellung schwierig ist, d. h. eine umfassende Ausbildung und großes (handwerkliches) Geschick erfordert, abwertend als kunsthandwerklich und den Hersteller solcher Objekte als Kunsthandwerker zu bezeichnen, und zwar auch dann, wenn es sich nicht um Gebrauchsgegenstände handelt. Begründet wird dies zumeist damit, dass der jeweilige Kunstschaffende das Objekt wahrscheinlich nicht selbst entworfen habe, oder dass das Objekt mehrmals hergestellt wurde. Im Gegensatz zu unserer heutigen Kunstauffassung war dies früher aber durchaus üblich.
Dem Entwurf selbst wurde keine große Bedeutung beigemessen. Speziell Bildhauer verwendeten häufig bekannte Werke bzw. Holzschnitte und Kupferstiche davon als Vorlage, um gebildeten potentiellen Käufern ein „Aha-Erlebnis“ zu bieten, d. h. ihnen Gelegenheit zu geben, ihr Wissen unter Beweis zu stellen, „aha, das ist doch nach einem Werk von …“. Das bedeutet aber nicht, dass die Künstler keine eigenen Ideen für Entwürfe gehabt hätten; man hat bewusst bestehende Motive verwendet. Auch das Kopieren eines hervorragenden Kunstobjektes galt früher als Kunst.
Bis gegen das zweite Drittel des 19. Jh. war allein das Resultat entscheidend und nicht die Eigenständigkeit, das Originäre und die Authentizität des Entwurfes. Da es sich früher zumeist um Auftragsarbeiten handelte, war es Interessenten oft auch möglich, unter Vorlagen auszuwählen und sich für ein Motiv zu entscheiden. In vielen Museen gibt es gleiche oder nur wenig voneinander abweichende Kunstwerke, die auf diese Weise entstanden sind und die entweder von demselben Künstler Replik Fassung) oder auch von einem anderen Bildhauer oder Maler stammen Kopie). Wer beispielsweise 1998 im Kunsthistorischen Museum in Wien die Breughel-Ausstellung gesehen hat, wird sich erinnern, dass bei etlichen Bildern fast völlig gleiche Ausführungen zu sehen waren.
Es hat weiters eigene Entwerfer gegeben, Visierer genannt, die den Angaben des Auftraggebers entsprechend eine Entwurfszeichnung (Visierung) hergestellt haben. Nach dieser Vorlage hat dann ein auf dem jeweiligen Gebiet bewanderter Künstler (Maler oder Bildhauer) das Kunstobjekt gestaltet. Der Entwurf stammte somit nicht von dem ausführenden Künstler. Es ist deshalb töricht und falsch, heute ausschlaggebende Kriterien auf Kunstwerke aus früherer Zeit anzuwenden, als diese Maßstäbe noch nicht gebräuchlich waren. Auch Elfenbeinschnitzer werden dadurch oft rufschädigend als Kunsthandwerker bezeichnet.
Viele der so abqualifizierten Künstler hatten aber wahrscheinlich mehr Talent, Kunstverständnis und vor allem Können als so mancher moderne Künstler. Diese Meinung haben zwar viele, kaum jemand getraut sich jedoch das auch auszusprechen, um nicht als „zurückgeblieben“ zu gelten. Früher mussten Künstler ihr Können beweisen, um als Künstler oder Meister anerkannt zu werden, und arbeiteten oft viele Monate an einem einzigen Werk. Heute genügt es, ohne jeglichen künstlerischen Aufwand, als Minimal Art, Arte povera, Ready-made, Objet trouvé oder Schüttbild etc. in Minutenschnelle „Kunstwerke“ zu produzieren. Dabei wird die Akzeptanz dieser Art von Kunst nicht mehr von den Objekten, sondern nur mehr von deren Vermarktung beeinflusst.
Bei dem Großteil der alten (Elfenbein-)Kunstwerke ist der Künstler unbekannt. Der Wert entspricht dem Objekt selbst und wird nicht durch den Künstlernamen bestimmt, was sicher eine gute Basis darstellt. Bei dieser Art von Kunst ist man gezwungen, sich selbst ein Urteil zu bilden und wird nicht beeinflusst von dem heute so üblichen Markenartikel-Denken, d. h. von gemanagten Namen und von publikumwirksamen „Aktionen“.
Je weniger Talent und Können so manche moderne Kunstwerke zum Ausdruck bringen, d. h. je nichtssagender sie sind, desto wortreicher und überschwänglicher sind die Erklärungen, die solche Machwerke zu Kunstwerken hochstilisieren, und desto imposanter sind auch die Aktionen und „Events“, die medienwirksam so manche Geschmacklosigkeiten in Szene setzen. Wirkliche Meister ihres Faches, wie Ernst Fuchs und Arik Brauer, um nur zwei von vielen zu nennen, haben solche Aktionen nicht nötig. Ihre Werke sprechen auch ohne Signatur für sich selbst. Und es ist interessant, dass solche überragenden Künstler die modernen Interpretationen von Kunst nicht akzeptieren, sondern nach wie vor die Meinung vertreten, dass alles das, was jeder machen kann, eben keine Kunst ist.
Kopiert wurde übrigens auch im 20. Jh. Um seine Bewunderung auszudrücken, kopierte beispielsweise Vincent van Gogh ein Bild von Gauguin. Durch alte Berichte über arme Künstler und Preisangaben von Massenerzeugnissen, wie beispielsweise den „Geislinger Waren“, entsteht bei manchen der Eindruck, dass die Kunstschaffenden früher alle am Hungertuch nagten, was nicht stimmt. Von Leonhard Kern ist z. B. bekannt, dass er durch den Verkauf der von ihm und seinen Mitarbeitern geschaffenen Figuren, den Wandungen für Elfenbeinhumpen etc. sehr vermögend wurde und viele Neider hatte.
Die Preise, die Kurfürst Maximilian III. Josef dem Bildhauer Simon Troger für seine Holz-Elfenbein-Kombinationsfiguren bezahlte, sind durchaus als fürstlich anzusehen und die Rolle Goldstücke, die Louis-Charles-Vincent Belletête von Napoleon für ein aus Elfenbein geschnitztes Schiff erhielt, war eine imperiale Bezahlung. Wieviel Sebastian Hess vom Kaiserhof in Wien für die drei in der Maria-Theresien-Brosche gefassten Mikroschnitzereien erhielt, ist nicht bekannt. Überliefert ist nur, dass eine Adelsfamilie dem Leibarzt Maria Theresias für das Kleinod in England soviel bezahlte, dass man dafür hätte ein kleines Schloss kaufen können.
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