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Miniaturschnitzereien

Naturalistisch ausgeführte (vielfigurige) Reliefs, deren Gesamtausmaß nicht größer als 5–7 cm ist sowie stark verkleinerte vollplastische Gestaltungen werden Miniaturschnitzereien genannt. Die Darstellungen sind en miniatur, also klein, im einzelnen aber nicht so mikroskopisch fein ausgeführt wie bei den Mikroarbeiten, die den Superlativ kleinteiliger Schnitzkunst bilden. Während sich der Ausdruck Miniaturschnitzerei auf das Gesamtausmaß eines Werkes bezieht, betrifft der Terminus Mikroschnitzerei die Herstellungstechnik. Das Gesamtausmaß eines in Mikrotechnik gestalteten Bildes ist im all-gemeinen zwar auch klein, es kann aber auch zwei oder dreimal so groß sein wie eine übliche Miniatur.

Miniaturschnitzereien haben meist kein Abdeckglas, das bei Mikroschnitzereien zum Schutz der nur winzige Bruchteile eines Millimeters messenden Details unerlässlich ist. Die ersten elfenbeinernen Miniaturschnitzereien stammen aus der Gotik. Es handelt sich bei ihnen nahezu ausschließlich um sakrale Gestaltungen, die den Charakter von Devotionalien bzw. von Amuletten haben und dementsprechend oft als Anhänger ausgebildet sind. Die Menschen erhofften sich durch das Mitführen kleiner geschnitzter Reliefs, mit Darstellungen von Heiligen, von Maria mit dem Jesuskind oder von der Passion Christi, auf das Geschick Einfluss nehmen und so Unheil abwenden zu können.

Sie sind zumeist in Form kleiner Täfelchen sowie als Diptychen und Triptychen erhalten. Viele dieser frühen Schnitzarbeiten weisen eine Polychromierung auf, d. h. sie sind vielfarbig bemalt und oft zum Teil mit Muschelgold vergoldet. Auch bei den aus dem Besitz orthodoxer Bischöfe stammenden Marienmedaillons, die als Panagia bezeichnet werden, gibt es Miniaturschnitzereien aus Elfenbein. Drei besonders schöne Exemplare aus dem 17. Jh., die ursprünglich vermutlich in Rahmungen aus Edelmetall gefasst waren, befinden sich in der Walters Art Gallery in Baltimore. (Bibl., R. H. RANDALL jr., 1985, S. 133).

Gebetsnuss, Anfang 16. Jh., Buchsbaumholz, Ø 5,8 cm, Kunsthistorisches Museum, Wien
Gebetsnuss, Anfang 16. Jh., Buchsbaumholz, Ø 5,8 cm, Kunsthistorisches Museum, Wien
Zu den bekanntesten Miniaturschnitzereien zählen die besonders in der Renaissance gebräuchlichen sogenannten Gebetsnüsse die für spätere Schnitzereien Vorbildwirkung hatten.

Sie sind im allgemeinen aus hartem Buchsbaum oder Obstholz geschnitzt; ihre Blütezeit war vom Ende des 15. Jh. bis etwa 1530. Bei einer solchen Gebets- oder Betnuss handelt es sich um eine ca. 5 cm große nuss- oder apfelförmige, mit einem Stabscharnier versehene Kapsel, die an den Innenseiten für gewöhnlich Teile eines Gebetes als geschnitzte Umschrift sowie plastische Miniaturschnitzereien aufweist. Bei den Darstellungen handelt es sich zumeist um Begebenheiten aus dem Alten oder dem Neuen Testament, um Szenen

aus dem Leben Christi bzw. Marias oder um die Wiedergabe von Heiligenlegenden. (Bibl., J. MENZHAUSEN, 1977, Abb. 67, 68).

Ähnliche, als aufklappbare Kugeln ausgeführte Exemplare aus Elfenbein mit Darstellungen der Anbetung des Jesuskindes oder mit profanen Gestaltungen im Inneren, sind im allgemeinen Erzeugnisse des 19./20. Jh. Vom 16.–18. Jh. wurden auch im Gesamtausmaß kleine Miniaturschnitzereien aus Bein, Elfenbein oder Holz hergestellt, als sogenannte Eingerichte in nur ca. 2 cm großen Nussschalen.

Solche Schnitzereien sollen vorwiegend aus (Ober-)Ammergau und Berchtesgaden stammen. Während in Berchtesgaden für gewöhnlich Bein oder Elfenbein als Schnitzmaterial dienten, wurde im Ammergau zumeist Holz verwendet. Der Theologe Andreas Althamer berichtet in seiner 1520 erschienenen Historie über das Kloster Ettal u. a. auch von Ammergau und schreibt: „Diesen Ort erwähne ich um so lieber, da derselbe sinnreiche und geschickte Leute zu Bewohnern hat, die im Schnitzen kleiner Bildwerke außerordentlich geübt sind, so dass sie in eine Nussschale die Geschichte des Leidens Christi derart fein und künstlerisch hineinschnitzen, wie man es in Deutschland oder in ganz Europa kaum finden wird.“ (Bibl., FINAUER, 1767, 1. Band, S. 175).

Alte Miniaturschnitzereien aus Elfenbein gibt es auch als Anhänger bei Beten (Rosenkränzen); sie sind manchmal als Duftbehälter ausgebildet. Auf Grund der Annahme, dass die Pest durch „üble Gerüche“ entstehe, erfreuten sich solche Pomander großer Beliebtheit, da man durch Riechen an den in den Duftkapseln befindlichen Essenzen schlechten Gerüchen und damit dem Pesthauch entgegenwirkte. Bei den vornehmlich im 18. Jh. in Frankreich als runde Flachreliefs hergestellten Durchbruchsschnitzereien, die mit farbigen Metallfolien unterlegt sind und als Zierde von Dosendeckeln dienen, handelt es sich meistens um Miniaturschnitzereien, obwohl sie zu ihrem Schutz für gewöhnlich ein Abdeckglas aufweisen, wie Mikroschnitzereien.

Exemplare mit mikroskopisch fein gestalteten Details, die nur winzige Bruchteile eines Millimeters messen, sind selten und sollten als Mikroschnitzereien bezeichnet werden. Manchmal zu den Miniaturschnitzereien und manchmal zu den Mikroschnitzereien gezählt werden die Werke des italienischen Bildhauers Giuseppe Maria Bonzanigo, siehe auch unter Mikroschnitzer. Ein spezielles Gebiet der Miniaturschnitzerei stellen die in der 2. Hälfte des 19. Jh. entstandenen Schmuckstücke aus Elfenbein dar, wofür vor allem die Städte Erbach und Michelstadt im Odenwald bekannt waren, siehe unter Erbacher Drechsler und Elfenbeinschnitzer.

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