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Prähistorische Zeit

Nach Ansicht der Forscher repräsentieren diese frühen bildhauerischen Arbeiten das Bestreben der Steinzeitjäger, ihre primären Bedürfnisse zu artikulieren und mit den unfassbaren Naturkräften durch transzendentale Riten, wie etwa magische Analogiehandlungen, in Verbindung zu treten, um die Nachkommenschaft zu sichern und das Jagdglück günstig zu beeinflussen. Es sind sowohl Darstellungen von Frauen als auch solche von Tieren erhalten. Bei den Tiergestaltungen handelt es sich meist um flache Objekte mit eingeritzten Zeichnungen. Man findet aber auch Reliefs mit silhouettierten, d. h. entlang ihrer äußeren Konturen ausgeschnittenen Tierdarstellungen. Wiedergegeben sind fast ausschließlich jagdbare Tiere. Zu den Ausnahmen zählt ein kleines silhouettiertes Hochrelief, das in der Vogelherd-Höhle gefunden wurde und den Kopf eines Höhlenlöwen darstellt. Das heute im Besitz des Württembergischen Landesmuseums in Stuttgart befindliche Relief ist 3 cm lang, 2 cm hoch und etwa 0,5 cm dick. Erstaunlich ist, wie gekonnt die wesentlichen Merkmale des gefährlichen Raubtieres wiedergegeben sind. (Bibl., P. F. MAUSER, 1973, S. 7-10).

Die „Vogelherd-Figuren“ aus der jüngeren Altsteinzeit (Jungpaläolithikum, ca. 50.000- 10.000 v. Chr.) gelten als die ältesten von Menschenhand geschaffenen Tierplastiken. Ihr mit Hilfe der Radiokarbonmethode ermitteltes Alter wird mit mehr als 30.000 Jahren angegeben. Die meisten steinzeitlichen Tierdarstellungen stammen aus dem Magdalénien (ca. 15.000 bis ca. 9.000 v. Chr.). Den Namen erhielt die jungpaläolithische Kulturstufe von dem Fundort Abri de la Madeleinein der südfranzösischen Gemeinde Tursac, Dordogne, wo neben Fettlampen, schmalen Silex-Klingen, als „Federmesser“ bezeichnete asymmetrische Klingen und anderen Gebrauchsgegenständen besonders schöne und gut erhaltene silhouettierte Reliefdarstellungen von Tieren gefunden wurden, mit dem französischen Fachausdruck als Contours découpés bezeichnet. Wegen der großen Bedeutung des Rens für die damals lebenden Menschen heißt das Magdalénien auch Rentierzeit. (Bibl., H. KÜHN, 1966, S. 26).

Bekannte prähistorische Schnitzarbeiten befinden sich im Musée des Antiquités Nationales, Saint-Germain-en-Laye, u. a. das 7,5 x 4,8 cm große sogenannte „cheval de Lourdes“ (Pferd von Lourdes) und ein beim Wiehern dargestellter Pferdekopf aus Mas d’Azil/Süd-frankreich. Die heute meist als Venus- oder Idolfiguren bezeichneten Frauendarstellungen sind im allgemeinen als Vollplastik gestaltet und zum Unterschied von den meist sehr naturalistischen Tierdarstellungen für gewöhnlich auf das Wesentliche reduziert, oft sogar bis auf die Geschlechtsmerkmale stilisiert. Ihre Beckengegend weist bisweilen mehrere Ausbuchtungen auf, die als Mehrfachschwangerschaften gedeutet werden. Eine der bekanntesten elfenbeinernen Skulpturen dieser Urmutter ist 14 cm hoch und befindet sich im Musée de l’homme in Paris. Man nimmt an, dass solche Figuren bei Kulthandlungen eine Rolle gespielt haben.

Da Mond und Frau dem gleichen 28-Tage-Zyklus unterworfen sind, dürften Fruchtbarkeitsriten und Huldigung der Mondgöttin in engem Zusammenhang gestanden sein. Zumeist werden die kleinen Plastiken als Schutzgöttinnen für Haus, Herd und Familie angesehen.

"Dame de Brassempouy", 3,5 cm hoher Frauenkopf aus
Mammut-Elfenbein, Musée des Antiquités Nationales,
Saint-Germainen-Laye
"Dame de Brassempouy", 3,5 cm hoher Frauenkopf aus Mammut-Elfenbein, Musée des Antiquités Nationales, Saint-Germainen-Laye

Zu den am häufigsten genannten Schnitzarbeiten aus der Altsteinzeit zählt der aus der Höhle du Pape bei Brassem-pouy stammende Kopf der „Dame de Brassempouy“. Der aus Mammutzahn geschnitzte 3,5 cm große Frauenkopf gehörte möglicherweise zu einer kleinplastischen Idolfigur. Entgegen den zumeist summarisch ausgeführten Gestaltungen ist bei diesem Frauenantlitz gut vorstellbar, wie die steinzeitliche Schöne ausgesehen hat. Das Gesicht mit der ausgeprägten Augenbogen-Jochbein-Partie wird gegen das Kinn zu sehr schmal, die Nase mit geradem Nasenrücken ist mittelgroß und der Hals lang und schlank. Die bis zu den Schultern reichende kapuzenartige Kopfbedeckung ist durch ein schachbrettartiges Muster geprägt, das durch längs- und querverlaufende Einschnitte gebildet wird. Die fast porträthaften Züge aus dem harten Stoßzahnmaterial mit den einfachen Werkzeugen zu formen, setzt Geschick und bildnerisches Talent voraus.

Ausgestellt ist das Elfenbeinköpfchen im Musée des Antiquités Nationales, Saint-Germain-en-Laye. (Bibl., E. v. PHILIPPOVICH, 1982, Abb. 12) Von den mehr stilisiert ausgeführten Frauenfiguren, die von eiszeitlichen Jägern stammen, wurden viele in der Siedlung Malta an der Angara (Zufluss des Baikalsees) in Südsibirien gefunden. (Bibl., R. DRÖSSLER, 1980, S. 37) Warum das harte und mit den einfachen Steinwerkzeugen mehr als schwierig zu bearbeitende Elfenbein für die Kultfiguren verwendet wurde, hängt vielleicht gerade mit der Härte des Werkstoffes zusammen und damit, dass dieser nahezu unzerstörbar ist.

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