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Elfenbeinsurrogate
Speziell im Art déco war Bakelit ein beliebter Elfenbeinersatz
Der wichtigste Ersatzstoff für Elfenbein ist bei Intarsien und kleinen figürlichen Schnitzereien seit alters das Bein, d. h. Knochenmaterial. Selbst die Schnitzer der Elfenbeinstadt Dieppe verwendeten Pferde- und Rinderknochen in großem Umfang zur Herstellung preiswerter Christus- und Heiligenfiguren. Im 19. Jh. wurden kleine Objekte auch aus „Elfenbeinnüssen“ gefertigt.
Vor allem im 19. Jh. verwendeten Maler, insbesondere die Miniaturenmaler, einen als Elfenbeinpapier bezeichneten Ersatzstoff als Bildträger. Er besteht aus mehreren zusammengeleimten Lagen Papier, die mit einer dünnen, in Leimwasser angerührten Gipsschicht mehrmals überzogen und jeweils nach dem Trocknen geschliffen werden. Ein auf diese Weise hergestellter Bildträger ist nicht nur wesentlich billiger als Elfenbein, er kann auch im Ausmaß größer angefertigt werden als aus dem durch den Durchmesser des Stoßzahnes limitierten Elfenbein.
Gebräuchlich war im 19. Jh. weiters sogenannte Elfenbeinmasse, die aus einer in Paraffin getränkten Leim-Kreide oder Leim-Gips-Mischung besteht und insbesondere bei den Eingerichten in Form gegossener Figürchen Verwendung fand. Speziell im Art déco war Bakelit ein beliebter Elfenbeinersatz. Bei dem 1907 von dem belgischen Chemiker Baekeland entwickelten und patentierten Phenol-Formaldehydharz handelt es sich um den ersten vollsynthetischen Kunststoff. In farblich angepasster Form diente Bakelit u. a. als Ersatz für Schmucksteine und Bernstein sowie unter der Bezeichnung „Ivorine“ auch als Elfenbeinsurrogat; es ist allerdings wesentlich leichter als Elfenbein.
Manchmal sieht man bei Objekten aus Bakelit durch eine glühende Nadel hervorgerufene Schäden, da die Phenol- oder Kunstharze bei starker Hitzeeinwirkung schmelzen, und mittels einer glühend gemachten Nadel überprüft wurde, ob es sich um eine nachgeahmte Elfenbeinschnitzerei oder um ein Bakelit-Erzeugnis handelt. (Bei der Reinigung von Ivorine ist Vorsicht geboten, da Bakelit in Alkohol und Spiritus löslich ist.) Seit den 1980er Jahren gibt es Kunststoffe, die sich weder durch ihr Aussehen noch durch die haptischen Eigenschaften, das Gewicht oder ihr Verhalten gegenüber Hitze (Nadelprobe) vom Elfenbein unterscheiden.
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 Zur Gänze aus Kunststoff gegossene Fälschung einer Elfenbein-Bronze-Kombinationsfigur. Höhe ohne Sockel 30 cm. |
Eine ohne den Steinsockel 30 cm hohe Plastik, die zur Gänze aus Kunststoff besteht. Im Aussehen entspricht sie einer von D. H. Chiparus entworfenen Kombinationsfigur, die in der Literatur unter der Bezeichnung "Schritte" (footsteps) Erwähnung findet. (Bibl., B. CATLEY, Art 1987, S. 99)
Frappierend ist, dass auch die bei den Originalfiguren aus Metall gegossene Kleidung aus Kunststoff besteht. Die nun fehlenden Hände waren aus Elfenbein (mit gut sichtbarer Maserung) geschnitzt, damit man annehmen soll, dass auch die anderen Teile aus Elfenbein bestehen. Die bei echten Chiparus-Figuren aus Metall gegossene Kleidung wurde mittels Galvanotechnik mit einer dünnen Metallschicht überzogen, wodurch die Täuschung perfekt ist.
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