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Senger (Sengher, Sänger), Philipp (Filippo)

Deutscher Kunstdrechsler. Obwohl er nicht in den von Doppelmayr stammenden Historischen Nachrichten von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlern aufscheint, wird er aufgrund seines Stils zumeist als Nürnberger Meister bezeichnet, so z. B. von Philippovich.
Da die Signatur auf einem im Museo degli argenti im Palazzo Pitti in Florenz aufbewahrten Vitrinenstück „FIL. SENGER.TORNITORE.DI.SAS“ lautet, liegt die Vermutung nahe, dass Senger aus Sachsen stammte, weil „DI SAS“ mit großer Wahrscheinlichkeit „di Sassonia“ (aus Sachsen) bedeutet.

Zumeist wird angegeben, dass der Kunstdrechsler, von Kopenhagen kommend, von 1681–1694 in Florenz am Hofe Cosimos III. tätig war. Im Staatlichen Archiv von Florenz befindliche Dokumente belegen, dass der „tornitore“ wie er sich selbst bezeichnete, bereits 1675 in Florenz weilte. Senger findet als „deutscher, für seine Hoheit Cosimo III. tätiger Drechsler“ Erwähnung, und es wird von einer am 30. 5. 1675 erfolgten Zuweisung zweier Stoßzähne berichtet. In einer Eintragung vom 23. 10. 1681 findet man Senger im Zusammenhang mit der Aushändigung von „legno violetta“ (Veilchenholz) angeführt, aus dem Leonardo van der Vim ein „Salterio“ (Musikinstrument) für Prinz Ferdinand, den Sohn Großherzog Cosimos, anfertigte.

Ein Jahr später erhielt er Geld zur Entlohnung Leonardo van der Vims, was zum Ausdruck bringt, dass Senger neben seiner Tätigkeit als Kunstdrechsler eine Vertrauensstellung hatte und in dieser Funktion Auszahlungen an Künstler und Kunsthandwerker, die für den Hof tätig waren, vornahm. Dafür spricht auch ein Vermerk vom Juli 1683, in dem Senger als dem persönlichen Stab Cosimos III. zugehörig bezeichnet wird. Vom 30. 4. 1685 stammt ein Dekret betreffend die formale Einsetzung des Drechslers Filippo Senger in die Dienste des Prinzen Ferdinand, mit einem Monatsgehalt von 10 scudi.

Bekannt ist, dass er den Prinzen in der Drechseltechnik unterrichtet und diesem 1693 ein eigenes Drechselkabinett eingerichtet hatte. Im Victoria & Albert Museum in London ist ein gedrechselter Elfenbeinpokal zu sehen, der von Prinz Ferdinand de Medici signiert und mit 1681 datiert ist. Ab 29. 2. 1686 wurde Senger ein Drechsler als Gehilfe gewährt. In diesem Zusammenhang scheint der Name Giuseppe Bozzotti auf, für dessen Unterbringung und Verpflegung in seinem Haushalt Senger 35 Lire verrechnen durfte. 1687 wurden ihm vom Großherzog verschiedene Möbelstücke zur Verfügung gestellt, u. a. drei Betten, Tische und Sessel etc. sowie Gebrauchsgegenstände für die Küche. Es ist wahrscheinlich, dass Senger durch sein Naheverhältnis zum Hof in einem Gesindetrakt des Palastes wohnte. Er wird als treuer Diener des Prinzen bezeichnet, kaufte für diesen Bilder sowie Uhren und „mathematische Instrumente“ etc. ein und begleitete ihn auf seinen Reisen.

Aufzeichnungen zufolge war er ab 1690 auch an der Organisation der für den Prinzen und dessen Gesellschaft auf dem Landsitz in Pratolino veranstalteten Theater- und Opernaufführungen maßgeblich beteiligt. Senger hatte vermutlich einen Sohn, denn am 28. 3. 1700 präsentierte ein Ferdinando Maria Senger im Namen Sengers eine zu bezahlende Rechnung. Am 12. 1. 1704 wurde das Konto Sengers abgerechnet und der Betrag von „Ducati Dugento Novanta Uno“ einem gleichfalls im Hofdienst stehenden gewissen Orazio Mancini ausgehändigt. Warum Senger das Geld nicht selbst übernahm, ist nicht überliefert; möglicherweise war er bereits tot. (Bibl., K. ASCHENGREEN PIACENTI, 1963, S. 278).

Bekannt von den auf der Drehbank hergestellten Objekten Sengers ist ein in Florenz im Museo degli argenti im Palazzo Pitti befindliches Exponat, von dem es heißt, dass es aus einem Stück Elfenbein gefertigt wurde. Es besteht aus zwei hochovalen, mit einer großgliedrigen Kette verbundenen 13,3 x 12,7 cm großen Medaillons. Auf der Vorderseite des einen Ovals ist als kunstgedrehtes Relief ein Porträt Cosimos III. im Profil nach links zu sehen. Die Umschrift und die Zierrahmung sind gleichfalls auf der Drehbank hergestellt. Rückseitig befindet sich die Signatur Sengers. Auf dem zweiten Medaillon ist das Monogramm des Herrschers in kunstgedrehter Manier ausgeführt. (Bibl., E. v. PHILIPPOVICH, 1982, Abb. 365).

Im gleichen Museum entdeckte K. Aschengreen Piacenti zwei in komplizierter Weise gedrechselte „Vasen“, die Sengers Signatur aufweisen. (Bibl., K. ASCHENGREEN PIA-CENTI, 1963, Abb. 7-10). Die Objekte sind mit Hinweis auf den Künstler im Inventar von 1769 unter den Nummern 547 und 630 genau beschrieben. Bei einem der Vitrinenstücke ist die in kunstgedrehter Manier ausgeführte Signatur „FIL. SENGER. TORNITORE. DI. SAS“ innerhalb eines nur 2 cm großen Medaillons auf der Unterseite des Standfußes angebracht. Das andere Schaustück ist an der Deckelinnenseite signiert. Am Standfuß befindet sich bodenseitig ein kunstgedrehtes Medaillon mit 4 cm Durchmesser, auf dem eine Jagdszene dargestellt ist. Ein Jäger steht hinter einem Baum und legt mit dem Gewehr auf einen flüchtenden Hirsch an, der von zwei Hunden gehetzt wird.

Zwei von Senger stammende Pokale wurden von Cosimo III. verschenkt und gelangten in das Museo Cospiano, Bologna. In dem Museumskatalog wird darauf hingewiesen, dass Senger als Vorbild für seine Objekte bisweilen Werke des Kunstdrechslers Johann Eisenberg verwendete, die zu seiner Zeit bereits in der Medici-Sammlung waren. (LEGATI, Museo Cospiano, Bologna 1977, S. 293) Die beiden Pokale wurden später von dem Museo Cospiano in das Museo Civico in Bologna überstellt. Besonders bekannt von den Werken Sengers ist ein im Victoria & Albert Museum in London ausgestellter gedrechselter Pokal, dessen Standfuß an der Unterseite folgende Beschriftung aufweist: „FIL.SENGER.TORN.DEL.S.G.D.DI.TOSCANA. INVENT.“ (entworfen von Philipp Senger, Drechsler seiner Durchlaucht, des Großherzogs von Toskana). Eine Beschriftung an der Innenseite des Deckels weist darauf hin, dass auch die als Schaft fungierende Figur gedrechselt ist, „anche la figura fatta al torno“; üblicherweise sind solche Figuren geschnitzt.

Im Museum für Kunsthandwerk in Frankfurt befindet sich eine runde Dose, deren Wandung mit einer kunstgedrehten Darstellung der Flucht nach Ägypten versehen ist. Auch die Aufschrift „I H S“ am Deckel und der am Boden befindliche geschwärzte vielzackige Stern sowie die Umschrift: „INVENT:FIL:SENGER,TORN:DEL.S.G.D.D.TOSKA NA“ sind auf der Drehbank hergestellt. (E. v. PHILIPPO-VICH, Elfenbein, München 1982, Abb. 359) In der gleichen Sammlung ist ein von Prinz Ferdinand di Medici gedrechselter Pokal ausgestellt, der, wie gesagt, ein Schüler Sengers war. Das Schloss Rosenborg besitzt eine runde Dose mit reliefgedrehter Seitenwandung. Am Dosendeckel befindet sich ein gleichfalls auf der Drehbank hergestelltes Porträtrelief einer Dame mit Lorbeerkranz und Perlenkette, im Profil nach links. Die Dose wird Martin Christoph Täuber zugeschrieben, laut Philippovich könnte es sich aber auch um eine Arbeit Sengers handeln. (Bibl., E. v. PHILIPPOVICH, 1982, Abb. 360, 360 a).

<<Plumier, Charles
Seyler>>


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