Stücksuche:
Bitte mind. 2 Zeichen eingeben. Weitere Suchmöglichkeiten »

Zeller, Jakob (Jacobus)

Geb. 1581; gest. 1620. In Regensburg geborener und in Dresden aufgewachsener Drechsler und Elfenbeinschnitzer. Pankraz Zeller, sein Vater, war nachweislich bereits 1583 in Dresden als Kunstdrechsler tätig. Jakob Zeller soll von 1610 bis zu seinem Tod am kurfürstlichen Hof in Dresden bedienstet gewesen sein. Da zu der Zeit vor allem kunstgedrechselte Arbeiten geschätzt waren, betätigte sich Zeller vor allem als Drechsler. Seiner Neigung und seinem bildhauerischen Können entsprechend kombinierte er aber für gewöhnlich seine auf dem „Drehwergk“ hergestellten Schaustücke mit geschnitzten Teilen. Im Kunstkammerinventar werden 23 Arbeiten von ihm erwähnt. Die bekannteste davon ist ein in den Dresdener.Sammlungen ausgestellter, über einen Meter hoher Tafelaufsatz.

Dargestellt sind Meeresrosse, die sich aus fischreichen Fluten heben und einen Muschelwagen ziehen, in dem Neptun, der Gott des Meeres, ein Schiff über seinen Kopf haltend, auf einer geflügelten Kugel reitet. Von einem Tritonen wird folgende Inschrift präsentiert: „Jacobus Zeller C. S. bestalter Kunstdresdler fecit et inventavit 1620“. Mit „inventavit“ weist Zeller ausdrücklich darauf hin, dass die Kreation von ihm auch erfunden, d. h. entworfen wurde. An dem ungemein dynamisch wirkenden Sockelteil ist die Neigung des Künstlers für „bewegte“ Gestaltungen zu erkennen. Den Tafelaufsatz stellte Zeller knapp vor seinem Tode fertig und machte ihn dem Fürstenpaar zum Geschenk. Eines der elfenbeinernen Hauptsegel diente dem Künstler dazu, um das Wappen des Kurfürsten Johann Georg I. sowie das dessen Gemahlin als Relief herauszuarbeiten. Am Schiffsrumpf findet man in erhöhter Schrift die Namen und Regierungszeiten aller Sachsenherrscher eingeschnitten, von Widukind bis zu dem regierenden Kurfürsten (Bibl., J. MENZHAUSEN, 1977, T. 56-58).

Zugeschrieben wird ihm weiters ein im Grünen Gewölbe in Dresden aufbewahrter in Miniaturschnitzerei ausgeführter Anhänger mit einem Bildnis des Kurfürsten Johann Georg I., der an einer aus einem Stück Elfenbein gedrechselten Kette hängt. (Bibl., J. MENZ-HAUSEN, 1977, Abb. 66) In den Dresdener Sammlungen befinden sich noch zwei bekannte Werke des Künstlers, und zwar ein 51 cm hoher Pokal und ein 30,5 cm hohes Schaustück mit Contrefaitkugel. Als Abschluss des Pokals dient eine geschnitzte Elfenbeingruppe, den hl. Georg im Kampf mit dem Drachen darstellend. Auf diese Bekrönung nimmt folgende auf dem Deckel des Pokals befindliche kunstgedrehte Inschrift Bezug: „ceu drako devictus manibus gladioque Georgi, sic satanam fudit victor jesus humi“. (Wie der Drache durch die Hände und das Schwert Georgs besiegt wurde, so hat Jesus, der Sieger, Satan auf Erden geschlagen.) Der die Bekrönung aufnehmende Oberteil des Deckels wird durch eine Ajourarbeit gebildet, an deren Ecken vollrund geschnitzte Delphine als tragende Elemente angesetzt sind. Der Schaft des Pokals ist geschnitzt und besteht aus einem Baumstamm, der mit einem Kranz verschiedener Früchte an den Gefäßteil des Pokals anschließt und von einem ityphallischen Satyr umfangen wird. Der achtkantige Sockel ist an den Seiten gleichfalls durchbrochen ausgeführt. Als Standfüße dienen grotesk gestaltete halbfigurige Figurinen, deren Leiber volutenförmig eingerollt sind. Der Boden des Sockels ist mit: „Jacobus Zeller fecit et inv.1618“ bezeichnet. (Bibl., J. MENZHAUSEN, 1977, Tafel 59).

Die vorab erwähnte Contrefaitkugel ist auf der Bodenplatte mit „Jacob Zeller 1611“ signiert. Sie umschließt eine frei bewegliche kugelförmige Ajourarbeit, in der sich ein verschließbares Medaillon mit den Porträts und Wappen des Kurfürsten Christian II. und seiner Gemahlin befinden. Das Schaustück vermittelt einem aufmerksamen Betrachter den Eindruck vielförmiger Bewegungsdarstellung. Der Schaft, der an die in zwei Etagen gestalteten und durch eine Ajourarbeit voneinander getrennten passförmig gedrechselten Sockelplatten anschließt, besteht aus einer geschnitzten, die Hohlkugel tragenden Atlant-Figur. Die muskulöse Gestalt drückt mit dem rechten Fuß einen in die entgegengesetzte Richtung strebenden Löwen nieder, der seinerseits mit der linken Vorderpranke einen Ball hält. Die Bekrönung der Contrefaitkugel wird durch einen nackten Knaben gebildet, der auf einem Totenkopf sitzt Memento-mori-Symbol) – in Anbetracht der glatten Kugeloberfläche ebenfalls eine auf Instabilität und Bewegung weisende Art der Gestaltung. Der Knabe hält mit seiner rechten Hand ein Röhrchen zum Seifenblasen an den Mund – eine Allegorie der Vergänglichkeit. (Bibl., J. MENZHAUSEN, 1977, T. 60).

Ein von Zeller signierter und 1610 datierter Pokal, der zum Teil gedrechselt ist, wird in der Schatzkammersammlung des schwedischen Königshauses aufbewahrt. Der Schaft besteht aus der vollrund geschnitzten Darstellung der an eine Klippe geschmiedeten Andromeda. Als Bekrönung der gedeckelten Kuppa fungiert eine stilistisch noch stark vom Manierismus beeinflusste, meisterhaft geformte Gruppe, die thematisch an die das Griffstück bildende Gestaltung anschließt. Wiedergegeben ist Perseus auf geflügeltem Ross, im Kampf mit dem Meeresungeheuer. (Bibl., S. FOGELMARCK, 1982, S. 58) Das Motiv ist frei interpretiert, da Perseus der Mythologie nach nicht beritten war, sondern Flügelschuhe trug. Die Darstellung des geflügelten Pferdes (Pegasus), das der Legende nach von Bellerophon gezähmt wurde, ist aber zweifelsohne reizvoller darzustellen als geflügelte Schuhe.

<<Wrangel, Carl Gustav
Zeller, Pankraz>>


Aktuelle Objekte:

Kreuz >

Jaroslaw Bauc >



Aktuelle Objekte:

Boris Mikhailov >

"Azoren II" >