Stücksuche:
Bitte mind. 2 Zeichen eingeben. Weitere Suchmöglichkeiten »

Elfenbeinkunst in Erbach

Die Elfenbeinbearbeitung im Odenwald, mit Schwerpunkt in Erbach, geht auf die in dem Gebiet bereits früh ansässigen Bein- und Horndreher zurück. Das im Mümlingtal gelegene malerische Städtchen Erbach war vom Mittelalter bis zur Mediatisierung am 12. 7. 1806, dem Tag der Eingliederung der Grafschaft in das neue Großherzogliche Hessen, die autonome Residenz des reichsgräflichen Erbacher Landes.

Bei der Durchsicht alter Bürger- und Beisassen-Listen im Stadtarchiv von Erbach, stößt man immer wieder auf den Beruf des Drehers. Auch in dem von Graf Georg Albrecht im Jahr 1708 für einige Gewerbezweige ausgestellten Zunftbrief ist diese Berufsgruppe erfasst. Mit der später speziell für Dreher und Drechsler erlassenen Zunftordnung und den verfertigten Meisterstücken befasst sich ein Schriftstück im Stadtarchiv von Erbach, das in der Folge wiedergegeben wird. Allgemein betrachtet, regelten die Zünfte Ausbildung, Meisterrecht, Preisgebarung, Qualitätskontrolle der hergestellten Waren, das gesellschaftliche Leben, Heirat, Altersversorgung, Begräbnis Seelzünfter) und ordneten damit die soziale und wirtschaftliche Existenz der Mitglieder.

Die von der Zunft vorgeschriebene Lehrzeit für Dreher und Drechsler dauerte vier Jahre und schloss mit der Gesellenprüfung ab. Meister konnten im allgemeinen nur Gesellen werden, die drei Jahre in der Fremde zugebracht hatten Wanderschaft). Zur Meisterprüfung wurde man erst nach zwölf Jahren zugelassen, gerechnet ab Lehrbeginn, und das sogenannte Meisterrecht musste erkauft werden. Söhne von ansässigen Meistern hatten dabei Vergünstigungen, besonders nach dem Tod des Vaters, d. h. des Werkstattinhabers. Vorbedingung für die Gründung eines Meisterbetriebes war der Besitz des Bürgerrechtes; damit wurde der Zuzug fremder Meister verhindert.

Eine der Auflagen war ferner der „eigene Rauch“, d. h., dass der zukünftige Meister verheiratet sein und einen eigenen Hausstand haben musste. Das war Voraussetzung für die Beschäftigung von Lehrlingen und Gesellen, die früher immer im Haushalt des Meisters untergebracht und verköstigt werden mussten. Diese Regelungen führten dazu, dass Witwen von Meistern oft bald wieder einen Mann fanden, weil die Gesellen zumeist arm waren und die benötigten Geldmittel für Bürgerrecht, Hausstand, Werkstatteinrichtung und Meisterrecht nicht allein aufbringen konnten.

In manchen Regionen waren die Elfenbeinschnitzer nicht zunftgebunden, im allgemeinen aber zählten sie zu den Bildschnitzern und mussten sich der Zunft unterwerfen; davon ausgenommen waren die Hofbefreiten. Bemerkenswert ist der Umstand, dass die Elfenbeinkunst im Odenwald zu einer Zeit wirtschaftlich florierte, in der die Schnitzer europaweit über Auftragsmangel klagten und manche von ihnen sogar ihren Beruf wechselten und eine Zeitlang beispielsweise als Porzellanmodelleure arbeiteten.

<<Elfenbeinkunst im Odenwald
Fortsetzung Elfenbeinkunst in Erbach>>


Aktuelle Objekte:

Wien, um 1830 >

Schmuckanhänger >



Aktuelle Objekte:

Stars in the... >

Sven Boltens... >