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Fortsetzung Elfenbeinkunst in Erbach

In der Literatur wird Graf Franz I. zu Erbach-Erbach (1754–1823) als Initiator der Elfenbein-Drechselkunst in Erbach bezeichnet. Die Verwendung von Elfenbein soll der Graf vor allem auf seiner Grand Tour (1769–1775), die ihn u. a. nach Italien und Wien führte, kennen und schätzen gelernt haben. Eugen v. Philippovich weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass der 1702 im Schloss zu Erbach geborene Herzog Josef Friedrich von Sachsen-Hildburghausen, der in enger Verbindung mit seinem Geburtsort stand, bereits viel früher als Graf Franz I. von Erbach-Erbach als passionierter Dreher und Kunstdrechsler Elfenbein verwendete.

In manchen Familien des Hochadels war es zu der Zeit Tradition, die Söhne neben einer umfassenden Ausbildung auch ein Handwerk lernen zu lassen, wobei hierfür oft die Drechslerei gewählt wurde. Möglicherweise ist Graf Franz I. durch den Herzog zur Elfenbeindrechselei gekommen. Ein gar „künstlich gedrehtes Porträtmedaillon“ (Ø 10,3 cm) des Herzogs befindet sich im Kunsthistorischen Museum in Wien. Es entstand 1751 anlässlich der Grundsteinlegung der Ägidienkirche in Groissenbrunn in Niederösterreich. Das Bildnis wurde bei der abschließenden Behandlung stark überschliffen, so dass die Drehrillen nur an ganz wenigen Stellen, wie z. B. in der Vertiefung des Ordensbandes, erkennbar sind. Ein Zweitexemplar des Bildnismedaillons gelangte in das Grüne Gewölbe. Philippovich erwähnt weiters eine elfenbeinerne Deckelkanne, in deren innerem Boden sich ein kunstgedrehtes Medaillon mit einer Darstellung Amors befindet, dessen Umschrift den erwähnten Herzog als Hersteller ausweist: „Josef:Frid:Dux Saxoniae fecit“. (Bibl., H. F. SCHÖPPL, 1917, S. 109; Bibl., E. v. PHILIPPOVICH, 1982, S. 410, 413).

Tatsache ist, dass Graf Franz I. zu Erbach-Erbach nach der Rückkehr von der sechsjährigen Bildungsreise in seinem Schloss eine Drechslerwerkstatt einrichten ließ und unter der Anleitung des Horndrehers Tobias Arzt u. a. Deckeldosen, Kannen, Leuchter und Schalen etc. aus dem edlen Material drechselte, wofür bisweilen Antiken als Vorbild dienten. Als Gehilfe des Grafen wird Franz Wilhelm Hering angeführt. (Bibl., K. MORNEWEG, 1924, S. 27) Von seinen Arbeiten besonders hervorgehoben wird oft eine aus vielen Einzelteilen zusammengesetzte mit Schildpatt kombinierte 27 cm hohe Zierschale, die einen Durchmesser von 30 cm hat (Bibl., H. W. HEGEMANN, o. J., Abb. 35), und ein 26,5 cm hoher, als „Amphora“ bezeichneter (Bibl., H. W. HEGEMANN, 1988, S. 172) aus Elfenbein gedrechselter Stangenhenkelkrater, mit vergoldeten Henkeln aus Silber. Im Archäologischen Museum in Saloniki befindet sich ein bronzener Krater, der die gleiche Grundform aufweist wie das Gefäß des Grafen Franz. (Bibl., G. HAFNER, 1982, S. 208).

Von den in der gräflichen Drechselwerkstatt aus Elfenbein hergestellten und zum Teil mit Hirschhorn und Schildpatt kombinierten Objekten sind etwa 100 erhalten (Schachspiele, Deckeldosen, Leuchter, Vasen etc.). Viele davon befinden sich im Deutschen Elfenbeinmuseum Erbach, der Großteil jedoch im Besitz der Nachkommen des Grafen. Der Überlieferung nach erfolgte 1779 durch die Initiative des Grafen Franz I. von Erbach-Erbach die Gründung einer der ersten Spar- und Leihkassen des Deutschen Reiches, der sich die ansässigen Horndreher und Beinschneider u. a. bei der Vorfinanzierung des teuren Elfenbeins bedienen konnten.


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