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Abschließende Gedanken zu AEIOU

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Hermann Maurer 
Abschließende Gedanken zu AEIOU
geschrieben am: 2005-04-02 04:22:21
Ich möchte mich bei allen für die Unterstützung bedanken, die AEIOU von vielen bekommen hat, und zwar nur über die Einstiegsseite und "word of mouth". Ich wollte insofern fair bleiben, als ich nie versucht habe einen Kettenbrief loszutreten. Das heißt, ich habe keinen einzigen Freund angeschrieben mit der Bitte, eine Email an Gehrer oder Schüssel zu schreiben, und weitere Freunde auch dazu aufzufordern. Alle Unterstützungsschreiben kamen ohne jede solche Intervention.

Es wurden viele. Ich wurde immer wieder nach dem "Warum?" gefragt. Die offizielle Begründung habe ich auch nie erfahren. Inoffiziell ist es wohl so: man wollte die Kosten für die Updates nicht mehr tragen. Diese sind (weil noch dazu zweisprachig) durchaus beachtlich, ich kenne die Zahlen aber auch nicht. Da die Verlagsgemeinschaft ja ein gedrucktes dreibändiges Öserreichlexikon anbietet, mag ja es sein, dass von Seiten der Verlagsgemeinschaft der Weiterbetrieb des Servers auch ambivalent gesehen wurde.

Freilich wurden vom Ministerium und von der Verlagsgemeinschaft mindest drei Aspekte übersehen:

Erstens, ich schätze, 95% der Informationen veraltern nicht: der Dachstein wird nicht mehr höher, Kaiser Franz Josef ist 1916 gestorben, der Wörthersee wird auch demnächst noch in ähnlicher Größe in Kärnten liegen, die Geschichte von Renner oder Körner oder Raab wird sich nicht mehr stark ändern, die von Rilke oder Mozart auch nicht, usw.

Zweitens, man hat andere Teile von AEIOU unterschätzt: die Musikgeschichte mit den vielen Beispielen ist recht beachtlich. Bei den anderen Materialien kann man vielleicht argumentieren, dass man sie inzwischen auch anderswo im WWW findet (bei den Filmstücken bin ich mir nicht so sicher, die historischen Bilder veraltern nicht und sind gut strukturiert), aber da kann man vielleicht verschiedener Meinung sein.

Drittens, man hätte ja weniger puristisch durchaus Werbung einschalten und damit auch Geld lukrieren können.

Was ärgerlich ist, dass ein oder mehrere Ministerialräte/innen ohne genau zu recherchieren wie AEIOU benutzt wird beschlossen haben, wir drehen das ab, ohne dass man wirklich nach Alternativen gesucht hat. Auch mein Angebot, den Server wie er ist einmal einfach weiterlaufen zu lassen (kostet nichts außer ein bisschen Strom) hat man ignoriert, und war einfach nicht bereit zuzugeben, dass man eine Fehlentscheidung getroffen hatte und ein nochmaliges Nachdenken ganz gut wäre.

Ich finde das schade. Auch wenn es gelingen sollte (sehr fraglich) AEIOU wieder zu aktivieren, die vielen Links und die guten Google Werte etc. sind kaum mehr wieder wettzumachen.

Es gingen hunderte Protestschreiben an das Ministerium und das Bundeskanzleramt. Ohne Wirkung. Faierer Weise glaube ich, dass weder Ministerin Geher noch Bundeskanzler Schüssel je davon erfahren haben, die Mails wurden sicher schon alle im Vorzimmer abgefangen. Ich werde versuchen, auf irgendeinem Weg Gehrer und Schüssel eine Dokumentation zukommen zu lassen, vielleicht kann man auch doch noch Profil oder eine große ander Zeitschrift motivieren, etwas zu schreiben.

Mir ist nur wieder einmal bewußt geworden: wir werden gegen den Willen vieler von uns von Ministerien bevormundet, statt dass sich diese Ministerien als das sehen, was sie sein sollten: Hilfe für den Bürger, auf die Wünsche der Bürger eingehen. Nein, man weiß einfach was für uns gut ist, und das wird dann gemacht, basta. Wer da zufällig eine Möglichkeit sieht, bitte, ich glaube hier darf ich dazu ermutigen.

Herzlichst
Ihr
Hermann Maurer
Martin Schneider 
AW: Abschließende Gedanken zu AEIOU
Antwort vom: 2005-04-04 21:43:10
Als Mensch mit Hausverstand sage ich mir, AEIOU ist etwas Vernünftiges, da wirklich jeder, der im Internet nach Informationen über Österreich sucht, es verwendet. Daher ist es nur nützlich, wenn für eine solche Einrichtung Geld ausgegeben wird, erst recht dann, wenn die Einstiegskosten den Löwenanteil ausmachten und bereits berappt wurden.

Wenn ich nun die wahrscheinlichen Gründe der Einstellung lese, dann habe ich den Eindruck, hier haben wir eine Situation der gewöhnlichen menschlichen Dummheit verpackt in Eitelkeit - eine äußerst destruktive Mischung.

Aber seis drum; solange Entscheidungsträger uns verdummen, wir uns verdummen lassen und diese uns folglich für dumm halten, weil wir es leicht sein können, solange wird sich nichts in der Art und Weise ändern, wie und warum Entscheidungen für Millionen Menschen getroffen werden.
Christoph Bathelt M.A. 
AW: Abschließende Gedanken zu AEIOU
Antwort vom: 2005-04-08 15:49:12
Lieber Herr Professor Maurer,

ich bin wirklich sprachlos und traurig von dieser törichten Beamtenentscheidung, den AEIOU-Server abschalten zu lassen. Seit Jahren war mir Ihre Seite eine Hilfe bei Recherchen, aber auch eine gute Verbindung zu meiner österreichischen (Kultur-)Heimat. Leider bezweifle ich, daß Proteste irgendetwas ändern können, aber ich möchte Ihnen auf alle Fälle meinen Dank und meine Anerkennung für die geleistete Arbeit übermitteln und Ihnen mit Grillparzer zurufen "In Deinem Lager ist Österreich!"

Viele Grüße aus Brüssel,
Christoph Bathelt M.A.



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