Mikrobilder Wunder der Bildhauerkunst
Wunderwerke aus Schatzkammern

von P.W. Hartmann

Gutachten Abb. 10 - Reigentanz

Ein Gutachten der Pretiosenschätzstelle - Gemmologisches Labor Austria GmbH - GLA

 
10 Reigentanz

Auf diesem Mikrobild aus Elfenbein sind zwei Paare dargestellt, die einander bei einem Rundtanz an den Händen halten.

Links davon befindet sich eine "Baumruine", an deren Stamm ein Dudelsackspieler lehnt. Die Wiedergabe solcher in der Weidelandschaft im Süden England häufig zu findender abgemorschter knorriger Eichenbäume ist typisch für G. Stephany und J. Dresch.

Die beiden deutschen Künstler waren in den 1790er Jahren in London und Bath tätig. Wie es heißt, überboten Auftraggeber einander, um eines ihrer Werke zu erwerben.

Selbst der englische König Georg III. war von ihren minutiös ausgeführten Elfenbeinbildern angetan und verlieh ihnen den Titel "Sculptors in Miniature on Ivory to their Majesties".

Ihre Mikrobilder wurden zu den Wunderdingen gezählt, da es unvorstellbar ist, wie es möglich war, beispielsweise die Belaubung der Bäume und Sträucher zu gestalten. Der Abstand zwischen manchen Zweigen beträgt zum Teil nur einen hundertstel Millimeter.

Das Mikrobild weist einen hellgrauen Hintergrund auf. Es ist in einer mit Glas abgedeckten 4,0 x 3,0 cm großen Fassung aus Gelbgold eingearbeitet, die an der Rückseite mit einer hochklappbaren Anhängeöse versehen ist.

Zum besseren Schutz wurde das Kleinod in eine Blende aus schwarz politiertem Holz eingesetzt, wobei die für das Bild ausgesparte und als Hohlkehle ausgeführte hochovale Ausnehmung vergoldet ist.

Der die Blende umgebende 18,0 x 16,5 cm große vergoldete Holzrahmen weist Perlstab-Zierleisten auf.

Verkehrswert zwischen Privaten: 
ATS 300.000,— DEM 42.850,— US $ 18.750,— £ 13.050,— € 21.801,60

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