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KNOLL, Johann Friedrich

Geb. am 18. 7. 1780; gest. 1844. Er war wie sein Vater Michael Knoll gelernter Drechsler, Elfenbeinschnitzer und auch Feldmesser in Geislingen. 1819 wurde er Stadtschultheiß von Geislingen und übte dieses Amt bis 1824 aus. Während seiner Zeit herrschte durch Krieg und Missernten im ganzen Land große Not, was sich nachteilig auf den Absatz der Geislinger Waren auswirkte.

Häufig Erwähnung findet ein von ihm geschnitztes Schachspiel aus Walrosszahn, dessen Figuren „Bewohner verschiedener Nationen in ihren damaligen Kostümen“ darstellten. (Bibl., H. SCHMOLZ, 1966, S. 1). Das Heimatmuseum in Geislingen besitzt eine Tafel mit Zeichnungen der Schachfiguren in Originalgröße. Zu sehen sind Büsten und halbfigurige bzw. ganzfigurige Darstellungen von Soldaten mit Helm, Tschako oder Federhut, Napoleon, Osmanen mit Turban, gekrönte Herrscher, Pallas Athene, Elefanten etc.

Obwohl Knoll aus einer wohlsituierten Familie stammte und aufgrund seiner soliden Ausbildung und seines Könnens sicher die besten Voraussetzungen hatte, war die damalige Wirtschaftslage so schwierig, dass auch ihm finanzielle Probleme nicht erspart blieben. Er reiste deshalb 1815 nach Österreich, um anlässlich des Wiener Kongresses das erwähnte und mit 1.400 Gulden veranschlagte Schachspiel zum Kauf anzubieten.

Eine Vorstellung, in welcher verzweifelten Lage sich „in der guten alten Zeit“ selbst so angesehene Bürger wie Knoll befanden, erhält man durch die Kenntnis eines Briefes, den Knoll in Wien an seine Familie verfasste und der auszugsweise wiedergegeben wird. Das Schreiben ist im Besitz des Heimatmuseums in Geislingen.

 

„Heute also am 16. war ich in der Stuckgießerei wo auf eine Hitze von 380 Grad Metall geschmelzt wird und in Scheubern (wohl = Schönbrunn) allwo ein möchtiger Garten samt Schloss sich befindet, allwo bereits die franz. Kaiserin Louise wohnt.
Donnerstag am 17. und 18. Nov. war das Schachspiel immer noch in der Burg, Samstag am 19. ging ich in die Burg, Graf … sagte mir, der Kaiser habe mein Schachspiel nicht gekauft, ich soll es wieder mitnehmen.
Ich ging in das Vorzimmer des Kaisers hinein, in welches mir mein Schachspiel gebracht wurde, es war vormittag 1 /2 11 Uhr. Nachdem ich Graf … sagte, ich wolle meine Arbeit der Schätzung seiner Majestät überlassen, ging er in des Kaisers Zimmer hinein, und ich blieb stehen.
Bald kam der Kaiser u. der Graf und gingen durch das Zimmer wo ich war u. beider Tür hinaus, in einer Viertelstunde kam der Graf allein wieder durch das Vorzimmer und fragte ob der Kaiser schon wieder durch sei. Es war niemand da als ich u. ein Bedienter.
Als ich nun merkte, dass der Kaiser wieder durch mein Zimmer kommen wird, nahm ich mir vor ihn anzureden.
Der Kaiser kam wirklich ganz allein – ich trat vor ihn hin u. sagte: „Ich bitte eure Kaiserl. Majestät alleruntertänigst um allergnädigste Abnahme meines Kunstprodukts. Der Kaiser blieb stehen und antwortete: „Ich kanns nicht kaufen, ich kanns nicht kaufen, ich kanns nicht kaufen“.
Ich sagte hierauf: „Diese Arbeit ist mit unsäglicher Mühe u. Fleiß verfertigt“.
Der Kaiser antwortete: „Nützt alles nichts, ich kanns nicht kaufen, ich kanns nicht kaufen“. Der Kaiser blieb stehen u. sagte ich noch: „Ich bitte alleruntertänigst, dass Eure Kaiserl. Majestät selbst taxiere, ich lasse mir jeden Preis gefallen, hierauf sagte der Kaiser indem er fortging schnell und wie erzürnt „Pfui! das tu ich nicht, ich handle nicht“.
Gleich darauf kam …. heraus und sagte zu mir ganz freundlich: „Der Kaiser kauft es nicht, will ihnen aber 100 *fl. in Scheinen für ihre Mühe geben.
Ich sagte: „Ich nehme dies allerhöchste Gnade mit alleruntertänigstem Dank an“, worauf Graf … mir sogleich einen 100 *fl. Schein holte u. ihn mir im Namen des Kaisers gab, und somit war auch dieser Akt beendet und ich ging meinen Weg weiter.
Nun frage ich, kann ich meine Schuldigkeit weitertreiben?Nein, ich würde dieses Wagestück wahrlich nicht ausgeführt haben, wenn ich nicht glaubte, es Weib u. Kinder schuldig zu sein. Wenn es aber nicht gerät, bin ich unschuldig, der Kaiser hat sich einmal vorgenommen, jetzt kein unnötiges Geld auszugeben. Und so wird es Gevatter Nietsche auch gehen.“

(Bibl., M. ELLINGER, 1986).

 

1816 wurde besagtes Schachspiel von dem Oberamt Geislingen König Wilhelm I. anlässlich seiner Thronbesteigung als Präsent übermittelt.

<<KAUZMANN d. J., Franz
KNOLL, Johann Jakob>>


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