Abigail O'Brian (IR)

©Texte: Johannes Rauchenberger/Alois Kölbl

Abigail O´Brien, Extreme Unction – From the Ophelia Room, 2000, 21-teilig. Installation (14 Cibachrome Fotoarbeiten, 5 Sticktuch-Objekte in Holzvitrinen, Eisskulptur, Soundpiece CD), Sammlung Volpinum Wien.


Von 1995 bis 2004 verwirklichte die irische Künstlerin Abigail O´Brien ihren monumentalen Werkzyklus „The Seven Sacraments“, zu dem die Installation „Extreme Unction – From the Ophelia Room“ gehört. In ihm verbinden sich die Sakramente der katholischen Kirche mit der Alltagskultur und ihren Wandlungen im Irland des ausgehenden 20. Jahrhunderts: Eine Erforschung und Analyse der Nahtstellen und Wendepunkte menschlicher Biographie, von Alltagsritualen und Riten aus säkularer Künstlerinnen-Perspektive, die gleichzeitig auch kritische Fragen nach der Rolle von Religion und Kirche und dem gesellschaftlichen Status der Frau in Irland stellt. Der Zyklus umfasst die sechs raumgreifenden Installationen „Last Supper“ (Das Abendmahl, 1996), das sich gleichzeitig auf das Sakrament der Ehe bezieht, „Baptism“ (Taufe, 1996), „Kitchen Pieces – Confession + Communion“ (Küchenstücke – Beichte + Kommunion, 1998), das die Sakramente Beichte und Kommunion vereint, „Extreme Unction – From the Ophelia Room“ (Letzte Ölung – Aus dem Ophelia Raum, 2000), sowie die beiden Arbeiten „Garden Heaven – Holy Orders“ (Himmlischer Garten – Priesterweihe) und „Martha’s Cloth – Confirmation“ (Marthas Tuch – Firmung), 2003/2004.

 

Inspiriert von den Sakramentenzyklen Nicolas Poussins und der niederländischen Stilllebenmalerei , in der unbedeutende und unbeachtete Gegenstände zu Objekten der Aufmerksamkeit und Kontemplation wurden, macht O´Brien Alltagsszenen und alltägliche Gegenstände durch bewusst unterkühlte, statische und dadurch auratisierte Inszenierung zu Quasi-Sakramentalien. Die Darstellungen der Rites de Passage kumulieren im Ophelia-Room, dem ultimativen Übergang vom Leben zum Tod. Das Moment der Erstarrung erreicht hier seinen Höhepunkt.

 

Fotos von Türen eines Leichenschauhauses verbinden sich mit einem gestickten Memento Mori, Fotos von unzustellbar gewordenen Briefen, die auf die verstorbenen Adressaten wie auf die liebeskranke Ophelia in Shakespeares Hamlet anspielen, und einer Urne aus schmelzendem Eis.

 

 



„Gestures of Infinity“ greifen wörtlich ins Unendliche. Die notwendige Unerfassbarkeit dieser Behauptung wird im Medium des Bildes notwendigerweise gebrochen, auf eine Anschauung herunter-, hinauf- oder einfach nur umgepolt, ihres Pathos beraubt, ironisiert, ersehnt, beweint, erdacht.

Die Ausstellung „Gestures of Infinity“ bearbeitet künstlerische Gesten , die dem Fundus eines Ineinanders von Religion und Emotion entlehnt oder aus ihm heraus entwickelt sind: in einer künstlerischen Nach-Postmoderne, die ihre „schlechte Unendlichkeit“ (Hegel) reflektiert und zugleich genießt, und in einer geopolitischen Situation, die Religion als Zuviel (in der Verengung von Fundamentalismus und Gewalt) und als Zuwenig (in der Ödnis erschöpfter Utopien und deren Übersättigung) zum Gegenüber hat: ein „NAHE GENUG“.