Hannes Priesch (A/US)

©Texte: Johannes Rauchenberger/Alois Kölbl

Hannes Priesch, Words, aus der Serie: „Promised Land“: word/sword, laughter/slaughter, worship/warship, Triptychon, 2004, Acryl auf Leinen, je 60 x 91 cm, Courtesy the Artist

Hannes Priesch, in New York lebender steirischer Künstler, Erkunder von Malerei in der Entgrenzung von der Leinwandfläche ebenso wie Erforscher gesellschaftlicher Prozesse und Mechanismen, beschäftigt sich in den letzten Jahren in seinen Schriftarbeiten vor allem mit dem überkommenen Erbe von Religion und Philosophie und dessen Wirkung auf unsere Kultur.

In Auseinandersetzung mit dem erstarkten religiösen Fundamentalismus in Amerika malt er etwa Schriftbilder aus Texten heiliger Schriften, deren Interpretierbarkeit eine Gratwanderung zwischen den Polen Erlösung und Vernichtung ist.

Das künstlerische Spiel mit buchstabengetreuer Schriftexegese versteht sich als Warnung vor religiösem Fundamentalismus auf dem Boden einer Exegese heiliger Bücher nur in ihrem wörtlichen Sinn. In Prieschs Triptychon „Words“ mutieren positiv besetzte Wörter durch kleine Manipulationen zu Begriffen kriegerischer Auseinandersetzungen und Kampfmetaphern: „WORD“ (Wort) - „LAUGHTER“ (Gelächter) - „WORSHIP“ (Verehrung/Anbetung) mutieren zu „SWORD“ (Schwert) - „SLAUGHTER“ (Gemetzel) - „WARSHIP“ (Kriegsschiff).

 

Die Verantwortung für das Gewaltpotential von Religionen, das in ihren Urtexten zugrunde zu liegen scheint, wird damit eindeutig der Ebene der Schriftexegeten zugewiesen, in deren Entscheidung die Interpretation oder auch Manipulation der Texte liegt.

 



„Gestures of Infinity“ greifen wörtlich ins Unendliche. Die notwendige Unerfassbarkeit dieser Behauptung wird im Medium des Bildes notwendigerweise gebrochen, auf eine Anschauung herunter-, hinauf- oder einfach nur umgepolt, ihres Pathos beraubt, ironisiert, ersehnt, beweint, erdacht.

Die Ausstellung „Gestures of Infinity“ bearbeitet künstlerische Gesten , die dem Fundus eines Ineinanders von Religion und Emotion entlehnt oder aus ihm heraus entwickelt sind: in einer künstlerischen Nach-Postmoderne, die ihre „schlechte Unendlichkeit“ (Hegel) reflektiert und zugleich genießt, und in einer geopolitischen Situation, die Religion als Zuviel (in der Verengung von Fundamentalismus und Gewalt) und als Zuwenig (in der Ödnis erschöpfter Utopien und deren Übersättigung) zum Gegenüber hat: ein „NAHE GENUG“.