Im Video "Sewing into Walking - Istiklal Cadessi" der koreanisch-amerikanischen Künstlerin Kimsooja überlagert sich eine mit der Handkamera gefilmte Straßenszene in einem der belebtesten Stadtviertel von Istanbul mit buddhistischen Mönchsgesängen. Die Künstlerin, die sowohl aus der buddhistischen Tradition ihrer südkoreanischen Heimat als auch der christlichen Tradition ihrer eigenen Familie schöpft, versteht sich in ihren Videos, Performances und Installationen als Mittlerin zwischen den Kulturen, wenn sie versucht, Emotion und Mitgefühl, vor allem aber kontemplative Anteilnahme am Leben anderer als zentrale menschliche Grundkategorie zu zeigen. Die Kombination der Straßenszene einer Stadt in einem politisch säkularisierten, aber vom Islam geprägten Land mit dem Gesang tibetischer Mönche verleiht der Installation nicht nur eine transkulturelle, sondern auch stark kontemplative Note. Ein meditativ-spiritueller Grundzug haftet allen Arbeiten von Kimsooja an. Sie setzt dabei auf eine Spiritualität, die keiner bestimmten religiösen oder konfessionellen Tradition verhaftet ist, sondern einer humanen Grundhaltung entspringt. In einer ihrer bekanntesten Arbeiten war sie mit einem LKW in den Dörfern und Städten ihrer koreanischen Heimat unterwegs, der mit Stoffbündeln aus Tüchern beladen war, die man in Korea Hochzeitspaaren schenkt. In anderen Arbeiten versucht sie als regungslos stehende oder liegende „Needle Woman“ ganz buchstäblich unterschiedliche Kulturen, religiöse Traditionen und Menschenschicksale miteinander zu „vernähen“. Wenn sie in den Videodokumentationen ihrer Performances wie eine Schattenfigur in den Menschenströmen der Metropolen dieser Welt wie Shanghai, Delhi, New York, Kairo oder Mexico City zu sehen ist, so möchte sie als Mediatorin die BetrachterInnen emotional ins Bild ziehen und eine neue transkulturelle Realität aufspüren. Ihre Arbeit „Sewing Into Walking – Istiklal Cadessi“ bezeichnet Kimsooja analog den Stoffbündeln (Bottaris) als „Image-Bottari“: Während die Stoffe die Emotionen der Menschen speichern, die von den kunstvoll bestickten Tücher in entscheidenden Phasen ihres Lebens eingehüllt waren, verbinden sich in der Video-Sequenz die zufällig gefilmten Lebensmomente der vorbeieilenden Menschen. |