Robert Rumas (PL)

©Texte: Johannes Rauchenberger/Alois Kölbl

Robert Rumas, Demosutra, 1994-2004, 16-teilige Fotoserie, Courtesy the artist.


Auf Platos metaphysisches Einheitskonzept – wenn auch in ironisierender Weise - bezieht sich der polnische Künstler Robert Rumas, wenn er in seiner 16-teiligen Fotoserie „Demosutra“ zwei Hände in verschiedenen Gesten vor einem strahlend blauen Himmel als Bildhintergrund zeigt. Einheit und Aufstieg in himmlische Sphären kommen in den Händen, die den Himmel zu berühren scheinen, zum Ausdruck. In „polyvalenter Präzision“ zeigt er, wie sich in zum Himmel erhobenen Händen alle Facetten menschlichen Seins und menschlicher Emotion von Hingabe im Gebet, über Gewalt, Sexualität, Glück und Ekstase spiegeln können. In der Bandbreite der Bildunterschriften kommt die ganze schillernde Mehrdeutigkeit und ironisierende Brechung der assoziationsreichen Serie zum Ausdruck.

Robert Rumas, den Phänomene der Masse und ihre Rituale faszinieren, hat sich wiederholt mit religiösen Zeichen auseinander gesetzt und wird dabei mitunter auch zum scharfen Kritiker oberflächlicher Zeichen und Symbole, die sich im religiösen Leben in den Niederungen des Devotionalienkitsches finden.

Nicht zufällig wird der postkartenblaue Himmel von abgebissenen Fingernägeln der pathetisch emporgestreckten Hände konterkariert. Der Künstler, der der sogenannten Strömung Kritischer Kunst in Polen zuzurechnen ist, die sich nach der Wende 1989 formierte, prangert in seinen Werken immer wieder die Vereinnahmung der Religion durch nationalistische und fundamentalistische Strömungen an.


     
     
     



„Gestures of Infinity“ greifen wörtlich ins Unendliche. Die notwendige Unerfassbarkeit dieser Behauptung wird im Medium des Bildes notwendigerweise gebrochen, auf eine Anschauung herunter-, hinauf- oder einfach nur umgepolt, ihres Pathos beraubt, ironisiert, ersehnt, beweint, erdacht.

Die Ausstellung „Gestures of Infinity“ bearbeitet künstlerische Gesten , die dem Fundus eines Ineinanders von Religion und Emotion entlehnt oder aus ihm heraus entwickelt sind: in einer künstlerischen Nach-Postmoderne, die ihre „schlechte Unendlichkeit“ (Hegel) reflektiert und zugleich genießt, und in einer geopolitischen Situation, die Religion als Zuviel (in der Verengung von Fundamentalismus und Gewalt) und als Zuwenig (in der Ödnis erschöpfter Utopien und deren Übersättigung) zum Gegenüber hat: ein „NAHE GENUG“.