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Das Gold- und Silberschmiedemuseum

(Eröffnungsjahr: 1986)

Adresse: 1070 Wien, Zieglergasse 22

Tel.Nr.: 0043 (0) 1 523 40 96
OSR Dir. Prof. L. Rössler 0664-241 46 01 oder 0676-301 40 66
e-mail:
OSR Prof. Leopold Rössler

Rechtsträger: Arbeitsgemeinschaft der Wiener Bezirksmuseen

Eintritt: frei
Öffnungszeiten: Mittwoch, 15.00 - 18.00 Uhr

Führungen nach Vereinbarung:
bitte an Frau Monika Bochskandl  oder
Frau Christine Rittig wenden.

  Siegel aus 1366, Gotischer Rundsiegel, Hl.Eligius
Hl. Eligius als Schutzpatron der Gold- und Silberschmiede
Siegel aus 1366 an der ältesten Handwerksordnung der Goldarbeiter zu Wien.
Gotisches Rundsiegel


Die Geschichte des Museums:

Bereits in den siebziger Jahren begann Direktor Prof. Leopold Rössler Exponate zur Geschichte des Gold- und Silberschmiedehandwerkes sowie Informationen über die verschiedensten Arbeitstechniken zu sammeln. Eng damit verbunden sind aber auch die Handwerkzweige der Etuimacher, Juweliere, Graveure, Guillocheure und Ziseleure. Grund für sein Engagement war vor allem das Fehlen des notwendigen Nachwuchses in diesem Gewerbe. Somit war natürlich die Gefahr groß, dass die alten Arbeitsweisen über kurz oder lang in Vergessenheit geraten würden. So traf er schließlich auf Ing. Hans Vaugoin, Gabriela Breisach und Alfred Meister. Alle sind Mitglieder im österreichischen Meisterverein der Juweliere, Gold- und Silberschmiede 1985 stellte Vaugoin das Erdgeschoss seines Hauses in der Zieglergasse 22 für ein Museum zur Verfügung.

1986 kamen noch fünf weitere Ausstellungsräume im 1. Stock hinzu. Zum Museumsleiter wurde Dir. Prof. Rössler und als sein Stellvertreter Ing. Hans Vaugoin bestellt. Das Museum konnte schließlich am 11. September 1986 eröffnet werden. Das Startkapital stiftete die Wiener Handelskammer, den Großteil der ausgestellten Exponate wie Arbeitstische, Werkzeuge, Maschinen, Zeichnungen, Fotos und Entwurfskizzen wurden von zahlreichen Wiener Firmen zur Verfügung gestellt. Ursprünglich als reines Handwerksmuseum mit einer lebenden Werkstatt im Erdgeschoss geplant, fanden durch die Erweiterung im 1. Stock noch viele weitere Attraktionen der Gold- und Silberschmiedezunft Platz.

Im Museum haben schließlich auch der österreichische Gutachterverband für Pretiosen und Uhren sowie die Österreichische Gemmologische Gesellschaft ihren Sitz gefunden. Durch historische Geräte zur Edelsteinuntersuchung und alte Aufzeichnungen aus der Geschichte der Gemmologie und des Bewertungswesens wird die Palette der Ausstellungsobjekte bereichert.

Museumsbeschreibung:

Die Gesamtgröße des Museums beträgt 220 m2, davon entfallen 20 m2 auf zwei Grundausstellungsräume im Parterre, 120 m2 auf 5 Grund- bzw. auch Sonderausstellungsräume, einen Vorraum, ein Labor, eine Küche und die Sanitäranlagen im 1. Stock sowie 80 m2 auf ein Dachbodendepot, in dem zur Zeit u.a. ein Schmelzofen gelagert ist. Die Sonderausstellungen werden in 5 zusätzlichen Würfel- und 3 Tischvitrinen in sämtlichen Räumen des 1. Stockwerks präsentiert.

Das Museum verfügt über rund 3.000 Exponate, von denen rund 2.500 ausgestellt sind.

Spazierstockknauf
Spazierstöcke waren einst ein nahezu unverzichtbares Utensil: Für die, heute würde man sagen: "durchgestylten" Knäufe gab es eigene Musterbücher



Raum I
Der Eingang ins Museum befindet sich direkt auf der Straße und ist flankiert von zwei Auslagen, in denen sich Goldschmiedewerkzeuge wie z.B. eine Rolliermaschine zum Abrunden von Tassenrändern oder auch eine Kordiermaschine zum Herstellen von geflochtenen Drähten befinden. In der anderen Auslage steht ein Bild des Hl. Eligius (588-659), dem Schutzpatron der Gold-, Silber- und Hufschmiede. Betritt man nun das Museum, steht man in einer alten Goldschmiedewerkstätte. Der Fußboden stammt aus einem ehemaligen Altwienerhaus aus der Zieglergasse direkt nebenan und ist 150 Jahre alt. Aus der selben Zeit stammen die Ziegel von der Esse. Diese alte Werkstätte präsentiert drei verschiedene Gewerbe. In der einen Ecke befindet sich der Silberschmied, in der anderen der Goldschmied und in der letzten der Juwelenfasser, im heutigen Sprachgebrauch der Juwelier. Seit 1974 gibt es aber diese einzelnen Berufsbezeichnungen nicht mehr, und daher heißt dieses Handwerk heute Gold-, Silberschmied und Juwelier.

Zu sehen ist hier der Schmelzplatz des Goldschmiedes mit dem sogenannten "Schlapfendampf", ein großer Blasbalg, den der Goldschmied mittels Fußhebel in Betrieb genommen hat. So wurde Luft zum Gas geblasen und der Schmelzungsprozess ermöglicht. Ferner sieht man einen Chemiekasten eines Goldschmiedes zur Reinigung des im Rohzustandes unansehnlichen Goldes. In früheren Jahrhunderten war der Goldschmied auch immer ein Alchemist, der die Lösungen, die er z.B. zum Färben des Materials benötigte, auch selbst hergestellt hat. Mit Chemikalien werden auch Metalloxyde beseitigt, bevor das Gold geschliffen und letztlich poliert wird. An der Wand befinden sich die verschiedensten Arten von Lötpistolen, deren Entwicklung vom einfachen Blasrohr aus der Antike, das aber auch noch bis um 1950 verwendet worden ist, hier dokumentiert wird. Zu besichtigen sind alte Handwalzen zum Verformen von Drähten und Blechen. Heute noch sind solche mechanischen Geräte in Verwendung, weil nicht alles mit den modernen elektrischen Walzen gemacht werden kann. Daneben befindet sich eine Zieh- bzw. Zugbank, auf der man die feinen Röhrchen für Drähte und Scharniere herstellen kann.

Mit Hilfe einer Guillochiermaschine wurde das Material unter Verwendung von Schablonen, die geometrische Formen ergeben, graviert. Die Maschine wird mit einem Rad manuell gesteuert. Sie diente vor allem zum Dekorieren von Pokalen, Tassen, Zigarettenetuis, aber auch zur Erzeugung von Wasserzeichen auf Geldscheinen. Das Guillochieren, mit dem sich vor allem der Silberschmied befasste, ist seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Zur Zeit gibt es in Österreich nur mehr drei solcher Maschinen: die eine hier im Museum und die anderen beiden in den Goldschmiedebetrieben W. Hufnagl und H. Kolar im 7. Wiener Gemeindebezirk.

Eine Wandtafel zeigt Zeichnungen von Schmuckgegenständen, wie sie noch vor wenigen Jahrzehnten der Juwelier entworfen und dem Kunden zur Auswahl vorgelegt hat. Auf diese Art des besonderen Kundenservices wird heute wieder von den jungen Schmuckdesignern zurückgegriffen.

Der Arbeitsplatz des Goldschmiedes ist ein grober, runder Tisch mit einigen Einbuchtungen (Ohrwasch'ln), in denen sich der sogenannte Feilnagel befindet.


Der Arbeitsplatz des Goldschmiedes: Das Brett'l

Das ist nichts anderes als ein kleines Brett, auf welches das zu bearbeitende Stück aufgelegt wird. Darunter hängt das "Lederfell" zum Auffangen des Abfalls, der beim Feilen entsteht. In der Mitte des Tisches befindet sich eine sogenannte bereits im Mittelalter verwendete "Schusterkugel". Dabei handelt es sich um eine mit Wasser gefüllte Glaskugel, hinter der eine Kerze entzündet wurde, deren Licht durch das Wasser filtriert worden ist und dadurch ein vollkommen augenschonendes, reinweißes Arbeitslicht wurde.


Museumsleiter OSR Prof. Leopold Rössler zeigt, wie Goldschmiede um die Jahrhundertwende arbeiteten

Diese Methode findet auch in der heutigen Zeit noch ihre Anwendung. Verschiedene Zangen, Schweren und Feilen erwecken den Eindruck, dass der Goldschmied eben noch hier gearbeitet haben könnte. Ein prähistorisches Werkzeug ist der Drill- oder Dreuelbohrer, der mit einer kleinen Kurbel gedreht wurde.


Arbeiten mit einem Drill- oder Dreuelbohrer

Seit den sechziger Jahren ist nur mehr die elektrische Hängebohrmaschine in Verwendung. Neben der Esse steht ein Schmelztiegel aus feuerfestem Grafit, in dem 100 kg Silber geschmolzen werden können. Geheizt wurde mit Holzkohle, die mit einem riesigen Blasbalg immer wieder angefeuert worden ist. Eine alte Silberwaage diente zum Wägen des sehr schweren Silbers, das meistens ein Gewicht von mindestens einem Kilogramm hat. Ein Foto zeigt die Silberschmiedewerkstätte von Ing. Hans Vaugoin um 1920, die sich im Nebenhaus Zieglergasse 24 befindet und auch heute noch sich nur unwesentlich von dem Foto unterscheidet. Auf Wunsch des Museumsbesuchers kann diese Werkstätte auch besichtigt werden. Weiter kann man Einsicht nehmen in die Gründungsurkunde des Museums, in alte Lehrbriefe von 1919 und 1861, in Zeugnisse und Arbeitsbestätigungen.


Raum II
Über der Tür zum Raum II hängt das einzige noch erhaltene Geschäftsschild aus dem Wiener Raum mit der Aufschrift "Erzeugung von Gold- und Silberwaren". Es stammt ursprünglich aus dem letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts, wurde aber um 1912 noch einmal überarbeitet.


Eingang zum Raum II mit dem alten Geschäftsschild


Im Raum II ist die Diamantschleifwerkstätte des Juweliers Fischer in Wien I, Singerstraße, aus dem Jahre 1910 zu sehen. Sie besteht aus dem Schleif- und dem Rondierplatz. Hier wurden die Diamanten nach dem Spalten und Teilen rundgemacht. Gearbeitet wurde dabei wieder mit einem Diamanten. Auch beim Schleifen kommt auf die Schleifscheibe Diamantstaub. 

Diamantschleifmaschine
Ein besonderer Leckerbissen für Kenner ist diese Diamantschleifmaschine, die dem Museum vom Juwelier Anton Fischer zur Verfügung gestellt wurde

Nachdem am Rohkristall, dem Diamanten 57 Facetten manuell geschliffen worden sind, ist der Brillant fertig. In der Ecke des Raumes steht ein Standsafe aus dem Jahre 1890, wie er früher bei Juwelieren, aber auch in Privathaushalten zum Aufbewahren wertvoller Schmuckstücke verwendet worden ist.

Zu sehen sind alte Polierplätze, die um 1910 zum Schleifen und Polieren von Metallen benutzt worden sind. In einem Schaukasten befinden sich Polierhölzer zum Polieren von Silberwaren sowie eine kleine Kuriosität, nämlich ein Ohrstechapparat von 1890, der noch in den zwanziger Jahren verwendet worden ist. Hier gibt es verschiedene Halbfabrikate und Pressungen wie Oberteile von Ringen oder Taschenverschlüsse.

Daneben steht eine sogenannte Scheuertrommel, ein sechsteiliges Holzfass, in das Wasser gefüllt wurde. Man drehte es mittels einer Kurbel, und die im Fass befindlichen Stahlkugeln kamen nun mit dem Wasser in Bewegung. Dieses Gerät diente vor allem zum Polieren von sehr kleinen Schmuckgegenständen wie z.B. Bettelarmbandanhänger. Beim Verlassen des Raumes ist eine ovale Glastafel aus der Jahrhundertwende zu sehen. Sie war neben dem Eingang eines Geschäftes montiert und trägt die Aufschrift "Erzeugung von Essbestecken und Tafelgeräten in allen Formen".

Durch den Raum I gelangt man nun wieder auf die Straße und geht durch das große Haustor ins Treppenhaus. Eine Wendeltreppe führt in die Museumsräume im ersten Stock. Doch vorher kann der Besucher noch einige Fotodokumentationen auf Wandtafeln in Art einer Stiegenhausgalerie besichtigen:

  • die Museumseröffnung am 11. September 1986
  • Sonderausstellung über Granulation von Johann Neumeister aus Völs in Tirol 1988,
  • die Einweihung der Eligiusstandarte des Meistervereines durch Weihbischof Dr. Kurt Krenn am 1.12.1988 mit Elisabeth Waldheim als Fahnenpatin
  • eine japanische Silberschmuckausstellung von Keiko Ibero Yamahara im Oktober 1989
  • die Sonderausstellung "Schmuck von gestern - Antiquitäten für morgen" von Harald Baumann und Gerold Schodterer aus Bad Ischl 1988
  • der Schmuckerzeuger Drobny bei einer Lesung von Marianne Schönauer
  • und schließlich der Besuch vom Präsidenten der Bundeswirtschaftskammer KR Ing. Rudolf Sallinger im Museum.

Des Weiteren gibt es im Stiegenhaus eine Schautafel mit alten Schmuckzeichnungen, einem Bundesgesetzblatt, betreffend das österreichische Beziehungsgesetz vom 2.11.1921, einem Foto einer Gussform eines Sandgusses, einem Auszug aus einer deutschen Graveur-, Emailleur- und Ziseleurzeitung von 1931 und der Meisterprüfungsordnung der Genossenschaft für Juweliere-, Gold- und Silberschmiede von 1913.


Raum III
Der Besucher befindet sich nun im ersten Stock und betritt den Raum III des Museums. An den Wänden hängen ein Erlass von Kaiser Karl VI., der vorschreibt, mit welchen Feingehalten ein Goldschmied zu arbeiten hat und welche Arbeitszeit einzuhalten ist, ein Zeugnis aus dem Jahre 1921 und eine Arbeitsbestätigung.


Raum IV:
Danach gelangt der Besucher in den ersten der drei großen Ausstellungsräume. In diesem Raum IV erinnern Wandtafeln an eine Sonderausstellung über die erste österreichische Silberschmiedemeisterin Elfriede Berbalk, die noch während der Hochblüte der berühmten Wiener Werkstätte Lehrling gewesen ist. Seit 14.4.1923 arbeitete sie auch dort und legte 1924 als erste Frau Österreichs ihre Meisterprüfung im Silberschmiedegewerbe ab. Danach war sie jahrelang Leiterin der Abteilung Metall der Modeschule Hetzendorf. Neben den hier gezeigten Zeugnissen und dem Lehrbrief vom 7. 3. 1923, besitzt das Museum eine Fotosammlung sämtlicher Arbeiten von Elfie Berbalk, die die bereits verstorbene Künstlerin dem Museum persönlich überlassen hat. Darüber hinaus gibt es hier noch Schmuckstücke und eine handgearbeitete Dose mit den charakteristischen Jugendstilornamenten, die sie als Lehrling um die Jahrhundertwende angefertigt hat.

Im nächsten Schaukasten befinden sich handgeschriebene Rezeptbücher über verschiedene Mischungsverhältnisse bei Goldschmiedearbeiten, ein Erlass von Kaiser Joseph II. betreffend das Goldschmiedegewerbe und Werkstättenbücher mit verschiedenen Notizen und Zeichnungen.

Eine Fotodokumentation zeigt die Herstellung von Kronen und Diademen durch Mitglieder der seit 1780 im Gewerbe tätigen berühmten Köchert-Dynastie, die viele Jahre hindurch k.u.k. Hofjuweliere gewesen sind. Im Jahre 1882 erlangte Heinrich Jakob Köchert das hier ausgestellte Patent zum Hofjuwelier.

Besonders wertvoll ist eine hier gezeigte Handzeichnung vom Jugendstilkünstler Kolo Moser.

In der nächsten Vitrine befindet sich eine umfangreiche Medaillensammlung aus den verschiedensten Epochen.

Auf einer Wandtafel hängt ein sogenannter "Verruf" des Kurfürsten von Baiern, eine Ankündigung über das Verhalten von Gold- und Silberschmieden vom 3.1.1750.

Die originale Gründungsurkunde auf Pergament des Meistervereines der österreichischen Juweliere, Gold- und Silberschmiede von 1882 befindet sich in einem silbernen röhrenartigen Gefäß mit Kannelierungen.

Weitere Arbeiten stammen von dem Granulierer Josef Neumeister. Dabei handelt es sich um eine ganz spezielle Technik, bei der Kügelchen ohne Lot auf ein Goldmetall aufgeschweißt werden. Bereits die Etrusker kannten im 2. Jahrtausend v. Chr. dieses Verfahren. Durch viele Jahrhunderte hindurch geriet es in Vergessenheit, und erst seit ein paar Jahrzehnten begannen Goldschmiede, sich wieder mit dem Granulieren zu beschäftigen.

Eine Kratzmaschine stammt aus dem Jahre 1910. Sie hat den Unterteil einer Nähmaschine, auf dem Brett befindet sich eine Messingbürste auf die von einem Fass Wasser tropft. So konnte Silber geglättet werden.

Noch aus dem vorigen Jahrhundert gibt es eine Druckbank, mittels der Metallgegenstände über eine Holzform mit einem Stahl gezogen und zu einem Becher geformt worden sind.

Ein Bild zeigt die Darstellung des Goldschmiedehandwerkes beim von Hans Makart gestalteten Festzug zur Silberhochzeit vom Kaiserpaar Franz Joseph I. und Elisabeth. Der Goldschmied Fischmeister wurde ausgewählt, die Handwerksfahne zu tragen.

Einige Fotos gewähren Einblick in die Werkstätten der k.u.k. Hofjuweliere Rozet & Fischmeister.

Das nächste Exponat ist eine unvollständige Maschine zum Einfassen von Elfenbeinknöpfen.


Raum V
Der Raum V des Museums ist der Silberschmiedsaal der Firma Jarosinski & Vaugoin. Hier sieht man ausschließlich handgearbeitete Silberobjekte vom Empire, Klassizismus, Biedermeier, Jugendstil und Art-Deco. Dabei handelt es sich u.a. um Essbestecke, Schalen, Service, Tabletts, Kannen, Döschen, Serviettenringe, Puderdosen und Feuerzeuge.

Silberkanne
Exclusive Silberschmiedearbeiten demonstrieren hohe Handwerkskunst. Der geschätzte Marktwert dieses Stückes: nicht unter 100.000,-- Schilling ...

Ein Blickfang des Raumes sind die Stoßzähne eines heute bereits unter Artenschutz stehenden afrikanischen Elefanten, die der Silberschmied früher als Elfenbein u.a. für die Herstellung von Gefäßgriffen benötigt hat.

In einem Musterbuch um 1920 kann man neben zahlreichen Art-Deco-Zeichnungen nachlesen, wie lange ein Silberschmied für die Anfertigung verschiedener Stücke benötigt und welche Entlohnung er dafür erhielt.


Raum VI
Der Raum VI gehört ganz der Gemmologie, der Edelsteinkunde. Im großen und ganzen ist hier ein Labor eingerichtet, in dem auch gearbeitet wird.

Darüber hinaus kann hier die Entwicklung der Edelsteinforschung vom ersten Horizontalmikroskop - das einzige weltweit noch existierende von Prof. Karl Siess konstruierte Edelsteinuntersuchungsgerät - bis zu den heute verwendeten hochmodernen Computern und optischen Geräten nachvollzogen werden. Bei den Edelsteinuntersuchungen, die hier von der Österreichischen Gemmologischen Gesellschaft durchgeführt werden, wird geprüft, ob der Stein natürlichen oder synthetischen Ursprunges ist. Dazu werden vor allem Mikroskope, aber auch UV-Fluoreszenz, spezifische Dichtenmessungen, Refraktometer (Instrument zum Messen der Brechwerte eines Stoffes) und Polariskope verwendet. Besonders die Einschlüsse in den Edelsteinen müssen genau untersucht und bestimmt werden. Eine eigene Gruppe stellt der Diamant dar, der nach vier Richtlinien geprüft werden muss.


Raum VII
Im Raum VII macht der Besucher Bekanntschaft mit dem Lehrberuf des Graveurs, der eng verbunden mit dem des Gold- und Silberschmiedes ist.

Jene Produkte, die vom letzteren hergestellt werden, wie z.B. Puder- und Zigarettendosen oder Etuis wurden früher manuell graviert. Zu sehen ist hier das Werkbrett, das dieselben Einbuchtungen hat wie das des Goldschmiedes, mit der gesamten Ausrüstung des Graveurs. Darüber hängt sein Wappen mit Zirkel, Sticheln, Ziseleurhammer und Graveurkugel.


Die beiden wichtigsten Werkzeuge sind eben diese Graveurkugel, auf die das Material aufgekittet wurde und durch das Kugelgelenk leicht bewegt werden konnte, und der Stichel, mit dem es schließlich graviert worden ist.

In Wandschaukästen sind verschiedene Arbeiten eines der letzten, großen österreichischen Graveure, Walter Beranek ausgestellt. Darüber hinaus erinnern an ihn noch sein Firmenschild und einige Fotos von seiner Werkstätte in der Kaiserstraße im 7. Wiener Gemeindebezirk. Zusätzlich sind Fotos vom Stahlgraveur Anton Stanzl ausgestellt. Diese Berufssparte diente zur Herstellung von Schnitten und Stanzformen für Pressungen. Im Gegensatz zu den anderen Graveuren, die auf weichem Kupfer, Silber und Gold arbeiteten, gravierte der Stahlgraveur auf hartem Material.

Auf der anderen Seite des kleinen Raumes befindet sich der Arbeitsplatz eines Uhrmachers um die Jahrhundertwende (gespendet von Dir. SR Josef Gross), der ebenfalls im Zusammenhang mit dem Gold- und Silberschmiedehandwerk steht. Eine Uhr aus dem Jahre 1955, an der Museumsleiter Prof. Rössler noch selbst mitgearbeitet hat, zeigt die enge Verbundenheit der verschiedenen Berufszweige. Sie wurde in ihrer heutigen Form von Berufsschülern aus sechs Gewerben gestaltet: Uhrmacher, Juweliere, Goldschmiede, Silberschmiede, Gürtler und Graveure.

Auf dem Werktisch befinden sich einige Uhrengehäuse und -innenleben sowie das wichtigste Werkzeug des Uhrmachers, der Drehstuhl zur Herstellung der verschiedenen Wellen. An der Wand hängt ein "Cirkular der k.k. Landesregierung im Erzherzogtum Österreich unter der Enns" vom 25. Januar 1793, das besagt, "dass von dem Guldenwerte der fremden Uhrfedern statt der sechs Kreuzer neun Kreuzer Einfuhrszoll abgenommen werden sollen".


Raum VIII
Im Raum VIII des Museums befindet sich über einer Sitzgarnitur die Eligiusfahne aus dem Jahre 1906, auf der der Hl. Eligius allerdings nur als Schutzpatron der Hufschmiede dargestellt ist. Erst der alten Handwerksordnung von 1366 - der ältesten überhaupt - kann der Besucher entnehmen, dass der Hl. Eligius auch für die Gold- und Silberschmiede zuständig ist. Das Original befindet sich im Archiv der Stadt Wien und trägt ein gotisches Rundsiegel mit 3,5 mm Durchmesser, das von einem unbekannten Goldschmied aus Wien hergestellt worden ist. Dargestellt ist Eligius als Mönch bei der Anfertigung eines Kelches auf einem Amboss. Er war ein Goldschmied, der sehr sparsam gearbeitet hat. Einmal durfte er für einen französischen König einen Thronsessel herstellen, der trotz reichhaltiger Verzierungen nicht besonders teuer gewesen ist. So beschloss der König den sehr gläubigen Eligius zu seinem Münzmeister zu machen. Später trat er in ein Kloster ein, wurde sogar Bischof und nach seinem Tode schließlich heiliggesprochen.

Zu sehen ist die Eligiusstandarte, die nach einer Idee von Prof. Rössler aus Kupfer angefertigt wurde und den Hl. Eligius bei der Arbeit zeigt. Geweiht wurde sie in der Stephanskirche mit Elisabeth Waldheim als Patin. Jedes Jahr am 1. Dezember wird sie bei der vom Museum initiierten Eligiusmesse mitgetragen.

In diesem Raum befinden sich außerdem eine beträchtliche Sammlung von Gold- und Edelsteinwaagen, die zwischen 1880 und 1900 verwendet wurde sowie zwei Handwalzen, sogenannte "Holzböcke mit Walzen" zum Verformen von Drähten und Blechen.

In einer Vitrine sind einige kunsthistorisch wertvolle amtliche Punzen von 1867 bis 1922 ausgestellt, darunter auch die Fuchskopfpunze, mit der Jugendstilschmuck gekennzeichnet wurde, sowie die berühmten originalen Repunzierungsstempel von 1806/07. Als damals Kaiser Napoleon Geld genötigte, holte er es sich von den Gold- und Silberschmieden. Diejenigen, die sich weigerten, ihm ihren Schmuck freiwillig zu überlassen, wurden mit einer hohen Geldstrafe belegt.

Die 1900 gegründete Werkstatt von Hermann Hawel aus der Rauhensteingasse 7 im ersten Wiener Gemeindebezirk erinnert an den bereits ausgestorbenen Beruf des Etui- und Kassettenmachers, der die ledernen Schutzhüllen für kostbare Schmuckstücke, für z.B. Diademe, angefertigt hat. Sein Arbeitsplatz ähnelt etwas dem eines Tischlers, weil der Kern der Etuis aus Holz bestanden hat. Hawel musste wegen Unrentabilität seine Werkstatt 1988 schließen und schenkte daraufhin die Einrichtung dem Museum.

Für historisch besonders interessierte Besucher gibt es am Ende der Museumsführung noch eine genaue Schilderung der Geschichte des Goldschmiedehandwerkes in Wien:

der älteste namentlich überlieferte Handwerker Wiens hieß Bruno und war ein Goldschmied. Seine Niederlassung in der Residenzstadt im 12. Jahrhundert stand mit großer Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit der Einrichtung einer herzöglichen Hofhaltung in Wien durch den Babenberger Heinrich II. Jasomirgott. Um das Jahr 1200 sind in Wien und Klosterneuburg bereits die Goldschmiede Engelbert, Friedrich, Heinrich, Philipp, Sintram und Walter belegt. 1262 sind unter den Wiener Goldschmieden ein Walther und 1295 ein Johannes als Urkundenzeugen genannt. Ebenfalls 1395 scheint der Goldschmied Michael Hert auf, der bis 1322 Hausbesitzer gewesen ist. 1302 taucht eine Örtlichkeit namens "Goltsmitte" in der Gegend des heutigen Salzgries und des Werdertores auf. 1303 wird erstmals das "Streslein unter den Goltsmiden" erwähnt, das identisch ist mit der heutigen Goldschmiedgasse. Da es damals offensichtlich bereits mehrere Goldschmiedwerkstätten in nächster Nachbarschaft gegeben haben dürfte, wäre die Gründung einer Innung zu Beginn des 14. Jahrhunderts durchaus vorstellbar. Im Laufe des Hoch- und Spätmittelalters scheinen in Wien zahlreich wohlhabende Goldschmiedemeister als Hausinhaber auf. Die älteste aller Handwerksordnungen erhalten die Goldschmiede am 13. Oktober 1366 von den Landesfürsten Albrecht und Leopold, und nicht wie die anderen Gewerbe von Bürgermeister und Stadtrat. Die Kompetenz der Herzöge für die Urkunde liegt darin begründet, dass die Goldschmiede für ihre Arbeiten wertvolles Edelmetall als Rohstoff benötigen, das außerdem in großer Menge zur Herstellung der Münzen dient. Nachdem das Originaldiplom im Jahr 1612 in der Hofkanzlei von der Innung vorgewiesen werden konnte, ist es in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges verloren gegangen. Da der Text aber wortwörtlich in der Bestätigungsurkunde vom 9. Juli 1446 übernommen worden ist, blieb er bis heute auch erhalten. Das in 16 Punkte gegliederte Papier enthält im wesentlichen folgende Bestimmungen: Unterstellung unter den herzoglichen Münzmeister sowie dessen Befugnisse, Erblichkeit des Meisterrechtes, Einsetzung von Beschaumeistern und Siegelgravierung nur für den ehrlichen Gebrauch. Nachdem die Zünfte und somit auch die Goldschmiede 1356 in den Äußeren Stadtrat eingezogen sind, entwirft einer der Meister das älteste bekannte Handwerkssiegel überhaupt, mit dem Schutzpatron der Goldschmiede, dem Hl. Eligius. Als erster Handwerker erkämpft sich schließlich der Goldschmied und mehrfache Hausbesitzer Oswald Pauch im Jahre 1396 das Recht, in den Inneren Stadtrat, dem die oberste Leitung der Stadtverwaltung anvertraut war, einzuziehen. 1367 gaben sich die Meister eine eigene, heute noch im städtischen Archiv deponierte Zechordnung mit ergänzenden Anordnungen für ihr Verhältnis untereinander.

Die älteste Nachricht über einen Gesellen der Goldschmiedezunft in Wien stammt aus dem Jahre 1407. Es war Hanns Siebenbürger, der damals in der Werkstatt des Niklas Kropf arbeitete.

1420 erhielt Leopold Weiler, Hofgoldschmied der Herzoge Albrecht IV. und Albrecht V. die ehrenvolle Amtsstelle eines Grundbuchverwalters.

Außer 1446 wurde die Goldschmiedeordnung noch einmal 1494 von Kaiser Maximilian I. bestätigt. Das blühende Gewerbe arbeitete nicht nur für den kaiserlichen Hof, sondern vor allem auch für die Geistlichkeit. Kostbare Reliquienbehältnisse, Monstranzen und Kruzifixe vermehrten den Domschatz von St. Stephan beträchtlich.

In der neuen Handwerksergänzungsordnung vom 5. Dezember 1527 schrieb Ferdinand I. den Goldschmieden vor allem eine Festsetzung der Lehrlingszeit mit fünf Jahren vor.

Zur Geldbeschaffung für den Wiederaufbau nach der Ersten Türkenbelagerung 1529 kam es zu einer rücksichtslosen Requirierung von Edelmetallen, die unbedacht ihres künstlerischen Wertes eingeschmolzen wurden. Darunter befanden sich auch große Teile des Domschatzes von St. Stephan und ein für den Hl. Leopold angefertigter Prachtsarg.

Mit einem Diplom vom 31. Mai 1582 bestätigte Rudolf II. die früheren Ordnungen der Wiener Goldschmiede und erweiterte sie um eine umfangreiche Strafandrohung gegen die überhandnehmenden Störer.

Am 26. Januar 1612 erließ Kaiser Matthias eine neue Handwerksordnung, die allen und somit auch den Goldschmieden eine unangenehme Konkurrenz brachte. Handwerker mit Sonderbefugnis des Kaiserhofes und solche, die Mitglieder der Stadtguardia waren, brauchten keine Gewerbesteuer zu bezahlen.

1621 hat der Stadtrat eine strenge Verordnung über die bei jedem Handwerk zu arbeitenden Meisterstücke und über die notwendige Einschränkung des "Meistermahls" erlassen. Diese von alters her überkommene Gewohnheit hatte sich zu einer krassen Unsitte ausgewachsen. Von einem Meisterrechtswerber wurde nämlich gefordert, alle Meister seiner Innung mit sämtlichen Angehörigen gründlich zu bewirten, so dass in manchen Fällen bis zu 400 Gulden auf den Tisch gelegt werden mussten. Das konnten sich viele Gesellen aber nicht leisten und wurden daher vom Meisterrecht ausgeschlossen. Diese Unsitte wurde durch die neue Verordnung ein für allemal abgestellt.

Einen Einblick in die Werkstatt eines Wiener Goldarbeiters zu jener Zeit gewährt ein Stich von Christoph Weigel. Deutlich zu erkennen sind eine Esse, ein Blasbalg, eine Schusterkugel und der kleine Hammer mit dem der Goldschmied gerade arbeitet.

Am 13. März 1666 kam es wieder zu einer Änderung der Handwerksordnung. Die Gesellen hatten demnach nicht mehr vier, sondern viereinhalb Jahre zu arbeiten, kein Goldschmied durfte umgearbeitetes Silber einkaufen, und es wurde erlaubt, 18-karatiges Gold sowie 14-lötiges Silber zu verarbeiten.

Während des 17. Jahrhunderts waren die Goldschmiede noch immer die feinsten unter den Wiener Handwerkern. Sie stolzierten mit feinen Kleidern und Schuhen mit hohen Stöckeln, mit Allongeperücke auf dem Kopf und dem Degen an der Seite, einher. Als der vornehmsten unter allen Handwerksorganisationen gebührte ihnen in der alljährlichen Fronleichnamsprozession der Domkirche zu St. Stephan der dem Allerheiligsten nächste Platz. Allerdings mussten sie diesen 1688 auf Grund eines obrigkeitlichen Befehls den bürgerlichen Handelsleuten überlassen.

Unter Joseph I. wurden die Innungsprivilegien nicht wie unter seinen Vorgängern unbesehen bestätigt, sondern einer recht eingehenden Revision unterzogen. So zeigt die Goldschmiedeordnung vom 27. August 1708 einen neuen Aufbau, wenn sie auch den Großteil ihrer Bestimmungen aus den früheren Urkunden übernimmt . Der letzte Punkt hebt hervor, dass "der Störer, Fretter und Winkelarbeiter immer mehr werden, dass die Tandelweiber in allen Gassen und Durchgängen und ebenso die Visierschneider (Händler mit Masken) Schmuckstücke feilbieten und, dass sogar manche Handelsleute eigene Goldschmiedegesellen beschäftigen". Das alles wurde nun abgestellt. Karl VI. bestätigte zwar noch dieses Privileg 1716, doch gab der kaiserliche Münzmeister Franz Josef Mittermayr von Waffenberg der Innung 1722 eine völlig neue, 35 Punkte umfassende Ordnung. Die Lehrzeit dauerte danach nur mehr sechs, für Meistersöhne gar nur mehr fünf Jahre. Die Arbeitszeit der Gesellen begann um halb sechs Uhr früh und endete um sieben Uhr abends. Akkordentlohnung wurde untersagt. Ein Meister durfte nicht mehr als drei Lehrlinge halten. Der Zech- bzw. Innungsmeister hieß von nun an Vorsteher. Unter Maria Theresia begann die Ansicht Fuß zu fassen, dass Schmuckstücke nicht unbedingt aus Edelmetall und echten Edelsteinen gefertigt sein mussten. Allmählich setzte die Zeit der sogenannten Galanteriearbeiter ein. Unter ihnen ragte der im Altschafferischen Haus in der Rofranogasse, - der heutigen Lerchenfelder Straße , wohnhaft gewesene Johann Strasser hervor. Seine Frau und seine Töchter sollen auf einem Maskenball Schmuck aus von ihm hergestellten falschen Brillanten getragen haben, die jeder für echt hielt, worauf Strasser als vermeintlicher Juwelendieb in Haft genommen wurde. Später ging er nach Paris und verdiente mit seinen "Pierres de Strass" ein Vermögen.

Nach der Eingliederung etlicher Galanteriearbeiter gab es 1742 in Wien 1160 bürgerliche Goldschmiede, von denen 26 außerhalb der habsburgischen Erbländer geboren waren.

Kurz zuvor im Jahre 1736 nannte eine Zählung der Gewerbetreibenden insgesamt 243 Goldschmiede und zwar 99 bürgerliche, 30 hofbefreite, 54 Inhaber von Gewerbebefugnissen außerhalb der Innung, 44 festgestellte Störer und 13 Angehörige der Stadtguardia. Daneben gab es einen selbständigen Goldschmiedezeugzurichter.

Vom Oktober 1773 stammt eine neuerliche, diesmal vom Stadtrat erlassene Goldschmiedeordnung, die alle ihre Vorläufer an Genauigkeit übertraf: die Arbeitszeit der Gesellen wurde mit täglich zehn bis elf Stunden, also 63 Wochenstunden, festgesetzt. Sie hatten an Werktagen von halbsechs Uhr morgens bis sieben Uhr abends, an Samstagen bis sechs Uhr abends zu arbeiten. Die Probezeit für Lehrlinge betrug sechs Monate, erst für die restlichen fünfeinhalb Jahre gab es ein unkündbares Lehrverhältnis. Die Meisterrechtswerber hatten sich neben der Vorlage des Meisterstückes auch einer Prüfung im Entwerfen von künstlerischem Schmuck bei der Akademie der bildenden Künste zu unterziehen. Überdies mussten die Meister, bevor ein fertiggestelltes Stück beim Hauptmünzamt seine Beschau-, beziehungsweise Wertpunze erhielt, die Anfangsbuchstaben ihres Vor- und Zunamens darin einschlagen. Dem Hauptmünzamt wiederum wurde aufgetragen, auf einer Kupfertafel die Abdrucke der dort eingeschlagenen Initialen-Stempel sämtlicher Wiener Meister festzuhalten.

Neben den regulären bürgerlichen Meistern machten viele Galanteriearbeiter von der 1753 zugestandenen Möglichkeit Gebrauch, ihren Beruf, oft ohne Zugehörigkeit zur Innung, auf Grund einer einfachen grundherrschaftlichen Befugnis in den Vorstädten auszuüben. 1792 sind schließlich 26 solcher "Kompositionsgalanteriearbeiter" der Goldschmiedeinnung einverleibt worden.

Am 19. Juni 1793 erteilte die Regierung eine besondere Bewilligung, mit der die Errichtung einer Witwen-Kasse der bürgerlichen Gold-, Silber- und Galanteriearbeiter ermöglicht wurde. Diese von vielen Meistern in Anspruch genommene und ihre Witwen vor Not und Elend bewahrende Einrichtung hat bis zu ihrer Auflösung durch die von Gauleiter Bürckel 1938 eingesetzte Kommission bestanden.

Bereits 1791 hat eine Verordnung der Hofkammer als Vorbehörde der späteren Finanz- und Handelsministerien, die Ordnung von 1773 dahingehend erweitert, dass von nun an nur mehr für "solche individuen Befugnisse zur Ausübung des Goldschmiedberufs erteilt werden durften, die sich beim Hauptmünzamt einer Prüfung in Legierung von Gold und Silber sowie in Münzrechnung erfolgreich unterzogen hatten. Die Meisterstücke sollten minder kostspielig und leicht verkäuflich gearbeitet werden".

Die napoleonischen Kriege führten alsbald zu einem Währungsverfall.

Schmuck und andere Wertgegenstände mussten an den Staat abgeliefert werden. Das dafür gegebene Papiergeld fiel sehr bald im Kurs. So konnten die Goldschmiede nur schwer zu dem für ihre Arbeit benötigten Edelmetall gelangen, und einige von ihnen versuchten sich dieses durch Horten von Münzen zu beschaffen. Dagegen richtete sich eine den Polizeimethoden des damaligen Obrigkeitsstaates durchaus entsprechende Hofkammerverordnung vom 21. August 1806, die besagte, dass Meister, die Gold- oder Silbermünzen einschmolzen, ihres Gewerbes als verlustig erklärt wurden. Nach dem Frieden von 1805 und dem Verlust wichtiger Gebiete an Napoleon und seine Verbündeten, kam es zu Geldmangel in der österreichischen Staatskasse. Man kam auf die Idee, für den Besitz von Gegenständen aus Edelmetall eine neue jährlich zu entrichtende Abgabe einzuführen. Es bestand die sowohl für private Besitzer als auch für die Gold- und Silberschmiede die Verpflichtung, die von der Ablieferung zur Einschmelzung ausgenommenen Stücke jährlich mit Entrichtung einer nicht gerade geringen Gebühr "repunzieren" zu lassen.

Im Jahre 1819 musste sich die k.k. Hofkammer als oberste Gewerbebehörde mit der Frage beschäftigen, ob die Silberarbeiter und die Goldschmiede als gesonderter Berufszweig anzusehen seien. Nach längeren Verhandlungen stimmten sie dem Antrag der Wiener Innung zu, eine Trennung abzulehnen.

Daraufhin wurde in der Verordnung vom 25. August 1819 folgendes festgelegt: "Da sowohl bei den Gold- als auch bei den Silberarbeitern die Ausübung ihrer Gewerbe in der Hauptsache auf der selben Bedingung, nämlich der gehörigen Geschicklichkeit im Zeichnen, in geschmackvoller Ausführung wohl gewählter Formen und so weiter beruht, ohne dass die Verschiedenheit des Materials zugleich eine Verschiedenheit in der Manipulation bewirkte, fand man die vollkommenen Gleichstellung der Gewerbsrechte der gedachten Gewerbsleute, wie auch der Galanteriearbeiter, insofern diese nicht sogenannte Compositions-Waren verfertigten, sondern gleichfalls in feinem Gold und Silber ihre Erzeugnisse liefern, zur Genehmigung geeignet".

Kurze Zeit später tauchte in den Gewerbeadressbüchern die Bezeichnung Filigranarbeiter statt Galanteriearbeiter auf.

Bei der Volkszählung von 1846 stellte die Behörde 340 Meisterbetriebe innerhalb der bürgerlichen Gold-, Silber- und Juwelenarbeiter fest. Die Zahl der übrigen Goldschmiede, die zu diesem Zeitpunkt auf Grund einer frei erteilten Befugnis selbständig arbeiteten, ist nicht erhoben worden.

Mit dem staatlichen Patent vom 20. Dezember 1859 wurde in Österreich die Gewerbefreiheit deklariert. Die Innungen trugen seither die Bezeichnung "Genossenschaften", der Geselle wurde zum "Gehilfen". Auch die "Genossenschaft der bürgerlichen Gold-, Silber-Plättner und Flinserlschläger, Goldschläger und Krätzmüller der Haupt- und Residenzstadt Wien" erhielt 1862 durch die Niederösterreichische Statthalterei ein 37 Paragraphen umfassendes Statut ausgefertigt. Zugleich wurde ein Statut für die Genossenschaftskrankenkasse der Goldschmiede erlassen.

In der Neufassung des Status vom 15. März 1883 findet sich nur mehr der Begriff "Juweliere, Gold- und Silberschmiede" wieder.

Eine symbolische Krönung der prächtigen Erneuerung der Kaiserstadt Wien nach der Revolution von 1848 war der berühmte Festzug zur Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares, kunstvoll gestaltet vom Maler Hans Makart im Jahre 1879. Unter den rund 1000 Teilnehmern, die die Ringstraße entlang zogen, befand sich auch eine Gruppe der Goldschmiede, der ihr Genossenschaftsbanner aus dem Jahre 1781 vorangetragen wurde, das mit den Bildnissen der Heiligen Eligius und Athanasius geschmückt war.

Im Jahre 1891 wurde das Banner restauriert. Darüber hinaus besaß die Innung auch eine Meistertruhe aus dem 16. Jahrhundert, einen undatierten Kelch mit zwei Messkännchen und ein wertvoll gebundenes Messbuch aus dem Jahre 1755. Diese Gegenstände wurden später dem Historischen Museum der Stadt Wien als Depositum übergeben.

Am 2. Dezember 1905 wurde das alte Witwenpensionsinstitut der Innung durch die Gründung eines "Vereines zur Unterstützung der Witwen und Waisen nach Juwelieren, Gold- und Silberschmieden" erneuert.

Um 1910 passten sich die Goldschmiede dem Jugendstil der berühmten "Wiener Werkstätte" und ihren Vertretern Josef Hoffmann und Koloman Moser mit viel Verständnis an.

Nach den Wirren des Ersten Weltkrieges und der schweren Nachkriegsjahre, führte erst die Bildung des Ständestaates 1934 zu einer Neuorganisation des Gewerbes. Ab 1. Januar 1936 bestand die "Zunft der Juweliere, Gold- und Silberschmiede und Uhrmacher" in Wien, die schließlich unter Adolf Hitler am 1. April 1939 in die "Handwerksinnung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede in Wien und Niederdonau" überging.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 gelang es, sie neu zusammenzufassen, und innerhalb der hiesigen Kammer der gewerblichen Wirtschaft die traditionsreiche Landesinnung Wien der Gold- und Silberschmiede und Juweliere als unmittelbaren Nachfahren der Zeche von 1366 wieder ins Leben zu rufen.

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