Stücksuche:
Bitte mind. 2 Zeichen eingeben. Weitere Suchmöglichkeiten »

Perlen in der Malerei

19. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert war, allgemein gesehen, das Interesse an Perlen zurückgegangen, obwohl Perlen an den Höfen nach wie vor eine Prestigefunktion erfüllten. Perlen aus Amerika und Indien waren rar geworden, aber nachdem Ceylon 1796 britisch geworden war, gab es einige Jahre lang sehr gute Perlenernten. Sie stellen den Beginn des letzten großen Aufschwungs der Naturperlen dar, der bis zur Weltwirtschaftskrise von 1929 anhalten sollte. Mit dem 19. Jahrhundert tritt die Naturperle endgültig ihren Weg in die bürgerliche Welt an. Sie ist aber in der ersten Hälfte des Jahrhunderts noch ein Privileg des Adels. Am napoleonischen Hof nehmen Juweliere aus vorrevolutionärer Zeit ihre Arbeit wieder auf. Diamanten werden zunächst noch weniger verwendet, denn sie gelten als Affront gegen die Demokratie. Darin ist der Einfluss der Revolution zu sehen.

Josephine de Beauharnais (1763-1814), die erste Kaiserin Napoleons, favorisierte Perlen. Sie besaß eigene Paruren, dazu gehörten mehrere Stränge und ein Collier mit 8 großen Tropfenperlen, 2 Paar Ohrgehänge und ein Diadem mit 97 Tropfenperlen. Bei der Scheidung von Napoleon besaß sie Schmuck im Wert von 4,3 Millionen Franken, den ihr Napoleon zum größten Teil geschenkt hatte. Daneben konnte sie über die Kronjuwelen verfügen. Der französische Kronschatz wies am Ende des 18. Jahrhunderts die größten und schönsten Perlen in ganz Europa auf, allerdings kamen beim Raub der Kronjuwelen die wertvollsten Stücke abhanden, nämlich das schon erwähnte Collier der Anne d’Autriche, die „Reine des Perles“ und ein Paar Ohrgehänge mit großen Tropfenperlen.

1811 kaufte Napoleon die „Perle Napoléon“, die 1887 unter dem Namen „La Régente“, eingefasst in ein Schmuckstück der Kaiserin Eugénie, verkauft wurde. Im Mai 1988 verkaufte das Auktionshaus Christie’s unter dem Namen La Régente“ eine eiförmige Perle von 302,68 Grains für fast 865.000 US Dollar, deren Identität mit der „Perle Napoléon“ aber angezweifelt wird.

Hortense des Beauharnais. Die Tochter Josephines, war mit Napoleons Bruder Louis Bonaparte, dem zeitweiligen König von Holland, verheiratet. Sie erbte den größten Teil des Schmucks ihrer Mutter, allerdings fehlten die wertvollsten Perlen bereits beim Tod Josephines.

Das Gemälde von François Gérard zeigt Hortense als Königin von Holland, gekleidet im Stil des Empire, sie trägt prachtvolle Perlen. Zusammen mit Kaiserin Josephine und den Schwestern des Kaisers gehörte Hortense zu den tonangebenden Damen ihrer Zeit, die einander mit der Größe, Schönheit und dem Wert ihrer Perlen zu übertrumpfen versuchten. Dies ist besonders deutlich auf dem Krönungsbild von Jaques Louis David zu sehen, das im Louvre hängt.

Hortense war die Mutter des letzten französischen Kaisers, Napoleon III. Von ihr erhielt er 1837 die „Peregrina“, eine der berühmtesten Perlen der Weltgeschichte. Joseph Bonaparte, der zeitweilige König von Spanien, hatte sie Hortense übergeben. Napoleon III. verkauft die Perle 1873 an den Duke of Abercorn, 1969 erwirbt Richard Burton sie für Liz Taylor.

Die Kopie eines Bildes von Franz Krüger aus dem Jahr 1838 zeigt die russische Zarin Alexandra Feodorowna . Die Tochter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. galt als das Ideal der Russen. Auf dem Bild ist sie in russischer Tracht mit Kokoschnik abgebildet. Trachtenporträts kommen unter Nikolaus I. wieder in Mode, sie sind ein Zeichen für die Sentimentalität, mit der die Augen vor der Realität verschlossen werden. Die herausragende Stellung der Zarin als erste Dame des Landes wird auf dem Bild mit Hilfe der großen farbigen Edelsteine und des dreireihigen, prätentiösen Perlencolliers symbolisiert.

In Frankreich erlangte die letzte Kaiserin, Eugénie, geradezu legendäre Berühmtheit als Perlenliebhaberin. Auf dem 1853 von Edouard Dubuffe gemalten Bild trägt die Gattin von Napoleon III. unter anderem ein Collier mit 38 Perlen und 9 Tropfenperlen, die aus dem Kronschatz stammen. Eugénie besaß eine Reihe weiterer Perlenschmuckstücke, die von Gabirel Lemonnier und anderen Pariser Juwelieren umgearbeitet worden waren. Die Perlen dazu entstammten Lieferungen von 1810 und 1811 für Marie-Louise, der zweiten Gemahlin Napoleons.

Kaiserin Eugénie favorisierte als erste die dunklen Perlen aus der französischen Kolonie Polynesien, die damit zum ersten Mal Berühmtheit erlangten. Auch die mexikanischen Perlen, die nach Jahrzehnten der Ruhe wieder erfolgreich gefischt werden, treten in dunklen Farben auf. 1887 werden die Perlen des französischen Kronschatzes in der 3. Republik verkauft.

Das 1883 von Charles Giron gemalte Bild heißt: Die Pariserin. Giron war zu seiner Zeit ein bekannter Gesellschaftsporträtist. Das Bild kann als Inkarnation von Pariser Eleganz angesehen werden, das Motiv der Frau mit Handschuh hatten vor Giron allerdings schon viele andere Maler, darunter Manet, aufgegriffen. Eine einzige große Perle , die als Ohrschmuck zu sehen ist, demonstriert, dass in bürgerlichen Kreisen jetzt Schmuck getragen werden kann, der vorher dem Adel vorbehalten war.

Zehn Jahre später, im Juli 1893, erntet Kokichi Mikimoto zusammen mit seiner Frau Ume auf einer kleinen Insel in der Ago-Bucht auf der japanischen Ise-Halbinsel die ersten gelungenen Zuchtschalenperlen. Dies war der Beginn der Zuchtperlenindustrie und damit der endgültigen Demokratisierung von Perlen

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Erlaubnis von Frau Strack veröffentlicht. Er basiert auf einen Vortrag von Frau Strack. Wenn Sie Frau Strack mit ihrem Vortrag einladen wollen:

>

Artikel veröffentlicht mit freundlicher Bewilligung von:  Elisabeth Strack / Gemmologisches Institut Hamburg



<<Perlen in der Malerei
Die europäische Flussperlmuschel>>


Aktuelle Objekte:

Martin Pálffy >

Westeuropa, ... >



Aktuelle Objekte:

Jarek Puczel >

VON WANGENHE... >