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(Verkaufstück) MÄNNLICHER AKT I (SELBSTBILDNIS), 1912 EGON SCHIELE Tulln 1890 – 1918 Wien Art. Nr.: 47 Anbieter: Wienerroither & Kohlbacher GmbHEingeordnet in: Kunst des 20. Jahrhunderts
Preis: nicht vermerkt
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EGON SCHIELE
Tulln 1890 – 1918 Wien
47
MÄNNLICHER AKT I (SELBSTBILDNIS), 1912
Feder- und Pinsellithographie auf Velin, Aufl. 200, 448 x 334 mm, seitlich beschnitten
Signiert und datiert links unten mit Bleistift und rechts unten im Stein: EGON SCHIELE 1912
Der eigene Körper ist bei Schiele neben dem weiblichen Akt das häufigste Modell, das als einsames Selbstporträt oder in Verstrickung mit einem weiblichen Körper gezeigt wird. Man darf nicht vergessen, dass Schiele schon mit achtundzwanzig Jahren gestorben ist, künstlerisch vollendet, aber noch in narzisstischer Jugendlichkeit ganz auf sich konzentriert und die eigene Gemütsverfassung als den Mittelpunkt aller Welten empfindend. Diese narzisstische Umkreisung seiner eigenen Person wird durch Deutungen und Verkleidungen gleichsam historisch erhöht, wenn er sich z.B. als Heiliger Sebastian oder als „Selbstseher“ empfindet. Er kann sich als in sich ruhender Mönch darstellen oder auch immer wieder als Partner in gewagten erotisch-sexuellen Liebesspielen. Trotzdem bleibt sein dargestelltes Ich immer unerlöst. Keine noch so intensive orgiastische Verstrickung findet die vergeblich herbeigesehnte Lösung. Alles scheint von der Melancholie des einsamen Knaben und jungen Mannes überdeckt, ähnlich wie in den Gedichten seines Zeitgenossen Georg Trakl. Schiele malt und zeichnet sich gerne nackt im Gegensatz zum vergleichsweise „keuschen“ Oskar Kokoschka, der sich in der Darstellung einer Umarmung mit seiner Geliebten Alma Mahler („Die Windsbraut“) seiner Hüllen nicht entledigt. Die primären Geschlechtsmerkmale werden bei Schiele disproportioniert hervorgehoben. Diese Fixierung auf das sexuell Wesentliche gilt natürlich auch für Schieles weibliche Aktdarstellungen, und so ist das Schimpfwort „Pornograph“ vom Horizont der damaligen bürgerlichen Moral nicht ganz unverständlich. Künstlerisch geht es jedoch darum durch Überlängung und Überbetonung einzelner Körperteile expressionistische Werte zu erzeugen und zur damals neuen Ästhetik (ab 1908/1910) beizutragen, die mit dem Ruf „hässlich ist schön!“ dem impressionistischen Diktat der „schönen“ Oberfläche das expressionistische Ideal nach Wahrheit auch in körperlicher Direktheit entgegensetzen möchte. Man will sich von allen Tabus der verlogenen Verbrämung befreien und den Körper so darstellen wie er ist, sowohl in seiner vergänglichen Direktheit als auch symbolisch im Sinne des protestierenden und gemarterten Ichs.
Wolfgang G. Fischer
Literatur: Matthias Boeckl: Wilhelm Nicolaus Prachensky. Tyrolia Verlag, Insbruck 1998.
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