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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Blankwaffen , allgemeine Bezeichnung für Hieb- und Stichwaffen.

Die blanken oder "kalten" Waffen wurden für die Jagd und den Nahkampf entwickelt. Abgesehen von den axt- oder spießähnlichen Waffen, bestehen sie meist aus der ein- oder beidseitig geschliffenen, im Allgemeinen in einer Spitze endenden Klinge und aus dem * Heft oder Griff als Handhabe. Das im Inneren des Griffes verschmälert fortgesetzte Klingenstück heißt * Angel. Diese wurde bei Gebrauchswaffen für gewöhnlich am Griffende vernietet, um der Klinge einen festen Halt zu geben. Als einfachste Form des Handschutzes dienen für gewöhnlich zwischen Klinge und Griffstück angebrachte * Parierstangen, um gegnerische Klingen parieren, d. h. abwehren zu können. Sie verhindern, dass die Klinge des Gegners beim Entlanggleiten an der eigenen Klinge auf die Hand trifft. Manchmal ist auch ein so genannte Stichblatt ausgebildet; einen solchen Handschutz hat z. B. der * Hirschfänger. Die Gesamtheit von Griff, Parierstangen, Stichblatt und Schutzspangen wird als * Gefäß bezeichnet. Die ersten Blankwaffen wurden aus Kupfer (meist Dolche und Äxte) und später aus Bronze (in der Hauptsache Schwerter) gefertigt (* Bronzezeit). Beim Metallteil der zu dieser Zeit als Werkzeug und Waffe gebräuchlichen Äxte gibt es zwei Ausführungen: entweder es ist gelocht oder es weist eine Mulde auf, in die das kurze Stück eines als Axtstiel dienenden abgewinkelten Holzes eingebracht und festgebunden wurde. Mit Ausnahme der aus Holzgriff und Metallteil bestehenden Äxte goss man bei den frühen Blankwaffen Klinge und Griff mit abschließendem Knauf für gewöhnlich aus einem Stück. Ältere Bronzeschwerter sind meist länger, die Klinge war eher für den Stoß gedacht. Bei späteren Exemplaren ist die Klinge im Allgemeinen kürzer, etwas breiter und sowohl für den Hieb als auch zum Stoß geeignet. Aus der Bronzezeit erhalten sind weiters mit einer * Tülle versehene Spieß- bzw. Speerspitzen, die, wie viele Dolch- und Schwertklingen aus dieser Zeit, als Versteifung eine deutliche Mittelrippe aufweisen. Obwohl Waffen aus Eisen im Nahen Osten vereinzelt schon gegen Ende des 3. Jt. v. Chr. bekannt waren, wurden in Europa erst im 1. Jt. v. Chr. Eisenwaffen neben den Bronzewaffen gebräuchlich. Diese z. B. in Hallstatt gefundenen Schwerter aus Eisen haben eine relativ lange Klinge (bis 90 cm). Die Griffe sind oft aus Bronze oder Elfenbein gefertigt, wobei letzteres Einlagen aus Bernstein oder Gold aufweisen kann. Im römischen Reich bestand die Bewaffnung der Legionäre meist aus dem Kurzschwert, * Gladius genannt, den die Fußtruppen führten, und aus dem Langschwert, der * Spatha, das die Berittenen verwendeten. Der bei den Germanen gebräuchliche * Sax war bei manchen Stämmen bis ins 10. Jh. n. Chr. in Verwendung. Im Mittelalter trug das Entstehen der Städte wesentlich zur Spezialisierung der Handwerker bei. Neben den Klingenschmieden gab es in den Städten meist eben so viele * Schwertfeger. Während im frühen Mittelalter in ganz Mitteleuropa und auch im Norden vor allem fränkische Schwertklingen Verwendung fanden, wurden im Hochmittelalter vor allem Klingen aus Toledo, Mailand, Brescia, Genua, Solingen, Passau und Nürnberg bevorzugt. Eine spezielle Form des Schwertes war im Hochittelalter das so genannte Bohrschwert, eine nur für den Stoß verwendbare Blankwaffe, mit der man versuchte, den * Kettenpanzer zu durchstoßen oder bei Rüstungen in das * Geschübe einzudringen. Zur Zeit der * Kreuzzüge wurden die * Parierstangen des Schwertes besonders lang ausgeführt und verstärkten so den Eindruck der Kreuzform, den das Schwert vermittelt. Um die Mitte 15. Jh. begann sich die Kampfweise zu ändern. Man war bestrebt, den Gegner mit der Klingenspitze zu treffen und zu durchbohren. Die aus gutem Stahl geschmiedeten, ziemlich schmalen Klingen wurden sehr rasch geführt. Um die Waffe beim schnellen Stoß und beim Parieren der gegnerischen Klinge besser dirigieren zu können, wurde es üblich, den Zeigefinger an die * Fehlschärfe oder die Parierstange zu legen bzw. ihn sogar um diese zu krümmen. Diese Art der Waffenhandhabung führte Mitte 15. Jh. zur Ausbildung eines Fingerbügels, der dann, wahrscheinlich der Ausgewogenheit wegen, auch an der Gegenseite angebracht wurde. Im 16. Jh. kam das Tragen der schützenden Eisenhandschuhe aus der Mode, wodurch ein besserer Handschutz erforderlich wurde. Das Schwert wandelte sich zum Degen bzw. Rapier mit dem dafür üblichen, aus Parierringen, Fingerbügel, Parierstange, Faustschutzspange und Faustbügel bestehenden * Gefäß, das einen guten Handschutz bildete. Zum Unterschied von den verschiedenen Blankwaffen, die in vielen Sammlungen, als Wanddekor und auch im Handel zu finden sind, haben sich die zum Großteil aus mit Leder überzogenem Holz bestehenden Scheiden der Waffen weit seltener erhalten. Zu den als Dekorwaffen gebräuchlichen Blankwaffen zählen u. a.: * Akinakes, * Anderthalbhänder, * Bajonett, * Bärenspieß, * Baselard, * Bayonne, * Bihänder (Beidenhänder), * Bohrschwert, * Chopesch, * Cinquedea, * Claymore, Couse (* Kuse), * Degen, * Dolch, * Dussack, * Dussägge, * Faringa, * Faschinenmesser, * Flamberg, * Flammenschwert, * Fokos, * Gladius, * Gleve, * Hellebarde, * Hirschfänger, * Jagddegen, * Jagdplaute, * Jagdschwert, * Jambiya, * Jatagan, * Karabela, * Katana, * Katzbalger, * Kilidsch, * Kindschal, * Kordelatsch, * Kozuka, * Kris, * Kukri, * Kuse, Linkshanddolch (* Parierdolch), * Main gauche, * Malchus, * Ochsenzunge, * Pallasch, * Panzerstecher, * Parierdolch, * Rossschinder, * Säbel, * Saufeder, * Sauschwert, * Schaschka, * Scheibendolch, * Schiavona, * Schwert, * Shashir, * Spatha, Tulwar, * Vogue, * Wakizashi.

H. SEITZ, Blankwaffen, 2 Bde., Braunschweig 1965-68, Nachdr. 1981.


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