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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Böttger (Böttiger), Johann Friedrich (geb. 1682, Schleiz; gest. 1719, Dresden), Erfinder des europäischen * Porzellans.

Schon während seiner Lehrzeit bei dem Apotheker Zorn in Berlin befasste sich Böttger mit alchimistischen Experimenten. Durch seinen Ruf als * Alchimist wurde Friedrich I. von Preußen auf ihn aufmerksam. Der König ließ Böttger internieren, damit er gezielt und angestrengt an einem Verfahren zur Goldgewinnung arbeite. Nach einer geglückten Flucht begab sich Böttger nach Sachsen.

Kurfürst Friedrich August I., besser bekannt als August II., der Starke, König von Polen, war nicht minder an Gold interessiert. Er kam dem Ersuchen Preußens um Auslieferung nicht nach und setzte Böttger nun seinerseits gefangen, um sein Bleiben zu erzwingen. Böttger arbeitete bei seinen Versuchen gemeinsam mit dem Mathematiker und Physiker Ehrenfried Walter von * Tschirnhaus(en). Der Freiherr hatte bereits früher mit Hilfe von ihm entwickelter Brennspiegel sehr hohe Temperaturen erzielt, Mineralien geschmolzen und miteinander vermengt.

Durch die Mischung von Ton und Feldspat unter großer Hitze entstand 1707 im Laboratorium in der Dresdner Venusbastei das rote * Böttgersteinzeug, das edelste keramische Produkt Europas vor der Erfindung des * Porzellans. Die Modelle für die Ausformung der * Keramiken hatte der sächsische Hofgoldschmied Johann Jakob Irminger entworfen. Böttgersteinzeug wurde bis 1733 hergestellt.

Wie in der Glasindustrie schliff man die Verzierungen vielfach ein. Durch teilweises Wegschleifen der Glasur kommt der Untergrund, d. h. der * Scherben zum Vorschein, dessen Farbe, in * Sgraffito-Manier, den Dekor bildet. Für die Schleifarbeiten wurden böhmische Glasschleifer verpflichtet. 1708 starb Tschirnhaus, und Böttger experimentierte allein weiter. Er soll dem rötlichen Ton weißes "Haarpuder" beigemengt und schließlich den Ton zur Gänze durch das Puder ersetzt haben, bei dem es sich um * Kaolin handelte; es entstand dadurch das erste europäische Porzellan.

Am 28. März 1709 konnte Böttger dem prunkliebenden Monarchen, der sich für seine aufwendige Hofhaltung so sehnlich das Gold der Alchimie gewünscht hatte, die Erfindung des europäischen * Hartporzellans kundtun. (In China war das Porzellan bereits lange vorher bekannt.) Die Gründung der * Meißner Porzellanmanufaktur erfolgte unter der Leitung Böttgers am 23. Januar 1710. Zunächst hatte das Porzellan noch einen leicht gelblichen Farbton. Erst zwischen 1717 und 1719 gelang es, schneeweißes Porzellan zu erzeugen.

S.DUCRET, Tschirnhaus oder Böttger?, in: Weltkunst, H. 34, 1964; W. GOEDER, K. HOFFMANN, I. MENZHAUSEN u. a., Johann Friedrich Böttger, die Erfindung des europäischen Porzellans, Leipzig 1982; R. S. SONNEMANN, E. WÄCHTER (Hg.), Johann Friedrich Böttger. Die Erfindung des europäischen Porzallans, Stuttgart 1982; K. HOFFMANN, Johann Friedrich Böttger. Vom Alchemistengold zum weißen Porzellan, Berlin 1985.


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